Riesiger Schaden durch Produktpiraterie:
Markenherstellern entgehen 35 Milliarden
- Bereits ernste Bedrohung für viele Unternehmen
- Umfrage: Verbraucher kaufen bewusst Plagiate

Den europäischen Konsumgüterherstellern entsteht durch Produkt- und Markenpiraterie jährlich ein Schaden von rund 35 Mrd. Euro. Das entspricht etwa zwei Prozent des gesamten Jahresumsatzes, ergab eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. "Während die Konsumenten im Kauf gefälschter Produkte lediglich ein Kavaliersdelikt sehen, ist dies für viele Unternehmen bereits eine ernste Bedrohung", sagte Markus Jandl, Parnter bei Ersnt & Young in Österreich in einer Aussendung.
Für die Untersuchung wurden 2.500 europäische Verbraucher zu ihrer Einstellung zu Plagiaten sowie 27 Konsumgüterhersteller befragt. Zwei Drittel der interviewten Unternehmen seien regelmäßig von Produktfälschungen betroffen. Zollbeamte der EU-Mitgliedsstaaten haben 2007 mehr als 79 Mio. Nachahmungen bzw. Fälschungen sichergestellt. Für die kommenden Jahre werde von den Herstellern aller Produktgruppen eine Zunahme erwartet, hieß es.
Jeder Vierte kauft bewusst Plagiate
Jeder vierte befragte Konsument hat bereits Plagiate erworben. Neun von zehn Verbrauchern sahen ihr Ansehen bei Freunden und Verwandten durch den Kauf von gefälschten Markenprodukten nicht gefährdet. Die Studie zeige, "dass immer mehr Menschen ganz gezielt Plagiate kaufen, obwohl sie sich der möglichen Gefahren durchaus bewusst sind", sagte Jandl. Immerhin rechneten 67 Prozent der Umfrageteilnehmer mit Unfallrisiken, die durch die Verarbeitung minderwertiger Materialien hervorgerufen werden können. Schäden für die Gesundheit schlossen 61 Prozent nicht aus, knapp die Hälfte (48 Prozent) erwartete finanzielle Risiken. Ferner waren sich 74 Prozent bewusst, dass in die Herstellung und den Vertrieb von gefälschten Produkten kriminelle Banden involviert sind und 79 Prozent der Befragten waren sich im Klaren darüber, dass Arbeits- und Umweltbedingungen vernachlässigt werden.
Schutz schwierig
Um vor Produkt- und Markenpiraterie besser gefeit zu sein, müssen die Hersteller den Schutz ihrer Marke systematischer organisieren, riet Ernst & Young. Obwohl das Gros der europäischen Markenproduzenten umfangreiche Maßnahmen zur Abwehr von Plagiaten ergriffen habe, handle es sich dabei meist um Einzelmaßnahmen, die in den Unternehmensabläufen kaum verankert sind. Ein gutes Risikomanagement beginne aber lange vor dem Schadensfall und müsse als Teil der Prävention verstanden werden, sagte Martin Goworek von Ernst & Young. Juristische Maßnahmen allein reichen nämlich zum Schutz der Marke nicht aus. "Wer es den Fälschern wirklich schwer machen möchte, muss die gesamte Wertschöpfungskette einschließlich Vertrieb im Blick behalten", so Goworek.
(apa/red)

