Donnerstag, 4. September 2008

Die Hochburgen der Parteien: Bei der letzten Wahl kam niemand auf 100 Prozent

  • Kleinsgemeinden oftmals fest in der Hand der ÖVP
  • Grüne feiern Erfolge in Wiener Innenstadt-Bezirken

100 Prozent Stimmenanteil für eine Partei in einer Gemeinde ist bei Nationalratswahlen nicht recht häufig. 2002 hatte es die ÖVP aber geschafft, in der Tiroler Kleinstgemeinde Kaisers. 2006 fuhr sie dort aber einen ihrer größten Verluste ein - und es gab keine 100-Prozent-Gemeinde mehr. Aber die ÖVP blieb die Partei mit dem höchsten Stimmenanteil in einer Gemeinde: 92,00 Prozent wählten im kleinen Tiroler Bergdorf Hinterhornbach schwarz. Die FPÖ übernahm die alte freiheitliche Hochburg St. Georgen am Fillmannsbach, das BZÖ Kärnten.

Der SPÖ brachte auch 2006 wieder die steirische Eisenbahnergemeinde Selzthal das beste Ergebnis von 78,14 Prozent. Zu über 70 Prozent rot wählten noch sieben weitere Gemeinden, die meisten davon steirisch - und ein guter Teil auch größer, mit über 1.000 Wahlberechtigten. Im Vorarlberger Ort Dünserberg fiel für die SPÖ keine einzige Stimme ab, während sich die KPÖ über drei freuen durfte. Das größte Minus (13,03 Prozentpunkte) setzte es für die SPÖ in der Kärntner "Ortstafel-Gemeinde" Neuhaus.

Die Hochburgen der ÖVP sind traditionell Tiroler Kleinstgemeinden. Hinterhornbach hat 77 Wahlberechtigte, Jungholz 126, Gramais 40 - und alle drei wählten vor zwei Jahren zu über 90 Prozent schwarz. Kaisers mit seinen 56 Wahlberechtigte bescherte der ÖVP mit 18,60 Prozentpunkten aber das drittgrößte Minus. Das größte gab es in Polling in Tirol (19,24). Das schlechteste Ergebnis strichen die Schwarzen in Golling an der Erlauf (7,92 Prozent) ein, einer roten Hochburg in NÖ.

Grüne Hochburgen in Wien
Als Grüne Hochburgen bestätigten sich die innerstädtischen Wiener Bezirke, allen voran Neubau mit 35,25 Prozent. Auch in der Josefstadt und Mariahilf kamen sie über die 30er-Marke. In drei Gemeinden konnten die Grünen keinen einzigen Wähler anlocken - und zwar in Hinterhornbach und Gramais, aber auch im steirischen Rinegg (Bez. Murau).

In den beiden Tiroler ÖVP-Hochburgen gab es auch keine einzige FPÖ-Stimme, ebenso wie in der Grazer Umlandgemeinde Tyrnau. Das beste Ergebnis brachte St. Georgen am Fillmannsbach, schon früher Hochburg der geeinten FPÖ. Die oberösterreichische Gemeinde mit einem blauen Bürgermeister bescherte der FPÖ mit 35,12 Prozent ihr einziges Resultat über 30 Prozent. Große Verluste von deutlich über 20 Prozentpunkten gab es beim ersten getrennten Antreten von FPÖ und BZÖ für die Blauen in Kärnten, allen voran in Deutsch-Griffen mit minus 29,41 Prozentpunkten.

BZÖ-Rekorde in Kärnten
Für das BZÖ - das ja nur dank Kärnten in den Nationalrat einzog - brachte das von LH Jörg Haider regierte Land natürlich auch die Rekordergebnisse. Frühere FPÖ-Hochburgen wurden orange, darunter Mühldorf und Deutsch-Griffen, wo das BZÖ - mit bundesweit 4,11 Prozent - gar knapp über 40 Prozent kam. Kein Orangen-Wähler fand sich in 13 Gemeinden.

Eine Kärntner Gemeinde verweigerte sich dem gesamten Dritten Lager: Zell-Pfarre (Bez. Klagenfurt-Land) brachte für das BZÖ mit 4,03 Prozent (17 Wähler) das magerste Kärntner Ergebnis. Blau wählten nur drei der rund 420 Wahlberechtigten, für die FPÖ bundesweit das fünf-schwächste Ergebnis (0,71 Prozent). Für die Grünen ist die slowenische "Paradegemeinde" hingegen mit 23,46 Prozent die erste Hochburg außerhalb Wiens.

Mehrheiten schmelzen
Bei den Bezirks-Hochburgen hat sich 2006 wenig geändert. Der Waldviertler Bez. Zwettl bescherte der ÖVP wieder das beste Ergebnis von 59,10 Prozent - wobei es dort früher locker für die Zwei-Drittel-Mehrheit reichte. Aber in immerhin zwölf Bezirken gab es 2006 noch eine absolute Mehrheit für die ÖVP. Der Wiener Arbeiterbezirk Simmering brachte ihr schwächstes Ergebnis (13,00 Prozent). In 13 Bezirken - vorwiegend Wiener und Kärntner - blieb sie unter 20 Prozent.

Simmering zählte für zwei Parteien - SPÖ und FPÖ - zu den Bezirks-Hochburgen. Die SPÖ schaffte dort mit 52,02 Prozent eine ihrer fünf Absoluten. 2002 brachte Simmering mit fast 57 Prozent freilich noch den Rekord. Dieser kam 2006 aus dem steirischen Bez. Leoben (54,43). Den geringsten Zuspruch hatte die SPÖ in Tirol und Vorarlberg, im Bez. Lienz gab es nur 16,70 Prozent. Unter 20 Prozent blieben die Roten in fünf der 121 Bezirke und Statutarstädte.

Die FPÖ lukrierte in Simmering (19,86 Prozent) das zweitbeste Resultat hinter Favoriten (20,06), ebenfalls ein Wiener Arbeiterbezirk. Auch in Oberösterreich schnitt die FPÖ teilweise sehr gut ab, der Bez. Ried im Innkreis liegt an dritter Stelle. Das schwächste Ergebnis (5,65 Prozent) setzte es im Kärntner Bez. Völkermarkt, auch andere Kärntner und NÖ-Bezirke (wie Horn oder Scheibbs) waren nur sehr blass blau. In mehr als der Hälfte der 121 Bezirke und Statutarstädte - nämlich in 58 - blieb die FPÖ unter zehn Prozent.

Grüne Erfolge in Innsbruck
Die Grünen blieben in 80 Bezirken einstellig. Am schlechtesten schnitten sie im steirischen Bez. Murau (3,92) ab. Ihre Hochburgen waren die Wiener Bezirke: In vier davon - Neubau, Mariahilf, Josefstadt und Alsergrund - wurden sie Erste. Das beste Ergebnis brachte Neubau mit 35,25 Prozent, wo die Grünen (wie in der Josefstadt) den Bezirksvorsteher stellen. Außerhalb Wiens gab es den meisten Zuspruch in Innsbruck-Stadt mit 21,67 Prozent.

Die mit Abstand kleinste Partei, das BZÖ, blieb in 39 Bezirken unter zwei Prozent, im burgenländischen Bez. Oberpullendorf gab es den Negativ-Rekord von 1,04 Prozent. Wirklich gut schnitten die Orangen in Kärnten - mit ausnahmslos über 20 Prozent und dem Spitzenwert 28,85 im Bez. Spittal an der Drau - ab. Über der Nationalratshürde von vier Prozent lagen sie noch in den steirischen Bez. Voitsberg und Murau sowie im Tiroler Bez. Kufstein.

(apa/red)

4.9.2008 10:55