Freitag, 12. September 2008

Toro Rosso und der "Erfolg über Nacht":
"Kleine Bullen" sind das Team der Stunde

  • "Wir haben wirklich eine Visitenkarte abgegeben"
  • Neben RB-Technik lobt Berger Teamchef Franz Tost

Der Erfolg von Toro Rosso sorgt für Aufregung in der Formel 1. Seit das zweite Red-Bull-Team sogar den großen Bruder in den Schatten stellt, sind die Blicke auf das vor drei Jahren aus Minardi hervorgegangene, einstige Nachzüglerteam gerichtet. In der Konstrukteurs-WM hat die Scuderia aus Faenza unter dem österreichischen Teamchef Franz Tost sogar Honda überholt und liegt gleichauf mit Williams auf Platz sieben. Vom großen Bruder Red Bull Racing trennen die kleinen Bullen nur noch acht Zähler.

Keine Frage, dass das aus dem Red-Bull-Technology-Center und damit der Feder von Adrian Newey stammende Chassis des STR3 ein Hauptgrund dafür ist, warum es so gut läuft. "Wir haben aber mittlerweile auch ein richtig starkes Team, während wir uns früher mit vielen Dingen noch schwergetan haben", strahlte Mitbesitzer Gerhard Berger nach dem Grand Prix in Spa-Francorchamps, in dem man lange aus eigener Kraft sogar vor BMW fuhr und Sebastien Bourdais auf historischem Podestkurs unterwegs war, ehe der Regen hineinpfuschte. "Wir haben dort wirklich eine Visitenkarte abgegeben", freute sich Berger.

"Topmann" Franz Tost
Das Lob von Niki Lauda ("Früher war der Gerhard ein fauler Hund, jetzt arbeitet er richtig hart") gab der 49-jährige Tiroler aber umgehend weiter. Und zwar in erster Linie an Red Bull ("Man hat uns ein tolles Auto hingestellt"), Technik-Chef Giorgio Ascanelli ("Er hat viel Erfahrung ins Team mitgebracht") und vor allem Teamchef Franz Tost. "Ein Topmann, der einen Riesenjob macht", lobte Berger seinen Tiroler Landsmann.

In der Tat hat der 52-jährige Gschnitztaler im dritten Jahr ein kleines Wunder vollbracht. Natürlich ist das seit Monaco verfügbare Chassis aus der Red-Bull-Technologie sehr gut. Und der bärenstarke Ferrari-Motor, den man seinerzeit übernehmen "musste" weil sich RBR von Renault mehr versprochen hatte, funktioniert so ausgezeichnet, dass man den Liefervertrag bereits verlängert hat.

Vor allem aber hat Tost es geschafft, ein gut funktionierendes Team zusammenzustellen, das mit zunehmender Erfahrung nun sogar die Großen das Fürchten lehrt. Auch Tost nannte in einem teaminternen Interview vor dem kommenden GP in Monza, der auch für Toro Rosso als Heimrennen gilt (sogar der Bürgermeister von Faenza kommt) das Auto, den Motor und die Engineering-Group um Ascanelli als Hauptgründe für den "Erfolg über Nacht".

Vettel wechselt zum großen Bruder
Dazu kämen aber auf jeden Fall auch die Piloten, sagte Tost, der seinerzeit den unbeständigen US-Amerikaner Scott Speed aus dem Team geworfen hatte. Der Franzose Bourdais, vor allem aber der deutsche Jungstar Sebastian Vettel holen seitdem aus dem Toro Rosso das Optimum heraus. Während Bourdais' Zukunft noch offen ist, muss Vettel das junge Team 2009 fix in Richtung Red Bull Racing verlassen. Was Berger schmerzt, setzt er doch sehr auf Kontinuität auch bei den Fahrern.

Bei den Herbst-Tests werden der Schweizer Sebastien Buemi und der Japaner Takuma Sato den Toro Rosso testen, vor allem der aus der Red-Bull-Familie stammende Buemi dürfte für 2009 gute Karten haben. Zumindest im kommenden Jahr darf man bei Toro Rosso weiter von Erfolgen träumen, hat doch Teambesitzer Dietrich Mateschitz mittlerweile finanziell den Fortbestand des zum Verkauf stehenden Teams garantiert. "Das beste an den derzeitigen Erfolgen ist, dass wir immer teurer werden", ulkte Berger.

Erster Grand-Prix-Sieg ausständig
Tost ist aber bewusst, dass es für jeden Piloten schwierig wird, in die Fußstapfen von Jahrzehnte-Talent Vettel zu treten. Den Konkurrenzkampf mit RBR sieht der Österreicher als durchaus gesund an. Dass man Red Bull Racing derzeit fast schon blamiere, ist für Tost kein Thema. "In der Formel 1 kann sich schnell viel ändern, entsprechend müssen wir auf dem Teppich bleiben. Beide Teams streben das bestmögliche Ergebnis für Red Bull an. Und nachdem keiner von uns bisher einen Grand Prix gewonnen hat, liegt noch ein weiter Weg vor uns."
(apa/red)

12.9.2008 10:39
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