Mittwoch, 3. September 2008

"Viel heftiger & emotionaler als erwartet": TV-Duell überrascht sogar Meinungsforscher

  • Molterer wirkte menschlicher, Strache angriffslustig
  • "Wie aus Maschinengewehr abgefeuerte Attacken"

Der Schlagabtausch zwischen Wilhelm Molterer und Heinz-Christian Strache hat sogar die Experten überrascht. Für Meinungsforscher Wolfgang Bachmayer (OGM) ist das TV-Duell "viel heftiger und emotionaler als erwartet" verlaufen. Beim Thema Zuwanderung sei deutlich zu sehen gewesen, dass Molterer "rechts der VP keinen Platz lassen will", erklärte Bachmayer. Für VP-Generalsekretär Hannes Missethon hatte Strache Molterer in der Debatte nichts entgegenzusetzen.

Der ÖVP-Chef habe laut Bachmayer menschlicher gewirkt, obwohl Strache auf radikale oder untergriffige Aussagen verzichtet habe. "Trotzdem ging es phasenweise ordentlich zu, Strache konnte zwischen dem Stakkato seiner Vorwürfe manchmal kaum Luft holen, Molterer hielt aber überraschend kräftig dagegen", so der Experte. Der VP-Chef sei mit den "zeitweise wie aus einem Maschinengewehr abgefeuerten Attacken von Strache" sichtlich besser zurecht gekommen als mit dem "ständigen Tempowechsel von Jörg Haider eine Woche zuvor".

SPÖ saß "unsichtbar" am Tisch
Strache habe den Erwartungen seines Wähler-Potenzials entsprochen, indem er konsequent auf seiner Strategie geblieben sei, die Große Koalition "aus allen Rohren zu beschießen", konstatierte Bachmayer. Molterer habe "viel lockerer und beweglicher, aber auch angriffiger als zuletzt" gewirkt; er dürfte damit "manche verunsicherte Funktionäre" wieder hinter sich gebracht haben, so der Meinungsforscher. "Unsichtbar am Tisch zu sitzen" schien für Bachmayer SP-Spitzenkandidat Werner Faymann: "Strache griff ähnlich der SPÖ die soziale Kälte der ÖVP an, Molterer rückte die FPÖ nahe an die SPÖ und grenzte sich im Verlauf der Debatte immer deutlicher gegen die FPÖ ab."

Für Missethon war der Auftritt Straches "typisch": "Große Klappe, weiche Knie". Den "klaren Antworten" und der "entwaffnenden Kompetenz Wilhelm Molterers" habe der FPÖ-Chef nichts entgegen zu setzen gehabt. Missethon sah wie auch Molterer die FPÖ "eindeutig im Windschatten der SPÖ" segeln. "Die rot-blauen Panzerknacker sind unterwegs und planen einen Milliardenschweren Anschlag auf die Geldbörsen der Österreicher", warnte der ÖVP-Generalsekretär.

(apa/red)

3.9.2008 16:10