Mittwoch, 10. September 2008

"Halte mich aus Innenpolitik heraus": Kanzler will nach Wahl neuen Weg gehen

  • Aber "weiter Interesse an internationaler Politik"
  • ÖVP: Gusenbauer könnte neuer Außenminister sein

Bundeskanzler Alfred Gusenbauer will sich nach der Wahl aus der Innenpolitik heraushalten. "Was mich aber sicher weiter interessieren wird, sind die internationale Politik und die Privatwirtschaft", betonte ein sichtlich entspannter Gusenbauer im legeren Sommeranzug und ohne Krawatte am Rande der Präsentation des Schulprojekts "Bewegte Kinder".

ÖVP-Generalsekretär Hannes Missethon hatte den Verdacht geäußert, dass der Gusenbauer-Freund und Geschäftsmann Martin Schlaff den SPÖ-Vorsitzenden Werner Faymann unter Druck setzen könnte, um Gusenbauer in einer künftigen Regierung zum Außenminister zu machen. In Medienberichten war zuletzt spekuliert worden, dass Schlaff den SPÖ-Wahlkampf mitfinanzieren könnte.

SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Doris Bures wies die Angriffe Missethons auf Faymann entschieden zurück. Die Vergabe von Regierungspositionen sei für die SPÖ derzeit kein Thema. "Wie der Schelm denkt, so ist er", gab sie den Vorwurf zurück. Das gleiche gelte auch für die Vermutung Missethons, dass Schlaff den Wahlkampf der SPÖ mitfinanziert habe. "In bisher jedem Wahlkampf hat uns die ÖVP irgendwelche Geldflüsse unterstellt. Noch immer haben sich diese Unterstellungen als falsch erwiesen", sagte Bures, die betonte, dass die SPÖ ihren Wahlkampf aus eigenen Mitteln, mit Unterstützung aller Mitglieder und aller Neben- und Landesorganisationen finanziere. In der ÖVP sei das offensichtlich anders.

Kein Interesse am Außenamt
Das von der ÖVP lancierte Gerücht, wonach er nach der Wahl in einer neuen Regierung Außenminister werden könnte, sei "unwahr, stillos und entspringt der Sudelküche", wie Gusenbauers Sprecher Stefan Hirschder APA erklärte. "Das Kapitel Innenpolitik ist für ihn nach der Zeit als Bundeskanzler abgeschlossen", stellte der Gusenbauer-Sprecher klar.

Mögliche Tätigkeitsbereiche seien dann die Europa-Politik oder die internationale Politik bzw. die Privatwirtschaft. Mit dieser Frage habe sich der Bundeskanzler aber bisher noch nicht auseinandergesetzt, sagte Hirsch.

(apa/red)

10.9.2008 15:39