Sonntag, 7. September 2008

Grünen-Parteitag: Van der Bellen wurde mit 84 % zum Spitzenkandidaten gekürt

  • Aufruf an Unentschlossene: "Keine Angst vor Grünen"
  • Platz drei wird von zwei Migrantinnen hart umkämpft

"Keine Angst vor den Grünen". Diesen Appell richtete der Grüne Bundesparteichef Alexander Van der Bellen beim Grünen Bundeskongress insbesondere an die noch eineinhalb Millionen unentschlossenen Wähler. Man sei die einzige Partei die etwa in den Bereich Energie-, Bildungs- oder Frauenpolitik langfristige Konzepte anzubieten hätten, so der Sukkus seiner Rede vor seiner Bestätigung als Spitzenkandidat zur Nationalratswahl. Die 264 Delegierten quittierten seine Worte mit längerem, freundlichem Applaus.

Optimistisch gab sich der Parteichef bezüglich des Wahlausgangs der bevorstehenden Nationalratswahl. Es sei selbstverständlich das Ziel 17 Prozent bundesweit und 20 Prozent in Wien zu erreichen, betonte er. Die Bio-Bauern würden zwar weiterhin ÖVP wählen "weiß der Kuckuck warum", merkte er scherzend an. Als Chance sieht Van der Bellen aber insbesondere die eineinhalb Millionen unentschlossenen Wähler, wie er sagte.

Warnung vor Großer Koalition
Van der Bellen hob die Grünen als einzige Partei hervor, die in Österreich wirklich einen Neubeginn herbeiführen könne. So warnte er vor der Verlängerung des Stillstands der großen Koalition bis zum Jahr 2013. Der ÖVP warf er vor, sich im Wahlkampf "auf die Abdichtung des rechten Randes zu beschränken, "was dabei Innovation sein soll frage ich mich", so der Professor. Die SPÖ werde mit ihrem Fünf-Punkte-Programm keine soziale Gerechtigkeit herstellen können, meinte er. Man sei zwar bei den meisten Punkten dabei, aber es handle sich hier um kein langfristiges Programm für die Zukunft Österreichs, bemängelte Van der Bellen.

Von FPÖ und BZÖ wollte der Grünen-Chef angesichts deren "Angstmacherei" zwar "gar nicht sprechen". Der FPÖ warf er aber konkret vor, aus "ängstlichen Männern" zu bestehen. Die Grünen bezeichnete er hingegen mit Verweis auf den paritätischen Frauenanteil im Parlament als die Partei " der mutigen Frauen. Man sei die einzige Partei, die in der Energie- und Frauenpolitik ein Programm anzubieten haben. Den Wählern rief er zu "keine Angst vor den Grünen zu haben". So müsse man etwa in der Energiepolitik die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen, und "sehen was wir daraus machen können".

Standing Ovations
In Sachen Steuerreform meinte er, er sei skeptisch "die Steuern nur zu senken". Die Aussage "Wir sagen bitte schön, die Reicheren und Wohlhabenden müssen auch ihren Beitrag leisten" erntete heftigen Applaus der Delegierten. Im Gegensatz zur SPÖ, deren Vorschlag zu Mehrwerststeuersenkung als "Chimäre" bezeichnete, biete man auch gezieltes langfristige Programme für Bezieher von niedrigen Einkommen.

Nach seiner Rede wurde Van der Bellen mit 84,6 Prozent zum Spitzenkandidaten gewählt. Nach der Verkündung des Ergebnisses erntete er Standing Ovations der Delegierten.

(apa/red)

7.9.2008 11:20