Familieunternehmen pfeifen auf Tradition:
Verkauf und Partnerschaft werden beliebter
- FORMAT: Viele kennen nicht den Wert des Betriebs
- Einbindung jüngerer Generationen immer schwieriger

·Manner ohne Sorgen um seine Nachfolge
FORMAT: Otto W. Riedl &
Carl Manner im Gespräch
·Schaeffler und Conti
mischen Nachbarn auf
FORMAT: Übernahme-
Coups in Deutschland
·Inflationsgefahr kleiner als befürchtet
UNO: Gefahr einer Lohn- Preis- Spirale ist gering
·Wirtschaftskammer fordert 0,5 Mrd. Euro
Entlastung soll primär im Steuerbereich erfolgen
·Wiens Wirtschaft unter Europas Top Ten
Gilt als sechstattraktivste Wirtschaftsmetropole
Immer mehr Familienunternehmen gehen von der Nachfolge-Automatik ab und ziehen auch Partner oder Verkauf in Betracht - allerdings weiß mehr als die Hälfte nicht, wie viel ihr Betrieb eigentlich wert ist. Wer ein Unternehmen gründet, bekundet damit quasi per Definition, dass er an den Erfolg seiner Geschäftsidee glaubt und das geschäftliche Umfeld so positiv einschätzt, dass er dort damit reüssieren kann. Offenbar nicht ganz so optimistisch wie Firmengründer sehen laut einer aktuellen Karmasin-Umfrage im Auftrag der Credit Suisse Unternehmer aus etablierten heimischen Familienbetrieben die Rahmenbedingungen für ihre Unternehmen: 43 Prozent gehen von unveränderten Bedingungen in den nächsten zehn Jahren aus.
Genau gleich viele erwarten aber, dass sich das Umfeld für Familienbetriebe eher oder ganz sicher verschlechtern wird. Demgegenüber sehen nur 14 Prozent eine Verbesserung.
Ein wesentlicher Grund dafür ist für jeden zweiten Unternehmer die Konkurrenz durch börsennotierte Konzerne. Für den durchschnittlichen heimischen Familienbetrieb mag das zutreffen, dabei fahren in Deutschland aber kurioserweise gerade zwei Familienunternehmer österreichischer Provenienz mit börsennotierten Konzernen Schlitten: Ferdinand Piëch greift nach der totalen Macht bei VW, und Maria-Elisabeth Schaeffler düpierte das Continental-Management mit einer perfekten unfreundlichen Übernahme.
Risiko oder nicht?
Mittelständische heimische Familienunternehmen stehen allerdings in der Regel vor ganz anderen Weichenstellungen, wie Robert Ehrenhöfer, Chef der Unternehmer-Beratung der Credit Suisse in Österreich, weiß: "Nicht nur jüngere Unternehmer, die mit Mitte 40 einiges aufgebaut haben, stehen nun am Scheideweg, ob sie mit ihrem Unternehmen weiter wachsen oder verkaufen sollen. Diese Frage betrifft auch immer mehr alte Familienunternehmen. Sie fragen sich zunehmend, ob sie aufs Spiel setzen sollen, was die Generationen vor ihnen geschaffen haben, oder ihr Risiko diversifizieren sollen."
Probleme rund um die Unternehmensnachfolge werden laut Umfrage neben wirtschaftlichen Fehlentscheidungen als die größten Risikofaktoren für den Bestand der Familienunternehmen gesehen - von innerfamiliären Streitigkeiten über das Fehlen eines geeigneten Nachfolgers bis zu Interessensgegensätzen zwischen persönlichen Zielen der jüngeren Generation und der Weiterführung des Unternehmens. Zwar geben aktuell noch 69 Prozent der Unternehmer an, sie hätten einen Nachfolger aus der Familie ins Auge gefasst, für Ehrenhöfer ist die Tendenz zu innerfamiliären Lösungen aber eindeutig rückläufig: "Vor zehn Jahren wären das mindestens 85 Prozent gewesen. Und in den nächsten Jahren wird dieser Prozentsatz weiter zurückgehen, weil nicht mehr alle den Kindern die Verantwortung aufbürden wollen."
Einbindung jüngerer Generationen?
Je länger die Historie eines Familienunternehmens ist, desto problematischer wird die Einbindung der jüngeren Generationen. Flexible Lösungen sind gefragt. So teilte etwa "Rosenkönig" Josef Starkl sein gärtnerisches Imperium Mitte der 90er-Jahre auf seine vier Kinder auf. "Wir arbeiten dort zusammen, wo es sinnvoll ist, etwa beim Einkauf oder in der Werbung. Aber alles auf freiwilliger Basis", sagt Anton Starkl, der mit seiner Gattin den Stammsitz in Frauenhofen/Tulln samt Baumschule und Gartencenter leitet.
Beim urösterreichischen Süßwarenhersteller Manner kam zu der Gründerfamilie und den bereits 1900 als Kompagnons eingestiegenen Riedls im Lauf der Firmengeschichte auch noch die Napoli-Besitzerfamilie Andres als dritter Familienclan in die Eigentümerfunktion. Firmenpatriarch Carl Manner, 79, der nach mehr als 50 Jahren an der Spitze erst kürzlich in den Aufsichtsrat wechselte: "Im Vorstand können wir nicht alle Positionen aus der Familie besetzen. Das ist auch nicht notwendig, wenn man Manager hat, die engagiert und vom Fach her geeignet sind." Miteigentümer und Marketingchef Otto W. Riedl ergänzt: "Außerdem lassen sich Manager leichter auswechseln als Familienmitglieder."
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