Montag, 1. September 2008

Nobel geht der Rausch zugrunde: Christoph Wagner auf Weintour durch die Steiermark

  • NEWS: 65 Buschenschänke warten auf Gourmets
  • Ausgezeichnet: Statt Heckenklescher edle Tropfen

Da hätte sich wohl sogar der als asketisch bekannte Kaiser Joseph II. gefreut. Der von ihm in einem "Josephinischen Patent" aus dem Jahre 1784 erfundene Buschenschank sagt, zumindest in der Steiermark, dem quantitativen Trinken den Kampf an. 65 Buschenschänken zwischen Reinischkogel und Sausal wollen Genussinstitutionen der besonderen Art sein, nicht mehr einfach Buschenschänken also, sondern "ausgezeichnete" Buschenschänken.

Der Gast erkennt sie schon von Weitem daran, dass sie in ihrem Logo statt Krügel und Klapotetz ein schlankes Chardonnayglas und ein stilisiertes Brotkörbchen führen. Statt Vierterl gibt's Dezi, dafür allerdings nicht aus Schlauch oder Doppler, sondern aus der Bouteille. Und auch sonst haben sich die "Ausgezeichneten" einen ziemlich strengen Kodex verpasst.

Wohltemperierte Kulinarik
Wer etwa beim wunderschön gelegenen Tschermonegg in Glanz an der Weinstraße einkehrt, kann sich darauf verlassen, dass …

* die Weine richtig temperiert und nach allen Regeln der Kunst präsentiert ins Degu-Glas kommen;

* angebotene Fleischprodukte und Fische vorwiegend aus Eigenproduktion stammen oder von einem steirischen Direktvermarkter zugekauft werden;

* Brot- und Salatkultur stimmen und es mindestens vier steirische Käsesorten gibt;

* traditionelle bäuerliche Gerichte angeboten werden und

* mindestens drei Fruchtsäfte aus heimischer Erzeugung sowie Kinderspielecke und spielplatz bereitstehen.

Buschenschank-Hopping
Wer es dermaßen steirisch-gepflegt liebt, kann sich nicht nur darauf verlassen, dass diese Kriterien durch ein Testerteam ständig überprüft werden, sondern findet auch ein weites Feld von im wahrsten Wortsinn "feinen Adressen" vor - was freilich auch kritische Fragen aufkommen lässt. Denn gewiss fällt fast jedem Weinfreund eine Buschenschank ein, die nicht "ausgezeichnet" und trotzdem ganz ausgezeichnet ist. Auch stellt sich die Frage, ob es wirklich sinnvoll ist, wenn immer mehr steirische Buschenschänken ihren urtümlichen Charme aufgeben und zu (obendrein oft ziemlich teuren) "Szenelokalen" im Weinland wer-den. Ich beispielsweise möchte weder die "gestrengen Heckenklescher-Verkostungen" in der wunderschönen Buschenschank Neubauer am Rosenberg in Stainz bei Straden missen noch das Verweilen beim (ganz und gar nicht "behaubten") Haubensima in der Schilcherlandgemeinde Wernersdorf. In dessen 170 Jahre alten Stub'n fühle ich mich bei einem Vierterl "Zwiebelfarbenem" und knackigen Hauswürstln mit Verhackert jedenfalls nicht nur ausgezeichnet, sondern ganz grandios.

Empfehlenswerte Buschenschänken in der Steiermark

Breitenberger, 8221 Kaibing, Kaibing 71, Tel.: 03113/87 71

Dreisiebner, 8461 Ehrenhausen, Weinstr. 35, Tel.: 03453/25 90-22

Florlwirt , 8511 St. Stefan/Stainz, Gundersdorf 3, Tel.: 03463/816 49

Klug, Steinreib14, 8511 St. Stefan/Stainz, Tel.: 03463/64 64

Muster, Grubtal 14, 8462 Gamlitz, Tel.: 03453/23 00

Lambauer, Greith 19, 8442 Kitzeck, Tel.: 03456/22 35

Polz Graßnitzberg 54, 8471 Spielfeld, Tel.: 03453/27 30

Scharl, 8354 St. Anna/Aigen, Plesch 1, Tel.: 03158/23 14-33

Tinnauer, Labitschberg 42, 8462 Gamlitz, Tel.: 03453/23 91

Tschermonegg, 8463 Glanz a. d. Weinstraße 50, Tel.: 03454/326

Mehr Infos unter:
www.buschenschank.at und www.weinland-steiermark.at.

Lesen Sie die gesamte Geschichte im NEWS 35/08!

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1.9.2008 12:01