Österreichische Automobilimportindustrie: Positive Stimmung für den Neuwagenkauf
- Kampagne gegen Spritfresser und Umweltverpester
- Noch immer 600.000 alte Autos auf unseren Straßen

Die österreichischen Automobilimporteure wollen mit einer Umweltinformationskampagne positive Stimmung für den Neuwagenkauf machen. Mit Spots unter dem Motto "Mein neues Auto. Mit gutem Gewissen" sollen potenziellen Käufern vermitteln, dass neue Fahrzeuge zur Senkung der Schadstoffbelastung beitragen können. Ziel ist es, die angeblich mehr als 600.000 über 15 Jahre alten Wagen von Österreichs Straßen zu verbannen. Im Zusammenhang damit forderte Ingo Natmessnig, Vorsitzender der österreichischen Automobilimporteure, von der neuen Regierung finanzielle Anreize für den Neuwagenkauf.
Der heimische Automobilmarkt stagniere seit Jahren, sagte Gerhard Pils, stellvertretender Vorsitzender der Automobilimporteure und BMW-Österreich-Chef. Die Diskussion rund um die "Spritfresser" und den CO2-Ausstoß habe Pkw-Lenker verunsichert. Das habe dazu geführt, dass hierzulande der Auto-Gesamtbestand im Vergleich zu Nachbarländern wie Italien immer älter würde- eine "Fehlkoppelung", wie Pils urteilte.
Mit der etwa 600.000 bis 700.000 Euro teuren Kampagne wollen die Automobilimporteure eine Erneuerung des Fahrzeugbestands erreichen. Der Moderator und Autofan Christian Clerici erklärt in vier Sujets, dass neue Autos Umwelt wie Geldbörse schonen: Ein Fahrzeug aus den 1970er Jahren produziere demnach etwa gleich viel Schadstoffe wie 100 Neuwagen. Außerdem sei der Kraftstoffverbrauch eines neuen Pkw trotz höherer Leistung und Mehrgewicht seit 1990 um 25 Prozent gesunken.
Gestiegen sei hingegen der CO2-Ausstoß durch den sogenannte Tanktourismus, der sieben Prozent der nationalen CO2-Emissionen ausmache. Zum Vergleich: Der Autoverkehr ohne Tanktourismus trage 11,7 Prozent zur Gesamt-CO2-Emission bei. Dank ausländischen Autofahrer, die im billigeren Österreich Sprit kaufen, fließen andererseits jährlich rund eine Milliarde Euro zusätzlich in die Staatskassen (Mineralöl- und Mehrwertsteuer).
Ein Teil dieser Mehreinnahmen soll die neue Regierung für "finanzielle Anreize zur Verjüngung des Fahrzeugbestands" verwenden, forderte Natmessnig. Bei Rückgabe des alten Fahrzeugs sollen Neuwagenkäufer etwa 1.000 bis 1.500 Euro erhalten. Diese Prämie könnte zu je einem Drittel vom Staat, von der Fahrzeugindustrie und vom Handel finanziert werden, so der Vorschlag. Eine gestaffelte Anreizsystematik (Umstieg von einem ganz alten auf ein etwas neueres Auto) erachtet Pils ebenfalls für sinnvoll.
"Die Politik sollte nicht den Kauf eines Autos durch Steuern belasten, sondern den Gebrauch", so Pils zur APA. Neuwagenkäufer seien zunehmend an umwelteffizienter Technologie interessiert und durchaus bereit, etwas mehr für ein neues Auto zu bezahlen, wenn es dafür verbrauchseffizienter ist und insgesamt weniger koste.
Automarkt im Wandel - PS-starke Autos weniger gefragt
Die hohen Spritpreise zeigen schön langsam Wirkung. Laut ÖAMTC sind die Stehzeiten eines Gebrauchtwagens umso länger, je stärker das Auto und je höher sein Verbrauch ist. Gleichzeitig sinken die Preise für besonders durstige Autos. Im Gebrauchtwagensegment gibt es bereits ein Überangebot an Dieselfahrzeugen und wenig gebrauchten Benzinern. Eine grundsätzliche Änderung am Markt wird es aber erst in drei bis vier Jahren geben, schätzt der ÖAMTC. Grundsätzlich gelte bei der Wahl zwischen Diesel und Benziner: Je kleiner das Auto, desto mehr muss man fahren, bis sich ein Dieselfahrzeug rechnet.
Erdgas-Autos immer attraktiver
Eine Möglichkeit zu sparen sei der Umstieg auf Erdgas-Autos. Österreichweit gibt es 150 Tankstellen, bei denen die derzeit 14 erhältlichen Modelle mit Erdgas betankt werden können. Der Preis für ein Kilo Erdgas liegt momentan bei rund 0,898 Euro. "Ein VW Touran mit Erdgasbetrieb rechnet sich bereits ab 6.700 Kilometern - im Vergleich zu einem Benziner", so der ÖAMTC. Vergangenes Jahr rentierte sich der erdgasbetriebene VW demnach erst ab 8.000 Kilometern. Nächstes Jahr wird er sich schon ab 6.500 Kilometern auszahlen. Ein Minus eines erdgasbetriebenen Fahrzeugs ist die Reichweite von maximal 300 Kilometern, so der Autofahrerklub.
E85-Autos (85 Prozent Ethanol, 15 Prozent Super) seien hingegen nur mäßig erfolgreich. Ein Grund dafür: Es gibt österreichweit nur sieben Tankstellen. (apa/red)
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