'Gefühl vom Olympia- sieg trage ich in mir
- Matthias Steiner - Superstar aus Obersulz

Wie der 26-jährige Olympiasieger aus Niederösterreich mit NEWS auf die Chinesische Mauer kraxelte.
Der stärkste Mann der Welt hat die meiste Kraft in den Beinen. Doch zwei Tage, nachdem er mit einer Gesamtlast von 461 Kilo vor 6.000 Zuschauern in Peking Olympiasieger wurde, hat er vor dem Aufstieg auf die Chinesische Mauer Respekt. 48 Stunden war er nach der Sensation wach, gab ungezählte Interviews, handelte sich eine Verkühlung ein. Das Handy klingelt ununterbrochen, doch Matthias Steiner hat beschlossen, dieses eine Mal im Leben auf der Chinesischen Mauer zu stehen exklusiv mit NEWS.
Den Sessellift würde er lieber benützen, doch der hat leider Betriebsschluss. Die Sonne brennt, manche Stiegen sind so hoch, dass man sich über das Geländer hochziehen muss. Steiner ist nicht begeistert, aber wenn er einmal da ist, gibt es für ihn nur eine Option: nach oben. Dann eben zu Fuß.
Auf dem Weg nach oben musst du jede Stufe mindestens einmal berühren, hat ihm sein Trainer Frank Mantek als einen von vielen Sprüchen auf den wöchentlichen Trainingsplan geschrieben. Dieser eine ist dem 26-Jährigen aus Obersulz in Niederösterreich stets besonders ge-
genwärtig. Auf seinem Weg zum Olympiasieg musste er viele Hindernisse bewältigen. Als Kind radelte er 30 km ins Training, in seiner Lehrzeit stemmte er nach neun Stunden Arbeit und drei Stunden Anfahrtsweg die Hanteln. Weil er zuckerkrank ist, nahm ihn das Bundesheer nicht auf, das ihm den Sport hätte finanzieren können, trotz Platz sieben bei Olympia 2004 wurde er vom heimischen Verband ausgegrenzt. Er ging nach Deutschland, wartete drei Jahre auf die Einbürgerung, durfte keine internationalen Wettkämpfe bestreiten. Ein Jahr bevor er am obersten Treppchen des Siegerpodests ankam, starb seine Frau Susann bei einem Autounfall. Ihr Foto hielt er mit der Goldmedaille um den Hals und Tränen in den Augen in die Kameras.
Medienprofi. Mit viel hatte Steiner gerechnet, nur nicht mit der Wucht der Medien: Weltweit zierte sein Bild die Titelseiten, erst konzentrierten sich die Berichte auf die Dramatik des Wettkampfs, kurz darauf standen Journalisten im Garten der Eltern, dann wurde der Tod seiner Frau aufgerollt, ihm schließlich eine neue Beziehung angedichtet. Steiner macht seinem Ärger beim Aufstieg auf die Chinesische Mauer Luft: Hätte ich das gewusst, ich hätte mir das mit dem Foto dreimal überlegt.
Abgesehen davon hat sich der 26-Jährige aus der 573-Seelen-Gemeinde Obersulz im Weinviertel schnell daran gewöhnt, ein Superstar auf einer Ebene mit dem achtfachen Goldmedaillengewinner Michael Phelps oder Sprintweltrekordler Usain Bolt zu sein. Er verkauft sich perfekt, erzählt etwa, dass eine seiner fünf kleinen Mahlzeiten am Tag drei Steaks umfasst. Ein bisserl Show muss ja sein, lacht er, und der Schweiß rinnt ihm übers Gesicht.
Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 35/2008
