Sonntag, 7. September 2008

Abstimmungsreigen der Grünen in Graz:
Bundeslistenwahl mit Dämpfer für Sburny

  • Van der Bellen und Glawischnig führen Kandidaten an
  • Öllinger setzt sich gegen Rossmann bei Votum durch

Die Grüne Bundesliste für die Nationalratswahl 2008 steht. Der Bundeskongress der Partei hat in Graz Bundessprecher Alexander Van der Bellen als Spitzenkandidat und Eva Glawischnig als Listenzweite bestätigt. Fix dabei ist auch wieder Sicherheitssprecher Peter Pilz, der das Rennen um Platz vier für sich entscheiden konnte. Keinen sicheren Listenplatz ergattern konnte hingegen überraschenderweise Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny. Budgetsprecher Bruno Rossmann unterlag im Match um Platz sechs Sozialsprecher Karl Öllinger und hat damit auch kein Fixmandat mehr.

Sburny verlor in einer Kampfabstimmung um Platz fünf gegen Burgenlands Listenerste Christiane Brunner. Die Chancen der Bundesgeschäftsführerin auf einen aussichtsreichen Platz für den Einzug in den Nationalrat sind damit passe. Als realistische Plätze für ein Mandat im Hohen Haus gelten bei den Grünen nur die ersten fünf bis sechs Plätze auf der Bundesliste. Da bei der Partei zudem das Reißverschlusssystem zur Anwendung kommt, wonach jedem männlichen einem weiblichen Kandidat folgen muss, blieb der sechste Platz einem Mann vorbehalten.

Gegen Sburnys Doppelrolle
Wieso die Delegierten Sburny nicht mehr das Vertrauen aussprachen, ist unklar. Bekannt ist allerdings, dass viele ihre Doppelrolle als Mandatarin und Bundesgeschäftsführerin nicht goutierten. Brunner, die als Burgenlands Listenerste keine Chance auf einen Einzug in den Nationalrat gehabt hätte, ist ein Mandat hingegen nun fix. Auf Platz sieben wurde am späten Nachmittag die Obfrau des Gehörlosenbundes Helene Jarmer gewählt.

Van der Bellen, der den Grünen seit 1997 vorsitzt, führt seine Partei nun zum vierten Mal bei einer Nationalratswahl an. Mit 84,6 Prozent der Delegierten räumte der Professor allerdings sein schlechtestes Ergebnis bei einer Wahl zum Spitzenkandidaten ein. Grünen-Vizechefin Eva Glawischnig wurde mit 83,6 Prozent der Delegierten-Stimmen auf Platz Zwei der Bundesliste gewählt.

Fixmandat für Migrantin
Zum ersten Mal war diesmal ein grünes Fixmandat für eine Migrantin vorgesehen. Dabei gewann die gebürtige Türkin und Wiener Gemeinderätin Alev Korun in einer Kampfabstimmung gegen die aus Kamerun stammende Frauenrechtlerin Beatrice Achaleke. Auf Platz 16 soll, wie angekündigt, der aus der Untersuchungshaft freigelassene Obmann des Vereins gegen Tierfabriken, Martin Balluch gereiht werden.

In seiner Rede appellierte Van der Bellen insbesondere an die noch unentschlossenen Wähler, "keine Angst vor den Grünen" zu haben. Man sei die einzige Partei, die etwa in den Bereich Energie-, Bildungs-oder Frauenpolitik langfristige Konzepte anzubieten hätte, so der Sukkus des Grünen-Chefs.

Kritik an den Grünen kam indes vom BZÖ. Die Partei stünde immer mehr für eine radikale Politik gegen Österreich, so BZÖ-Generalsekretär Martin Strutz. Dass Van der Bellen immer weniger Zustimmung in der Partei erhalte, zeige, dass Streit herrsche und die radikalen Kräfte immer mehr das Kommando übernehmen würden, meinte der BZÖ-Politiker.
(apa/red)

7.9.2008 20:55