Dienstag, 9. September 2008

VP-Granden stärken Molterer den Rücken:
Alt-Landesleute treibe Sorge um das Land an

  • Scharfe Kritik am politischen Kurs von Faymann
  • Klasnic: "SP-Forderungen im Kühlschrank verpackt"

Wie schon im letzten Wahlkampf hat die ÖVP auch dieses Mal wieder ihre Alt-Landeshauptleute ausgeschickt, um ihren Spitzenkandidaten Wilhelm Molterer zu unterstützen und die SPÖ zu kritisieren. Ihren gemeinsamen Auftritt begründeten Josef Ratzenböck, Waltraud Klasnic, Siegfried Ludwig, Andreas Maurer und Martin Purtscher mit ihrer "Sorge um Österreich". Angesichts der Wahlversprechen der SPÖ und der Änderung der EU-Linie würden sie um die Aufrichtigkeit, Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit der österreichischen Politik fürchten, betonten die früheren Landeshauptleute in der gemeinsamen Pressekonferenz.

"Wir glauben, dass die österreichische Politik wieder zu Ernsthaftigkeit und Unabhängigkeit zurückkehren soll", sagte Ratzenböck. Der SPÖ hielt der frühere oberösterreichische Landeshauptmann vor, die Fahne in den Wind zu hängen, zu schauen, woher der Wind weht und danach die Entscheidungen zu treffen. Sein Tiroler Kollege Wendelin Weingartner warf der SPÖ vor, den Grundkonsens, der in wesentlichen Fragen immer bestanden habe, aufgekündigt zu haben. Indem die SPÖ die EU als Feindbild entdeckt habe, habe sie eine sonst auch in Wahlkämpfen immer eingehaltene Grenze überschritten. Für den Vorarlberger Alt-Landeshauptmann Martin Purtscher war der Bruch der außenpolitischen Linie durch SPÖ-Vorsitzenden Werner Faymann ein "Tiefpunkt" und der Brief an die "Kronen-Zeitung" ein "Kotau, der nicht zu überbieten" sei.

Attacke gegen entlastungspaket
Niederösterreichs früherer Landeschef Andreas Maurer warf Faymann im Zusammenhang mit dessen Wahlversprechen "vielfache Lügen" vor. Und angesichts des Fünf-Punkte-Programms der SPÖ gegen die Teuerung stellte er die Frage: "Wer soll das bezahlen?, wer begleicht die Schuld?". Weingartner könnte es nicht verantworten, wenn seine zehn Enkelkinder das zurückzahlen müssten, was die SPÖ jetzt alles verspreche. Und Purtscher pries eine echte Steuerreform als bestes Rezept gegen die Teuerung, diese würde aber bei einer Realisierung der SPÖ-Versprechen zu einer "Illusion". Die frühere steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic wies den gegen die ÖVP erhobenen Vorwurf der sozialen Kälte zurück und meinte, dass die SPÖ-Versprechen im "Tiefkühlschrank verpackt" seien, weil die sozialen Folgen viel schlimmer seien. Ihr niederösterreichischer Kollege Siegfried Ludwig meinte, dass die SPÖ den Koalitionspakt mit der ÖVP nicht eingehalten habe, deshalb seien die Wahlen jetzt notwendig.

Trotz der Kritik an Molterer und der schlechten Umfragewerte priesen die Alt-Landeshauptleute den ÖVP-Spitzenkandidaten als glaubwürdig und ehrlich sowie als Menschen mit Handschlagqualität. Ratzenböck sagte, er habe "absolutes Vertrauen" zu Molterer. Und die Umfragen hätten schon oft ein falsches Bild gezeigt. Weingartner wies den Vorwurf zurück, dass der Auftritt der Alt-Landeshauptleute nicht von der Sorge um Österreich, sondern von der Sorge, dass Molterer vielleicht nicht gewinnen könnte, getragen sei.
(apa/red)

9.9.2008 14:16