Montag, 1. September 2008

Kanzlerwahl ist eine Sache von SPÖ & ÖVP:
Großparteien stellten je fünf Bundeskanzler

  • Regierungschef kam noch nie von Grünen oder FPÖ
  • Gusenbauer ist Kanzler mit der kürzesten Amtsdauer

Zehn Bundeskanzler haben Österreich in der Zweiten Republik regiert, sieht man von der knapp neunmonatigen provisorischen Staatsregierung unter Karl Renner nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ab. Seit der ersten freien Wahl am 25. November 1945 stellte fünf die ÖVP und fünf die SPÖ. Andere Parteien kamen bisher nicht zum Zug.

Mit ihrem Wahlsieg 2006 und der folgenden Großen Koalition unter Kanzler Alfred Gusenbauer konnte die SPÖ mit der ÖVP bei den Regierungschefs wieder gleichziehen. In deren Amtsdauer überholte Rot Schwarz knapp: Die SPÖ ist nunmehr 31,4 Jahre seit 1945 Kanzlerpartei, die ÖVP 31,3 Jahre.

Gusenbauer Kurzzeit-Kanzler
SPÖ-Kanzler Gusenbauer geht mit einem Negativ-Rekord in die Geschichte ein: Er ist der Kanzler mit der kürzesten Amtsdauer. Bis heute ist er 581 Tage im Amt - und auch bei sehr langen Regierungsverhandlungen wird er hinter dem bisher "kürzesten" Regierungschef liegen. Denn Alfons Gorbach (V) hielt sich in den 60er-Jahren immerhin 1.087 Tage, also fast drei Jahre.

Zwei rote Kanzler kamen nur knapp über drei Jahre: Der vor kurzem gestorbene Fred Sinowatz (1983-1986) und Viktor Klima (1997-2000).

Die SPÖ hat in ihren Reihen aber auch die Kanzler mit der längsten Amtsdauer: Bruno Kreisky (13,1 Jahre von 1970 bis 1983) und Franz Vranitzky (10,6 Jahre von 1986 bis 1997) waren die einzigen der zehn Regierungschefs, die sich mehr als zehn Jahre hielten. Platz 3 hält ein ÖVP-Kanzler, Julius Raab, mit acht Jahren (1953-1961).

Raab und Figl länger Kanzler als Schüssel
Der bisher letzte ÖVP-Kanzler Wolfgang Schüssel hat es auch innerhalb der eigenen Partei nicht auf Platz 1 geschafft: Mit knappen sieben Jahren (6,9 Jahre von 2000-2007) liegt er nicht nur hinter Raab, sondern auch hinter dem ersten Kanzler der Zweiten Republik, Leopold Figl (7,3 Jahre von 1945-1953).

In der chronologischen Aufteilung gab es zunächst zwei Blöcke: Von der ersten Wahl bis 1970 regierten ausschließlich ÖVP-Kanzler. Von 1945 bis 1966 standen sie Großen Koalitionen (genau genommen von 1945 bis 1947 einer Konzentrationsregierung samt KPÖ) vor, von 1966 bis 1970 war Josef Klaus der bisher einzige alleinregierende ÖVP-Kanzler. 1970 übernahm die SPÖ das Kanzleramt - zunächst mit dem alleinregierenden Bruno Kreisky, dann mit Fred Sinowatz in der rot-blauen Koalition von 1983 bis 1986. 1986 begann die zweite Ära der Großen Koalition, jetzt unter den SPÖ-Kanzlern Franz Vranitzky und Viktor Klima.

2000 beendete Schüssel mit seiner schwarz-blau-orangen Koalition die langen "Hungerjahre" der ÖVP, die von 1970 bis 1983 gar nicht in der Regierung und dann kleiner Partner in der Großen Koalition war. Obwohl die ÖVP nur Dritte knapp hinter der FPÖ war, wurde er Kanzler und führte die ÖVP im Jahr 2002 in einen fulminanten Wahlsieg. Dies wiederholte sich 2006 nicht, die SPÖ lag überraschend knapp vorne - und wurde mit der Wiederauflage von Rot-Schwarz nach relativ kurzer Absenz wieder Regierungs- und Kanzlerpartei.


AngelobungKanzlerParteiAmtsdauer in Jahren
20.12.1945Leopold FiglÖVP7,29
2.4.1953Julius RaabÖVP8,03
11.4.1961Alfons GorbachÖVP2,98
2.4.1964Josef KlausÖVP6,05
21.4.1970Bruno KreiskySPÖ13,10
24.5.1983Fred SinowatzSPÖ3,07
16.6.1986Franz VranitzkySPÖ10,63
28.1.1997Viktor KlimaSPÖ3,02
4.2.2000Wolfgang SchüsselÖVP6,94
11.1.2007Alfred GusenbauerSPÖ1,59



(apa/red)

1.9.2008 16:41