Sonntag, 14. September 2008

Schalker wütend über den Schiedsrichter:
"Die beiden Gegentore waren ein Skandal"

  • Krstajic: 'Zum Schluss haben wir 9 gegen 14 gespielt'
  • Bayern hat mit Podolski ein Luxusproblem im Angriff

Die Spieler des deutschen Fußball-Bundesligisten Schalke 04 waren nach dem 3:3 im 132. Revierderby gegen Borussia Dortmund nach 3:0-Führung nicht nur frustriert, sondern übten auch heftige Kritik an Schiedsrichter Lutz Wagner. "Die beiden Gegentore waren ein Skandal. Zum Schluss haben wir 9 gegen 14 gespielt", wetterte Schalkes Manndecker Mladen Krstajic. Meister Bayern München hat, wie beim 3:0-Erfolg in Köln deutlich wurde, ein Luxusproblem.

Die Begegnung im Signal-Iduna-Park hatte mit sechs Toren, der Dortmunder Aufholjagd und zwei Platzverweisen für Schalke einiges zu bieten. Es waren aber nicht die Ausschlüsse (Pander, 73./Ernst, 77.), sondern die beiden Treffer des Dortmunders Alexander Frei (71., 89./Elfmeter), die den Schalkern bitter aufstießen. Vor dem 2:3 übersah das Schiedsrichterteam eine Abseitsstellung des Schweizer Teamstürmers, dazu wurde auch über die Elfmeter-Entscheidung in der 89. Minute, als der Referee die Abwehr von Krstajic als Handspiel wertete, heftig diskutiert.

"Das war niemals ein Handelfmeter. Wenn es ein absichtliches Handspiel gewesen wäre, hätte mir der Schiedsrichter Gelb geben müssen. Das hat er aber nicht. Außerdem stand er hinter mir, konnte es nicht sehen. Und der Linienrichter hat nichts angezeigt", ärgerte sich Krstajic. Schiedsrichter Wagner gestand nach Studium der TV-Bilder Fehler ein, wie er erklärte: "Ich habe das während der Partie so gesehen, aber die TV-Bilder geben etwas anderes her."

"Ein Crash-Kurs"
Beide Lager hatten jedenfalls Mühe, das unglaubliche Spielgeschehen zu begreifen. "Für uns beide war das ein Crash-Kurs, was in einem Derby alles abgehen kann", sagte BVB-Coach Jürgen Klopp. Und Schalkes Nationalspieler Heiko Westermann reagierte ähnlich beeindruckt: "Das waren die verrücktesten 90 Minuten, die ich je erlebt habe." In bester Stimmung war jedenfalls Doppeltorschütze Frei, der sich mit seinem Doppelpack im ersten Spiel nach seiner Verletzungspause den Frust nach der 1:2-Heimniederlage in der WM-Qualifikation mit der Schweiz gegen Luxemburg von der Seele schoss. "Am Mittwoch bist du mit der Schweiz noch der Buhmann der Nation, heute stellst du alles auf den Kopf", freute sich der erfolgreiche "Joker".

Nach dem Spiel sorgten Fans beider Teams für einen negativen Höhepunkt, es gab 20 vorläufige Festnahmen, wie die Dortmunder Polizei am Sonntag mitteilte. Nach deren Angaben gab es im Anschluss an die Begegnung Auseinandersetzungen zwischen Gruppierungen beider Fan-Lager. Zwei Streifenwagen der Dortmunder Polizei wurden von Schalke- und BVB-Anhängern durch Steinwürfe beschädigt, zwei Polizeibeamte erlitten bei Schlichtungsversuchen leichte Verletzungen.

Luxusproblem Podolski
Durch die Punkteteilung im Topspiel der vierten Runde verbesserte sich Meister Bayern auf Rang zwei. Die Münchner überzeugten zwar spielerisch nicht, haben aber mit "Joker" Lukas Podolski ein Luxusproblem. Der deutsche Teamspieler ist bei der Klinsmann-Truppe ein Dauer-Reservist, der Tore schießt, ab und zu schimpft, aber dann da ist, wenn ihn der Trainer braucht. Den vorerst letzten Beweis seiner Qualitäten lieferte Podolski mit seinem Treffer zum 3:0-(0:0)-Sieg in Köln, der alten Wirkungsstätte des gebürtigen Polen.

Für den 23-Jährigen wirkte die kurze Heimkehr in die Domstadt wie eine Befreiungsaktion. Podolski wurde von den 50.000 Zuschauern im ausverkauften WM-Stadion so gefeiert, als hätte er beim 1. FC Köln die Unterschrift unter einen Rücktransfer gesetzt. Doch Podolski ist Wahl-Münchner und will es augenscheinlich bleiben. "Ich hatte ein Gespräch mit dem Trainer. Und ich habe weder mit ihm noch mit Manager Uli Hoeneß ein Problem", ließ Podolski zu aller Erstaunen wissen.

"Bewundernswert"
Podolski scheint neu gewillt, sich an der Isar durchzubeißen. Es werde ein längerfristiger Prozess, die "Platzhirsche" Luca Toni, Torschütze zum 1:0 (53.) und 2:0 (60.) sowie Miroslav Klose im Angriff der Bayern zu verdrängen, ließ Klinsmann dieser Tage wissen. Podolski konterte in der Nachspielzeit mit einem Tor (91.) und verbal: "Wie lange der Prozess dauert, liegt ja auch an mir." Klinsmann, der einst als Bundestrainer die Hand schützend über Podolski gehalten hatte, war beeindruckt: "Bewundernswert."

Klinsmann hat dadurch immer mehr die Qual der Wahl. Wenn Klose nicht trifft, macht es Podolski. Und Toni, der sich laut Hoeneß im Vereinstrikot wohler fühlt als im Dress von Weltmeister Italien, ist ohnehin ein Garant: Für den 31-Jährigen waren es im 34. Bundesligaspiel die Treffer 26 und 27. "Den können sie nachts um drei wecken, er wird immer Tore schießen", meinte Hoeneß vier Tage vor dem Champions-League-Auftakt bei Steaua Bukarest.
(apa/red)

14.9.2008 13:51