Schuld an den gewalttätigen Protesten? Boliviens Morales legt sich mit den USA an
- Ausweisung: Botschafter ist unerwünschte Person
- Schon mehrere Todesopfer bei eskalierender Gewalt
·Bolivien: Morales bleibt wohl im Amt
Rund 60 % der Wähler gaben ihm ihre Stimme
·Lateinamerika in mehreren Rot-Tönen
'Lula', Bachelet, Chavez:
Links ist nicht gleich links
Der bolivianische Präsident Evo Morales hat die USA für die gewalttätigen Proteste gegen seine linksgerichtete Regierung verantwortlich gemacht und die Ausweisung des US-Botschafters aus dem Andenstaat verlangt. Philip Goldberg, der die Autonomiebestrebungen der reichen Regionen und damit die Spaltung des Landes unterstütze, solle umgehend in seine Heimat zurückkehren, verlangte Morales.
Das US-Außenministerium nannte den Vorstoß einen "schweren Fehler" und warf Morales vor, die beiderseitigen Beziehungen "schwer beschädigt" zu haben. Bei Zusammenstößen in Nordbolivien starben mindestens zwei Menschen.
Der bolivianische Präsidentschaftsminister Juan Ramón Quitana sagte, die Tatsache, dass Goldberg zur unerwünschten Person erklärt worden sei, bedeute "nicht notwendigerweise den Abbruch der diplomatischen Beziehungen". Morales' Regierung beschuldigte zugleich "faschistische Gruppen", durch die Eskalation der Gewalt einen blutigen Bürgerkrieg zu schüren.
Mindestens drei Tote
Bei den anhaltenden Protesten kamen nach Angaben der bolivianischen Regierung im Norden des Landes mindestens drei Menschen ums Leben. In Santa Cruz im Osten hielten die Demonstranten den dritten Tag in Folge Regierungsgebäude besetzt. Die Stadt ist eine Hochburg der Opposition, die mehr Autonomie für die rohstoffreichen Provinzen fordert.
Zuvor hatten die Demonstranten auch Förderanlagen blockiert und eine Gas-Pipeline beschädigt, worauf Bolivien seine Energieexporte nach Brasilien Angaben eines Betreibers zufolge halbieren musste. Brasilien deckt etwa die Hälfte seines Gasbedarfs mit den Importen aus dem Nachbarland. Morales hat den Energiesektor vor zwei Jahren verstaatlicht, um mit den Einnahmen die extreme Armut in dem Andenstaat zu bekämpfen
Referendum stößt auf Ablehnung
Die oppositionellen Gouverneure der fünf wohlhabenden Regionen des Andenstaats lehnen eine für den 7. Dezember angesetzte Volksabstimmung über eine Verfassungsreform ab und streben nach mehr Autonomie. Ihrer Ansicht nach führen die von Morales angestrebten Reformen zu einer übermäßigen Stärkung des Zentralstaats und zu einer Bevorzugung bervorteilung der indianischen Ureinwohner gegenüber den europäischstämmigen Einwohnern. Morales war Mitte August aus einem Referendum über die Fortsetzung seiner Regierung gestärkt hervorgegangen. Er war 2005 zum ersten indianischen Präsidenten des südamerikanischen Landes gewählt worden.
Venezuelas Präsident Hugo Chavez begrüßte die Ausweisung des US-Botschafters aus Bolivien. Chavez wirft den USA vor, 2002 einen gescheiterten Putsch gegen ihn unterstützt zu haben. "Das gleiche passiert jetzt in Bolivien", erklärte er.
Airlines müssen Flüge reduzieren
Die venezolanische Regierung ordnete zugleich an, dass US-Fluggesellschaften ihre Flüge in das Land reduzieren sollen. Zuvor hatten die USA die Sicherheit der venezolanischen Flughäfen infrage gestellt.
Die US-Fluggesellschaft Delta Airlines bestätigte, dass sie auf Anweisung der Regierung in Caracas ihre Flüge reduzieren muss. Die Maßnahme werde am 28. September wirksam. Die einem Zeitungsbericht zufolge ebenfalls betroffenen Fluggesellschaften American Airlines und Continental konnten zunächst nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.
(apa/red)
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