Mittwoch, 10. September 2008

Lewis will Revanche in der Ferrari-Heimat:
Brite peilt Triumph bei Italien-Grand Prix an

  • Formel 1-Zirkus kocht nach umstrittener Zeitstrafe
  • Weltmeister Räikkönen in Monza mit letzter Chance

Auf das Urteil der Berufungsrichter muss Lewis Hamilton noch warten, doch schon beim Ferrari-Heimspiel am Sonntag in Monza will sich der Silberpfeil-Star auf der Piste für das "Unrecht von Spa" rächen. Für den beim Formel-1-Grand-Prix von Belgien um den Erfolg gebrachten McLaren-Mercedes-Piloten zählt beim Italien-Rennen nur der Sieg.

"Jetzt wollen wir möglichst alle verbleibenden Rennen gewinnen", hatte der Brite schon kurz nach der fragwürdigen Entscheidung der drei Rennkommissare in Belgien angekündigt. Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug versicherte vor dem 14. von 18 Saisonläufen zur Formel-1-WM: "Wir werden uns aufs Rennen konzentrieren, aber auch deutlich machen, dass uns Unrecht geschehen ist. Ohne Schaum vor dem Mund."

Formel 1-Zirkus kocht
Die äußerst umstrittene Zeitstrafe gegen den britischen Belgien-Gewinner und WM-Spitzenreiter sorgt vor dem Großen Preis von Italien für zusätzlichen Zündstoff. Angesichts der nicht verstummenden Betrugsvorwürfe, Verschwörungstheorien und angeblich systematischen Ferrari-Bevorteilungen durch den Internationalen Automobil-Verband FIA kochen die Emotionen vor dem Klassiker im Königlichen Park hoch.

Dass nun ausgerechnet an diesem Wochenende FIA-Präsident Max Mosley erstmals wieder ein Formel-1-Rennen besucht, seit er im Juni nach seinem Sex-Skandal eine Vertrauensabstimmung für sich entschied, potenziert die Brisanz von Monza.

FIA-Urteil Ende Spetember?
Eine Entscheidung der FIA-Berufungsrichter über den Protest der Silbernen im "Fall Hamilton" ist schon aus Zeitgründen vor dem Italien-Grand-Prix nicht mehr zu erwarten. Zwar will der Verband den Streit nach Angaben einer Sprecherin möglichst noch vor dem Rennen in Singapur Ende September vom Tisch haben, doch bis dahin dürfte die Debatte weiter schwelen.

Ferrari versucht indes, die Wogen zu glätten. Der Scuderia liegt daran, den Spa-Skandal nicht ins Uferlose ausarten zu lassen, da sie - außer im eigenen Land - weltweit als Profiteur der Posse abgestempelt wird. "Unsere Aufgabe ist es, uns auf die richtige Art und Weise auf Monza vorzubereiten. Das ist unser Hauptziel, und darauf müssen wir uns konzentrieren", sagte Teamchef Stefano Domenicali.

Keine Gewissensbisse bei Massa
Felipe Massa, in Belgien eigentlich nur Randfigur, plagen trotz des geschenkten Erfolges und der dadurch plötzlich wieder glänzenden Ausgangslage im Titelrennen keine Gewissensbisse. "Es motiviert natürlich umso mehr, in Monza mit einem Sieg aus dem vorhergehenden Grand Prix zu starten", sagte der Brasilianer vor dem letzten Europa-Lauf. "Nun will ich versuchen, auch das Ferrari-Heimrennen zu gewinnen."

Sollte Massa auf dem spektakulären, 5,793 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitskurs siegen oder mindestens zwei Zähler mehr als Hamilton holen, würde er den Briten als WM-Spitzenreiter ablösen und seinen Status als neue Nummer 1 der "Roten" zementieren. Vor Monza liegt Massa (74) nur noch zwei Punkte hinter dem McLaren-Mercedes-Mann (76). Ohne den Spruch der Spa-Stewards würde der 27-Jährige acht Zähler Rückstand aufweisen. Allerdings blieb Massa bei seinen bisher fünf Monza-Auftritten noch ohne Punktgewinn.

Letzte Chance für Räikkönen
Für Teamkollege Kimi Räikkönen geht es praktisch um die allerletzte Chance im WM-Kampf. Der schon 19 Punkte zurückliegende Titelverteidiger benötigt unbedingt einen Sieg, um vor den abschließenden vier Übersee-Läufen nicht abgeschlagen hinterherzufahren. "Ich werde alles tun, um zu gewinnen", sagte der Finne. Räikkönen weist in seiner Monza-Bilanz immerhin einen zweiten und dritten Rang sowie weitere Punktlandungen auf. (apa/red)

10.9.2008 17:21
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts