Politiker-Test: Wer lügt und wer ehrlich ist:
Die Parteichefs im Glaubwürdigkeits-Check
- Top & Flop: Van der Bellen schneidet am besten ab
- PLUS: FP-Chef Strache hat die schlechtesten Werte

Lange Nasen. die Spitzenkandidaten im Vertrauensminus. Warum die Wähler ihnen knapp vor der Wahl kaum noch trauen.
Der eine der rote Kanzlerkandidat betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass die SPÖ in der Vergangenheit auch Fehler gemacht habe, aber dass er ein Neuer sei, dessen Handschlag zähle. Der andere sein schwarzer Herausforderer erzählt ebenfalls jedem potenziellen Wähler ungefragt von seiner Verlässlichkeit, seiner Pakttreue und natürlich Seriosität. Kein Wunder, dass Werner Faymann und Wilhelm Molterer neuerdings so viel Wert auf ein Image der Glaubwürdigkeit legen.
Niemals zuvor war es den Wählern so wichtig, zu wissen, wer von den Spitzenpolitikern ihnen tatsächlich die Wahrheit sagt. NEWS beauftragte daher das Meinungsforschungsinstitut market, die sieben Spitzenkandidaten einem Pinocchio-Test zu unterziehen. Dieser Check zeigt deutlich: Die Spitzenpolitiker gelten nicht gerade als die Ehrlichsten. Das Vertrauen der Wähler ist nach eineinhalb Jahren rot-schwarzer Koalition erschreckend gesunken.
Professor Glaubwürdig. Der Gewinner des Tests ist Grünen-Chef Alexander Van der Bellen. Mit dem Herrn Professor würden zumindest 36 Prozent der Österreicher auf ein Bier gehen. Und immerhin 43 finden seine Aussagen ehrlich und überzeugend. market-Chef Werner Beutelmeyer: Er wird als positiver Mensch wahrgenommen. Aber auch der einst so vertrauenswürdige Grünen-Chef hat in den Augen der Wähler Vertrauen abgebaut. Nur 16 Prozent würden Van der Bellen mein Kind für einen Abend anvertrauen, gar nur acht Prozent ein Geheimnis anvertrauen.
Das sind freilich Werte, von denen der klare Verlierer des Pinocchio-Tests nur träumen kann: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, dessen Glaubwürdigkeit völlig im Keller liegt. Lediglich 24 Prozent vertrauen seinen Aussagen. Und nur acht Prozent würden ihm einen Gebrauchtwagen abkaufen. Werner Faymann hingegen, dessen Partei immerhin für jede Menge gebrochener Wahlversprechen verantwortlich gemacht wird, kommt auf erstaunlich gute Werte: Er erhält die Silbermedaille. Immerhin 29 Prozent würden ihn um Rat fragen und 36 Prozent mit ihm auf ein Bier gehen. Allerdings finden auch ganze 56 Prozent, dass der SPÖ-Spitzenkandidat vieles sagt, um einfach Stimmen zu gewinnen.
Knapp vor ältestem Gewerbe. Politologe Peter Filzmaier hat für alle Kandidaten schlechte Nachrichten: Politiker haben insgesamt einen hohen Imageverlust. Sie rangieren in der Sympathie der Menschen nur noch knapp vor dem ältesten Gewerbe der Welt.
VP-Chef Wilhelm Molterer, der in seinem Wahlkampf besonders auf die Verlässlichkeitskarte setzt, erringt denn auch nur die Bronzemedaille. Aber wenigstens 24 Prozent glauben, dass er seine Versprechen hält. Dass BZÖ-Chef Jörg Haider und LIF-Chefin Heide Schmidt Verlierer des Rankings sind, ist für Politikberater Thomas Hofer nicht so tragisch: Wichtig ist Glaubwürdigkeit vor allem, wenn es um potenzielle Regierungschefs geht. Die Oppositionsparteien sollen schließlich vor allem als Stachel im Fleisch fungieren.
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