Molterer im NEWS Gespräch: "Was ich für richtig halte in der ÖVP, das geschieht auch"
- VP-Chef über Obmanndebatte & seine Umfragewerte
- Kritisiert Faymann und den Kurs der Kronen-Zeitung

Willi Molterer ist nun offenbar wild entschlossen, das ÖVP-Heft endgültig und sehr straff in die Hand zu nehmen. Im NEWS-Gespräch machte er, abgesehen von seinen Kanzler-Absichten, unüberhörbar klar, endgültig auch den Schatten Wolfgang Schüssels abstreifen zu wollen und "sich vorzubehalten, die eine oder andere personelle Ergänzung in meinem Team zur gegebenen Zeit noch vorzunehmen".
NEWS: Sie formulierten unlängst den Satz: "Ich trage vieles mit mir selber aus." Was heißt das?
Molterer: Dass ich im Sinne persönlicher Verantwortung, des "Nicht-auf-die-leichte-Schulter-Nehmens", oft und viel mit mir selber ausmache. Emotionen, Freude, Frust oder Grant.
NEWS: Trotzdem gibt's Kritik an Ihrer Wahlkampfstrategie.
Molterer: Ja, stimmt, ich bin keiner, der Purzelbäume schlägt oder ein Showman ist. Die ÖVP wird beim Wettlauf der Eitelkeiten und der Käuflichkeiten nicht mitmachen.
NEWS: Apropos Käuflichkeiten. Die ÖVP hat ihren Krieg mit der "Kronen Zeitung"
Molterer: Nein, wir haben keinen Krieg mit der "Krone", diese hat sich offensichtlich entschieden, für die SPÖ Partei zu ergreifen. Das Einzige, was wir machen, ist: Wir zeigen das auf.
NEWS: Bis jetzt war die ÖVP zu all dem eher zurückhaltend.
Molterer: Weil wir den Eindruck einer kurzfristigen Strategie der "Krone" hatten. Aber nein, das ist offensichtlich eine Kampagne, und sie bedeutet, dass am Ende des Tages die "Krone" in Österreich Politik macht und nicht mehr die Politik selbst. Das darf nicht sein. Jeder, der Faymann wählt, der weiß um das Risiko, das er damit eingeht. Ich bin der festen Überzeugung, Politiker müssen Politik machen. Dafür nehmen wir auch das Risiko einer Wahl in Kauf. Dieses Risiko hat eine Zeitung nicht.
NEWS: Sie sehen die Neuwahl als Risiko für die ÖVP?
Molterer: Klar. Wahl heißt immer, sich auf den Prüfstand zu stellen. Das ist so. Viele sagen mir in den letzten Tagen, erst jetzt hätten sie mich verstanden, warum ich gesagt habe: Es reicht. Weil sie nicht vermutet haben, was in Österreich alles möglich ist: Man kaufe sich Inserate auf Staats- und Steuerkosten in Millionenhöhe, bilde sein Konterfei ab und lasse sich auf einen Deal mit einer Zeitung ein - weil man bereit ist, alles, wirklich alles für den Machterhalt zu tun. Diese Form der Politik darf nicht zur Normalität werden.
NEWS: Sie setzen sich für Ihre Verhältnisse stark zur Wehr.
Molterer: Es setzen sich mittlerweile doch sehr viele mehr zur Wehr, gerade auch SPÖ-Wähler. Die sind entsetzt darüber, was passiert, sind entsetzt über dieses Grundverständnis von Politik. Da tue ich ganz sicher nicht mit.
NEWS: Stichwort Persönlichkeiten. Die ÖVP grummelt, weil Schüssel explizit erklärte, wieder Klubchef sein zu wollen. Viele sagen, Sie stünden nur in Schüssels Schatten. Geht Ihnen das nicht auf die Nerven?
Molterer: Da kann ich nur lachen. Im Ernst: Ich bestimme den Kurs der ÖVP, und der ist anders als es jener Schüssels war. Das ist so. Ich lasse mir von nichts und niemandem etwas vorschreiben. Was ich für richtig halte, geschieht auch.
NEWS: Die ÖVP ist im Abwärtstrend. Wie wollen Sie den bis 28. September stoppen?
Molterer: Motivation der eigenen Leute und Kampf um jeden Wähler. Aber sicher ist noch nicht die finale Wahlkampfstimmung erreicht, da haben wir noch einiges vor uns.
NEWS: Wie hoch schätzen Sie Ihre Chance ein, ab 29. September Kanzler zu werden?
Molterer: Keine Wette oder Prozentangaben! Sondern nur mein klares Ziel, dass die ÖVP den ersten Platz dazu nützt, rasch eine handlungsfähige Regierung zu bilden.
NEWS: Mit einem Bundeskanzler Wilhelm Molterer?
Molterer: Das ist mein Ziel.
NEWS: Österreich hat also keine personelle Überraschung mehr zu gewärtigen, sollte der Abwärtstrend der ÖVP anhalten?
Molterer: Es gibt die einstimmige Entscheidung in der ÖVP, die Geschichte ist seit vielen Wochen klar. Dazu kommt: Wir leben in einer Umbruchszeit, in der Politik, in der Wirtschaft, mit der Umwelt. Da muss einer da sein, der Stehvermögen hat und nicht wie eine Wetterfahne agiert. Sondern der sagt, ich weiß, wo ich hin will. Und das weiß ich ganz genau.
Den gesamten Bericht lesen Sie im aktuellen NEWS 36/2008
Norbert Wicki14:21
Der Buwog-MythosDer Schweizer Vermögensberater hatte neben Grasser weitere Kontakte in Österreich
Wikileaks14:25
Rückschlag für AssangeGericht fällt Entscheidung: Internet-Aktivist darf nach Schweden überstellt werden
U-Ausschuss Korruption14:59
Eklat um Tetron-AktenInnenministerium vergaß auf Übermittlung. Befragungen bis auf Weiteres beendet
