Freitag, 12. September 2008

Zwischen Logorrhoe & lauten Schreiduellen:
Harte Bandagen bei Faymann gegen Haider

  • Großer Unterhaltungswert aber leider kaum Inhalte
  • news.at-Kommentar zum TV-Duell in Rot-Orange

Das TV-Duell Faymann gegen Haider bot einen Unterhaltungswert der besonderen Art: Laute Schreiduelle, honorige Männer die sich gegenseitig ins Wort fallen, Vergangenheitsbewältigung und eine Moderatorin, die vielleicht noch einmal ihre Funktion neu überdenken sollte. Inhalte sind schnell zusammengefasst: Pensionen, Teuerung und EU. Mehr ist sich nicht ausgegangen oder genauer gesagt mehr hat der Zuseher nicht verstehen können, wenn zwei Personen (zuweilen sogar samt Thurnher drei!) munter in die Kameras plappern.

Wie soll das noch gut gehen? Alle Spitzenkandidaten legen mittlerweile eine deutlich schärfere Gangart ein. Der „Professor“ Van der Bellen, der für seine akademische Langatmigkeit bekannt ist, schiebt Wuchteln gegen die rhetorische Bulldogge Strache. Faymann verliert seine Contenance gegen Haider, oder war es doch eher umgekehrt?

Der Countdown zur Nationalratswahl läuft und dies wird auch für den Wähler zunehmend spürbar. Parteigranden aller Couleur versuchen ihr Profil zu schärfen. Wo geht dies besser als vor laufenden Kameras? Große Inhalte wurden auch beim Rot-Orangen Duell ausgespart. Am Ende siegte, wer die kürzeren Atempausen zwischen jeweilige Logorrhoe-Anfälle einhielt.

Sieg in Punkten
SPÖ-Chef Faymann konnte aber zuletzt einen Sieg in Punkten erzielen. Sowohl beim Thema Pensionen als auch in Sachen Teuerung konnte er seinem Kontrahenten durch pointiert gesetzte Zwischenrufe den Wind aus den Segeln nehmen. Zu einem überraschend eindeutigen Ergebnis kam es auch in unserer news.at-Umfrage. Unsere User kürten Faymann mit 65,1 Prozent zum strahlenden Gewinner des Abends.

Wer bremst, verliert
Die Strategie Haiders wurde bereits in den Anfangsminuten offensichtlich: Wer bremst, verliert! Bereits bei der ersten Frage zum Thema Mehrwertssteuersenkung auf Lebensmittel setzte der BZÖ-Chef bei Pontius an und endete bei Pilatus. Das Motto: Alle Kritikpunkte gegen die Faymann-Partei innerhalb von fünf Minuten unterbringen. Das Ziel: Möglichst oft Reizbotschaften wie „soziale Kälte“ und „die Arbeiternehmer wurden im Stich gelassen“ hineinstreuen, um – dazu muss man wohl nicht besonders scharfsinnig sein – die Gruppe der Unentschlossenen doch noch zu einer Protestwahl gegen die Großparteien zu bewegen.

Unterhaltungswert
Fazit: Two thumbs Up für 47 Minuten pure Unterhaltung. - Nur wohin soll das führen, wenn sich in einer knappen Stunde nur drei Themen ausgehen, Standpunkte wegen Dauerverstöße gegen Grundregeln der Kommunikationskultur in den Wortwirren untergehen und der Wähler am Ende genau so schlau ist wie zuvor?

(Muryati Vo)

12.9.2008 12:54