Mittwoch, 10. September 2008

"Reizvolle Aufgabe, gegen ihn zu fahren":
Tour-Held Kohl erfreut Armstrong-Comeback

  • Bernhard Kohl: "Er muss sich nichts mehr beweisen"
  • Niederösterreicher vertraut auf sein starkes Team

Der österreichische Radsport-Star Bernhard Kohl hat für die kommende Saison einen weiteren höchst prominenten Mitstreiter im Kampf um einen Spitzenplatz bei der Tour de France erhalten. Vom angekündigten Comeback von Rekordsieger Lance Armstrong zeigte sich der 26-jährige Niederösterreicher allerdings begeistert. "Es ist eine reizvolle Aufgabe, noch einmal gegen ihn die Tour zu fahren", erklärte Kohl.

Armstrong sei eine Ausnahmeerscheinung im Radsport, habe auch Chancen, die Frankreich-Rundfahrt bei entsprechender Vorbereitung im kommenden Jahr noch einmal zu gewinnen. "Wenn ich das irgendjemandem zutraue, dann Lance Armstrong", betonte Kohl. "Wenn Lance so etwas macht, dann will er auch um den Sieg mitfahren." Vor seinem Rücktritt 2005 hatte der US-Amerikaner siebenmal in Serie gewonnen, Kohl hatte seine erste "Große Schleife" 2006 bestritten.

Gefahr, seinen Status des Unbesiegbaren zu verlieren, läuft Armstrong laut Kohl nicht. "Er hat die Tour siebenmal gewonnen. Das ist einzigartig. Aber wenn er sie noch einmal gewinnt, dann ist er der absolute Hero", versicherte Kohl. "Wenn nicht, ist das auch kein Problem. Er muss sich nichts mehr beweisen. Seine sieben Siege kann ihm niemand mehr nehmen." Die Motivation für das Comeback glaubt der Österreicher zu kennen: "Er vermisst einfach den Radsport."

"Er hat sich gut fitgehalten"
Der 36-jährige Texaner hatte im August bei einem Mountainbike-Rennen in Colorado Platz zwei belegt und davor auch einige Marathons als Läufer bestritten. "Er hat sich gut fitgehalten. Er hat nicht drei Jahre nichts gemacht, sondern weitertrainiert. Daher hat er auch alle Chancen", meinte Kohl, gab sich aber vorerst noch etwas skeptisch: "Tatsächlich glaube ich es erst, wenn er im Februar wieder seine ersten Rennen bestreitet."

Sein Team und weitere Einzelheiten will Armstrong am 24. September in New York verraten. Sollte er tatsächlich antreten, wäre der Rekordchampion wohl sofort zum erweiterten Favoritenkreis der Tour zu zählen. Dem gehört neben Kohl vor allem auch dessen neuer australischer Silence-Lotto-Teamkollege Cadel Evans an. "Wir haben bei der Tour ein sehr starkes Team", sagte Kohl.

Der Wolkersdorfer hatte in diesem Jahr sensationell den dritten Gesamtrang bei der Frankreich-Rundfahrt belegt und zudem als erster Österreicher das Bergtrikot gewonnen. Armstrong sei für ihn vor allem in punkto Konsequenz ein Vorbild gewesen. "Ich habe viele Vorbilder, aber von ihm habe ich versucht, mir die Zielstrebigkeit abzuschauen", erklärte Kohl. "Er bereitet sich immer akribisch vor und ist ein extrem harter Arbeiter." Diese Tugenden hatten auch Kohl in diesem Jahr zum größten Erfolg seiner Karriere geführt.
(apa/red)

10.9.2008 17:19