"Zero Tolerance" für italienische Hooligans:
Regierung Berlusconi greift jetzt hart durch
- Napoli-Fans werden für gesamte Saison ausgesperrt
- Steckt die Mafia hinter den Fußball-Ausschreitungen?
·Italienische Vereine
scheuten keine Kosten
Serie-A-Clubs gaben 445
Mio. für Transfers aus
·Inter holt "Wunsch-
Spieler" Quaresma
Portugiese Pele geht im Gegenzug zum FC Porto
·Europas Wechsel-
Börse ist geschlossen
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Die Regierung Berlusconi hat nach den Fan-Ausschreitungen am ersten Spieltag der Serie A scharfe Maßnahmen gegen die Gewalt im italienischen Fußball angekündigt. Die Fans des Erstligisten SSC Neapel werden nach den gewaltsamen Ausschreitungen vor dem Match in Rom für die gesamte Dauer der Saison von Auswärtsspielen ihrer Mannschaft ausgeschlossen werden, kündigte Innenminister Roberto Maroni nach Angaben italienischer Medien an.
Spiele, die für die Sicherheit als gefährlich gelten, sollen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden. Die als Täter identifizierten Fans sollen unter dem Vorwurf der kriminellen Vereinigung strafrechtlich verfolgt werden. Auf diese Weise will das Innenministerium vermeiden, dass gewalttätige Ultras nach wenigen Tagen Haft wieder auf freiem Fuß sind.
Camorra als Drahtzieher?
Der Innenminister ordnete zudem eine Inspektion in Neapel an, um die Entscheidung des neapolitanischen Polizeichefs zu überprüfen, die ursprünglich festgenommenen Fans wieder frei zu lassen. Der neapolitanische Polizeichef Antonio Puglisi könnte sein Amt verlieren. Das Innenministerium vermutet, dass die Krawalle am Rande des Spiels AS Rom-SSC Neapel lange vor Beginn der Meisterschaft geplant worden waren. Außerdem könnte laut italienischer Polizei die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, hinter den Ausschreitungen stecken.
Auch Nationaltrainer Marcello Lippi verurteilte die neue Gewaltwelle im italienischen Fußball. "Es war richtig, den Fans einen Vertrauensvorschuss zu geben und für den ersten Spieltag keine Mitreiseverbote zu verhängen", meinte Lippi. Die Fans aber hätten dieses Vertrauen missbraucht.
Hooligans kapern einen Zug
Bei den Krawallen wurden zehn Polizisten verletzt. Die Hooligans hatten einen Zug nach Rom gekapert und 300 erschrockene Passagiere gezwungen, auszusteigen. Anschließend zerstörten und plünderten sie die Waggons. Die Bahnmitarbeiter hatten den Randalierern den Zugang zum Zug verwehrt, weil sie keine Fahrkarten besaßen. Vier Kontrolleure wurden angegriffen und verletzt. Die Bahngesellschaft Trenitalia meldete Schäden in Höhe von einer halben Million Euro. 20 Busse wurden schwer beschädigt. Sieben Randalierer, die nach den Krawallen festgenommen wurden, sind schon auf freiem Fuß.
Fußballverbandschef Giancarlo Abete meinte, man müsse die Gewalttäter bestrafen, die Clubs jedoch nicht belasten. "Es wäre nicht richtig, den Clubs die Kosten der Schäden aufzuhalsen, die von Ultras angerichtet werden. Die Gefahr ist eine Flucht von Managern, die im Fußball investieren", warnte Abete.
Nicht die Fans diskriminieren
Die Gewaltwelle in Neapel löste Bestürzung in der neapolitanischen Zivilgesellschaft aus. Intellektuelle und Fans warnen vor einer pauschalen Verurteilung aller neapolitanischen Tifosi. Man dürfe nicht alle Fans als gewalttätig diskriminieren.
(apa/red)
