Händeschütteln brutal: Faymann tingelt durch das Land und kämpft um jede Stimme
- NEWS: Faymanns Tour durch Bierzelte & Marktplätze
- Ringen mit FPÖ & BZÖ auf Straße und im Parlament

Werner Faymann wollte wenigstens ein Stündchen von seinem Dauerwahlkampf quer durch Österreich verschnaufen. Auf der Terrasse des Hotel Méridien ein Gläschen Weißwein zu sich nehmen und mit einem Freund ein wenig in Ruhe parlieren. Und dann das: Niemand Geringerer als Jörg Haider speiste just zu dieser Zeit im selben Lokal mit seiner Anwältin, der ORF-Stiftungsrätin Huberta Gheneff. Faymann nahm es mit Humor und setzte sich nach ein paar Small-Talk-Sätzen just zwei Tische neben Haider hin. Im sonstigen Wahlkampf geht es freilich weit weniger amikal zwischen den unterschiedlichen Herren zu. Im Gegenteil.
Immerhin kämpft der rote Spitzenkandidat ja derzeit unerbittlich um die "kleinen Leute". Speziell um jene von eineinhalb Jahren rot-schwarzem Dauerstreit frustrierten Ex-SP-Wählern, die es derzeit zum blauen Rabiat-Populisten Heinz-Christian Strache und eben Haider zieht.
Wähler, die Faymann seinen Kontrahenten freilich nicht überlassen kann, wenn er bei der Nationalratswahl am 28. September tatsächlich die Goldmedaille erringen will. Und so tingelt der einst als so verschlossen geltende Infrastrukturminister eben von Gemeindebau zu Bierzelt und schüttelt dann jede Menge Hände auf Messen und Volksfesten.
Auf dem Donauinselfest demonstrierte der rote Spitzenmann, den die einen als "eiskalt, berechnend", die anderen hingegen als "freundlichen Macher" sehen, stundenlang, dass auch er mittlerweile gelernt hat, einen unverzagten Volkstribun zu geben. War er am Start des Wahlkampfs im direkten Kontakt mit den Wählern noch zaghaft und unsicher, so klopft er mittlerweile fast schon in bester Haider-Manier jedem Zweiten auf die Schulter und verspricht: "Ich werde mich für euch einsetzen." Euch, das sind in diesem Fall die kleinen Angestellten, die Arbeiter, die sozial Schwachen, die sich "von den Roten verkauft und verraten gefühlt" hatten, wie man immer wieder hört, und die immer offener auf Strache und Haider schielen. Einige der Umworbenen schauen Faymann auf seiner Wahlkampftour denn auch immer wieder mit skeptischem Blick an, wenn er die vielen roten Verheißungen verkündet. Andere schütteln gar nur enerviert den Kopf. Aber immer mehr Menschen klopfen nun auch ihm auf die Schulter und sagen: "Endlich einer, der was macht."
Roter Kampf um Mehrheiten
Aber dass schöne Worte und ein nettes Lächeln allein - positivere Umfragen hin oder her - der SPÖ nicht weiterhelfen werden, weiß auch Faymann. Und so kämpft er derzeit eben nicht nur auf den Marktplätzen des Landes, sondern auch im Parlament in Wien gegen die selbst ernannten "Robin Hoods" in Blau-Orange.
Bei einer Sondersitzung des Nationalrats am 17. September will Faymann sein populistisches Anti-Teuerungs-Paket - etwa die Halbierung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel oder das Aus für die Studiengebühren - durchbringen. Und dafür benötigt er just - erraten! - die Unterstützung von Blau-Orange.
Mit FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat er sich bereits getroffen, um ihm eine Zustimmung abzuluchsen. Und Faymann kommt den Blauen auffallend weit entgegen: Ja, er könne sich, wie von FPÖ und BZÖ gefordert, auch eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente vorstellen, tönt er nun. Mit Haider wird er sich nach seinem ORF-Duell am Küniglberg zusammensetzen. Haider signalisiert im NEWS-Gespräch freilich, dass er es Faymann nicht leicht machen wird: "Dass Faymann jetzt unserem Vorschlag folgt und auch für eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Medikamente eintritt, ist gut. Aber er muss auch einer Höchstpreisregelung für Benzin zustimmen." Immerhin weiß der BZÖ-Chef, wie wichtig das Anti-Teuerungs-Paket für den roten Kandidaten wäre. Bringt die SPÖ ihre fünf Punkte am 17. September gegen die ÖVP mit den Stimmen der Opposition durch, könnte Faymann sich eineinhalb Wochen vor der Nationalratswahl tatsächlich als "Macher" feiern lassen - und damit auch den einen oder anderen SP-Wähler, der zu Blau-Orange tendiert, zurückerobern. Scheitert Faymann jedoch, trommeln alle anderen Parteien so knapp vor der Wahl, dass "die SPÖ wieder alles versprochen und nichts gehalten" habe.
Die komplette Geschichte finden Sie im NEWS Nr. 37/08!
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