SPÖ bei 13 Wahlen stimmenstärkste Kraft:
ÖVP eroberte erst sechsmal den Wahl-Thron
- Die Grünen verteidigen erstmals den dritten Platz
- FPÖ spürte lange die Folgen der internen Streitereien

·Sozialdemokraten
droht Negativrekord
Tiefstand von 33,2 %
laut Umfragen gefährdet
·Große Koalition seit 1945 Standardmodell
Rot-Schwarz stellte in 35
von 63 Jahren Regierung
·GRAFIK: Österreichs
Regierungen seit 1945
SPÖ und ÖVP stellten
jeweils 5 Bundeskanzler
·Kanzlerwahl ist eine
Sache von SPÖ & ÖVP
Die Großparteien stellten
jeweils 5 Bundeskanzler
·Koalitionen formten
seit '83 die Regierung
Rot-Schwarz dominiert
bei Koalitionsvarianten
Die SPÖ ging aus den 19 Nationalratswahlen der Zweiten Republik 13 mal als stärkste Partei hervor, die ÖVP sechsmal. Das bisher schlechteste Ergebnis der SPÖ waren 33,2 Prozent (1999), 1994 fiel sie unter 40 Prozent und blieb seither dort. Die ÖVP kam bei drei Wahlen (1994, 1999, 1999) nicht einmal mehr auf 30 Prozent, schaffte es 2002 vorübergehend aber wieder über die 40er-Marke.
Nach Mandaten sehen die Wahlsiege etwas anders aus: 1953 und 1959 bekam die SPÖ zwar einige Stimmen mehr, die ÖVP aber dank des Wahlrechts ein Mandat mehr - und stellte damit auch den Bundeskanzler.
Die Grünen - seit 1986 im Parlament - wurden bei der vorigen Wahl 2006 erstmals Dritte, die FPÖ damit erstmals Vierte. Erstmals ins Parlament gewählt wurde vor zwei Jahren das BZÖ. Damit gibt es aktuell fünf Parteien im Nationalrat. Dies war zuvor nur zwischen 1994 und 1999 der Fall, als das LIF im Parlament vertreten war.
Anders als die SPÖ musste sich die ÖVP bisher einmal, 1999, auch mit dem dritten Rang knapp hinter der FPÖ zufriedengeben. Das bedeutete auch den einzigen zweiten Platz, den die FPÖ je schaffte. Bei 16 Wahlen war die FPÖ Dritte. Das hätten sie offenbar auch 2006 werden können - hätte sich das BZÖ nicht 2005 abgespaltet.
Grüne verteidigen Platz 3
Die Grünen lagen sechs Wahlen lang - seit ihrem Einzug in den Nationalrat vor 22 Jahren - hinter der FPÖ; einmal 1995, sogar auf Platz fünf hinter dem LIF. 2006 machten sie die Wahlkarten-Stimmen dann doch noch knapp zur drittstärksten Kraft.
Nur der SPÖ ist es bisher bei Nationalratswahlen gelungen, österreichweit mehr als 50 Prozent der Stimmen - also die Absolute im Stimmenanteil - zu bekommen: Unter Bruno Kreisky schaffte sie das 1971, 1975 und 1979. Das beste Ergebnis der Volkspartei war das der ersten Wahl im Jahr 1945, 49,8 Prozent. Annähernd gut schnitt sie nur mehr ein Mal, 1966 ab (48,4 Prozent). Das reichte aber für die absolute Mehrheit in Mandaten und somit - nach den langen Jahren der Großen Koalition unter VP-Führung - die Alleinregierung.
Danach kam - ab 1971 - die Zeit der SPÖ-Absoluten. 1983 fand sie ein Ende; es folgte ein rot-blaues Intermezzo. Die 80er- und 90er-Jahre bescherte den gemeinsam regierenden Großparteien den Einbruch - weil die FPÖ unter Jörg Haider von Wahl zu Wahl enorm zulegte, bis zum Spitzenwert von 26,9 Prozent 1999. SPÖ (33,2 Prozent) und ÖVP (26,9) bekamen in diesem Jahr so wenig Zustimmung wie nie zuvor.
FPÖ-Einbruch nach internen Streitereien
Mit der nachfolgenden Regierungsbeteiligung der FPÖ in der Koalition mit der ÖVP wendete sich das Blatt: Die FPÖ erlebte einen massiven Einbruch, die Großparteien erholten sich wieder. Bei der - wegen FPÖ-interner Streitereien vorgezogenen - Neuwahl 2002 kamen die Blauen nur mehr auf zehn Prozent, etwas mehr als in der ersten Wahl unter Haider.
Die Abspaltung der BZÖ-Regierungstruppe um Haider bremste den Niedergang der FPÖ wieder. Sie konnte 2006 (bei geringerer Wahlbeteiligung) im Stimmanteil wieder etwas zulegen. Die Blauen erwiesen sich als die wesentlich größere Partei des Dritten Lagers: Sie bekamen mehr als zweieinhalb Mal so viel Stimmen wie die Orangen.
Mit dem BZÖ gibt es nunmehr sieben Parlamentsparteien in der Zweiten Republik: SPÖ, ÖVP, Grüne, FPÖ, BZÖ - und früher LIF und KPÖ. Die KPÖ war nur in den ersten 14 Jahren der Zweiten Republik, bis zur Wahl 1959, Nationalratspartei.
(apa/red)
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