Donnerstag, 4. September 2008

ÖFB-Gastarbeiter übernehmen das Ruder:
13 von 20 ÖFB-Kaderspielern sind Legionäre

  • Anfangsformation gegen Italien international besetzt
  • Andi Herzog will aber weiter frisches Bundesliga-Blut

Im österreichischen Fußball-Nationalteam haben die "Gastarbeiter" die Mehrheit übernommen. In der Anfangsformation beim 2:2 gegen Italien im August standen erstmals in der ÖFB-Geschichte nicht weniger als zehn Legionäre, und auch zum WM-Qualifikations-Auftakt in Wien gegen Frankreich dürfte diese Zahl - wenn überhaupt - nur minimal sinken.

Beim ÖFB-Amtsantritt von Andreas Herzog Anfang 2006 standen dem Rekord-Teamspieler und seinem damaligen Vorgesetzten Josef Hickersberger gerade einmal eine Handvoll Spieler zur Verfügung, die ihr Geld im Ausland verdienten. Mittlerweile besteht der 20-Mann-Kader aus 13 Legionären, wobei noch Ümit Korkmaz (Eintracht Frankfurt) und Andreas Ibertsberger (Hoffenheim) wegen Verletzungen fehlen.

Herzog hat diese Entwicklung mit großer Zufriedenheit zu Kenntnis genommen. "Das ist sehr erfreulich, ich hoffe, dass es so weitergeht", sagte der Wiener. Überraschend kam der Trend für ihn nicht. "Wir haben schon 2006 gewusst, dass es flott gehen kann, wenn sich die Mannschaft bei der EURO 2008 gut präsentiert."

Spieler werden im Ausland selbstsicherer
Bei den in der jüngeren Vergangenheit gewechselten Spielern hat der Assistent von Teamchef Karel Brückner, der selbst über zehn Jahre lang erfolgreich im Ausland kickte, Veränderungen bemerkt: "Was auffällt ist, dass die Spieler viel selbstsicherer geworden sind, wenn sie im Ausland sind und dort erfolgreich spielen".

Ein ÖFB-Aufgebot, das ausschließlich aus Legionären besteht, wird es laut Herzog aber in absehbarer Zukunft nicht geben. "Das wäre nicht gut, denn es gehört immer frisches Blut dazu. Außerdem sollten die Leistungen von heimischen Spielern in der österreichischen Bundesliga belohnt werden", meinte der 39-jährige Wiener.

Herzog will österreichische Philisophie durchziehen
Von den über ganz Europa verstreuten Spielern bekommt Herzog immer wieder interessante Dinge über die Arbeitsweise in den jeweiligen Ländern zu hören. "Aber wir haben unsere österreichische Philosophie, und die ziehen wir durch. Es kann nicht sein, dass einer sagt, wir sollen wie in England, Italien oder Deutschland spielen."

Der Qualitätsgewinn durch die Vielzahl an Teamspielern in internationalen Ligen ist dennoch offensichtlich. Der Grund für die Steigerung der meisten Kicker nach einem Auslands-Transfer liegt für Herzog in den dort vorherrschenden höheren Anforderungen. "Man muss jeden Tag zeigen, was man drauf hat, die ganze Zeit ausschließlich für seinen Beruf leben. Diejenigen, die das schaffen, bleiben jahrelang im Ausland. Und diejenigen, die das nicht schaffen, werden bald wieder nach Hause geschickt, das haben wir schon oft erlebt. Im Ausland weht eben ein ganz anderer Wind", erklärte er.

Das perfekte Alter für einen Abschied aus der österreichischen Liga gibt es für ihn nicht. "Das ist individuell verschieden. Ich bin auch nicht der Meinung, dass es gut ist, mit 15 ins Ausland zu gehen und dort ausgebildet zu werden. Solche Spieler kommen dann oft zurück und spielen nicht einmal mehr in der Bundesliga." Ein Transfer müsse gut überlegt sein. "Das Wichtigste ist, dass der Spieler nur zu einem Verein geht, wo ihn der Trainer will, und nicht dorthin, wo nur der Manager Geld verdient. In diesem Bereich müssen die Spieler auch Selbstinitiative zeigen", forderte Herzog.
(apa/red)

4.9.2008 11:46