Rot-grüne Mehrheit wäre absolutes Novum:
Schwarz-grün war 2002 rechnerisch möglich
- FPÖ bereits mehrmals potenzieller Koalitionspartner
- Bei 15 Wahlen ergab sich schwarz-blaue Mehrheit

·GRAFIK: Österreichs
Regierungen seit 1945
SPÖ und ÖVP stellten
jeweils 5 Bundeskanzler
·Liberale, Dissidenten,
Kommunisten & Co
Die Kleinparteien der NR-
Wahl '08 im Kurzporträt
·Wähler werden stets
unberechenbarer
Anteil der Wechselwähler
bereits bei 60 Prozent
·SPÖ bei 13 Wahlen
stimmenstärkste Kraft
ÖVP eroberte den Thron
der Wählergunst 6 mal
·Große Koalition seit 1945 Standardmodell
Rot-Schwarz stellte in 35
von 63 Jahren Regierung
Die Österreicher lehnen mehrheitlich die Fortsetzung der Großen Koalition ab. Damit sie eine andere Regierung bekommen, müssten sie am 28. September aber entsprechend wählen. Bisher ließen die Nationalrats-Ergebnisse wenig Wahl, zumal die beiden Großparteien die längste Zeit eine Koalition mit der Haider-FPÖ ausschlossen - und dies jetzt auch für die Strache-FPÖ beteuern. Rot-Blau und Schwarz-Blau wären theoretisch aber zumeist möglich gewesen. Eine rot-grüne Mehrheit gab es hingegen noch nie, eine schwarz-grüne nur einmal.
Nur 2002 hätten ÖVP und die seit 1986 im Parlament vertretenen Grünen gemeinsam genug (nämlich 96) Mandate für eine Mehrheit gehabt. Damals entschied sich die ÖVP jedoch dafür, die Koalition mit der FPÖ fortzusetzen. SPÖ und Grüne hatten miteinander noch nie genug Mandate; kurze Zeit gab es einmal im Nationalrat eine SPÖ-Grün-LIF-Mehrheit - von der Abspaltung des LIF von der FPÖ im Februar 1993 bis zur Wahl 1994.
Schwarz-Blau wäre sich bei den bisher 19 Wahlen der Zweiten Republik 15 Mal (ausgenommen die Zeit der SPÖ-Absoluten) ausgegangen, Rot-Blau 14 Mal - wenngleich oft auch nur mit recht dünner Mehrheit. Schwarz-Blau wurde zweimal Realität, nach den Wahlen 1999 und 2002; Rot-Blau gab es von 1983 bis 1986. 2006 hätten sowohl Schwarz-Blau als auch Rot-Blau aber noch das BZÖ mit in die Regierung nehmen müssen.
Wahl 2006 ließ wenig Spielraum
Die Wahl 2006 ließ insgesamt wenig Wahl bei der Koalitionsbildung: Außer SPÖ-ÖVP hatte keine Zweier-Konstellation die zumindest 92 der 183 Mandate für die Mehrheit - und Dreier-Koalitionen scheiterten an den weltanschaulichen Gegensätzen zwischen FPÖ/BZÖ und Grünen sowie dem Bruderzwist im Dritten Lager. So kam es wieder zur Großen Koalition, der seit 1945 weitaus häufigsten Regierungsform.
Denn auch zur Minderheitsregierung konnte sich 2006 keine der beiden Großparteien entschließen. Jetzt hat ÖVP-Chef Wilhelm Molterer für die Zeit nach der Wahl schon mit diesem Gedanken gespielt. Die SPÖ hat schon einmal ohne parlamentarische Mehrheit allein regiert - nach der Wahl 1970, aber nur bis zum vorgezogenen Urnengang 1971, in dem sie dann die Absolute errang.
Für die einfache Mehrheit im Nationalrat 92 der 183 Mandate nötig, bis zur Wahlrechtsreform 1971 waren es 83 von 165. Mit 122 Mandaten (bis 1970 110) ist die Zwei-Drittel-Mehrheit gegeben, die für Verfassungsänderungen nötig ist. Auf diese konnte sich die Große Koalition die längste Zeit stützen.
(apa/red)
Norbert Wicki14:21
Der Buwog-MythosDer Schweizer Vermögensberater hatte neben Grasser weitere Kontakte in Österreich
Wikileaks14:25
Rückschlag für AssangeGericht fällt Entscheidung: Internet-Aktivist darf nach Schweden überstellt werden
U-Ausschuss Korruption14:59
Eklat um Tetron-AktenInnenministerium vergaß auf Übermittlung. Befragungen bis auf Weiteres beendet
