Freitag, 5. September 2008

Frischer Windstoß an der Spitze der OeNB:
Nowotny will breite Koordination anstreben

  • Auch der Neue sieht in Preisstabilität höchste Priorität
  • Warnung vor Zweitrundeneffekt in Herbstlohnrunde

Im Lichte hoher Inflationsraten und langsameren Wirtschaftswachstums ruft der neue Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, Ewald Nowotny, dazu auf, in Österreich gemeinsame Lösungswege zu gehen. Bei seinem Antritt schlug er eine "breite wirtschaftspolitische Koordination" vor, in die sich die Notenbank einbringen wolle. Wörtlich sprach Nowotny von einem "neuen Big Bargain".

"Wenn es durch eine Koordination der Wirtschaftspolitik aller im Lande relevanten Gruppen gelingt, nach den - zu einen beträchtlichen Teil von außen nach Österreich getragenen - Preiserhöhungen sogenannte Zweitrundeneffekte zu vermeiden," dann, so Nowotny laut Redetext, bestehe eine gute Chance, 2009 einen deutlichen Rückgang des Preisanstiegs zu erreichen.

Problemkind Inflation
Nowotny, der nun Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank ist, bewertet die Inflationsrate als deutlich zu hoch. Er sieht noch keinen Grund für eine Entwarnung bei der Inflation, sagte der 64-Jährige. Obwohl EZB-Präsident Trichet den Höhepunkt der Preisentwicklung überschritten sehe, bestehe weiter Grund zur Wachsamkeit. Die EZB hat ihren Leitzins trotz der aktuellen Konjunkturflaute stabil bei 4,25 Prozent belassen.

Preisstabilität
Nowotny warnte davor, die nun aufkommenden Chancen zur Preisdämpfung - etwa nach dem Platzen der Spekulationsblase bei diversen Rohstoffen - durch interne Zweitrundeneffekte zu vergeben. Preisstabilität bleibe das wichtigste Ziel, betonte Nowotny. "Für mich als Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank gibt es nur eine Leitlinie und die ist das OeNB-Gesetz und das Statut der EZB". Diesbezüglich versicherte er auch persönlich Kontinuität.

Was sein Amtsvorgänger Klaus Liebscher nicht mehr zuwegegebracht hat, will Nowotny gleich nach der Wahl angehen: Die Stärkung der Eigenkapitalbasis und der Reserven der Notenbank. Dazu braucht er eine Gesetzes-Änderung. Die Notenbank will künftig bei Bedarf Reserven aufbauen können, was sie jetzt nicht kann.
(apa/red)

5.9.2008 16:29