Sonntag, 31. August 2008

Zu hohe Zinsen machen das Leben schwer:
FORMAT zeigt, was Kredite wirklich kosten

  • Bauspardarlehen: Zinsobergrenze von sechs Prozent
  • Optisch niedrige Zinsen, doch andere Berechnung

Die steigenden Zinsen machen derzeit Hausbesitzern das Leben schwer. Jeder Brief der Bank könnte eine neue Zinserhöhung beinhalten. Bei vielen Hypothekarkrediten steht jetzt bei den Zinsen sogar schon eine Sechs vor dem Komma. Ruhiger schläft, wer seine vier Wände durch ein Bauspardarlehen finanziert. Hier gibt die vertragliche Zinsobergrenze von sechs Prozent Schutz vor allzu schmerzlichen Ratenerhöhungen. Allerdings haben auch die Bausparkassen ihre Konditionen spürbar angehoben. Bei zwei Bausparkassen, der ABV und Wüstenrot, haben die Darlehenszinsen bereits das obere Limit erreicht.

Ursache des rapiden Anstiegs ist die globale Finanzkrise. Sie hat die Referenzzinsen, an denen sich die variablen Darlehenszinsen orientieren, in die Höhe getrieben. Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Erich Hackl, seit Juli neuer Generaldirektor der ABV: „Es kann künftig nur noch billiger werden.“ Das gilt zumindest für ABV und Wüstenrot. Bei s Bausparkasse und Raiffeisen ist noch eine kleine Erhöhung möglich."

Optisch niedrige Zinsen, doch andere Berechnung
Wichtig bei einem Vergleich der Konditionen ist, die tatsächlichen Daten zu prüfen. Bausparkassen werben gerne mit optisch niedrigeren Zinsen, als dann in der Realität anfallen. So werden die Zwischendarlehenszinsen für die ersten 18 Monate nicht für einen Darlehensbetrag von beispielweise 100.000 Euro berechnet, sondern für bis zu 150.000 Euro, weil man als Kunde noch zusätzlich fiktive Eigenmittel aufnehmen muss, die das Zwischendarlehen erhöhen. Außerdem rechnen manche Kassen in der Darlehensphase nicht mit dem vollen Zinssatz hoch, der momentan bei laufenden Verträgen angewandt wird.

Lebhafte Nachfrage
Bei allen Kassen sind noch neue Darlehen verfügbar, es besteht vorläufig keine Gefahr, dass die Wartezeiten wie in den Siebzigerjahren für neue Darlehen von 18 auf 60 Monate und mehr verlängert werden. Das ist auch eine Folge der rückläufigen Kreditnachfrage wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Raiffeisen-Bauspar-General Rainbacher: „Der große Boom im privaten Wohnbau im Jahr 2007 hat sich heuer merklich abgeschwächt.“

Trotzdem hätten die Kassen gerne mehr Mittel zur Verfügung – und fordern deshalb eine Erhöhung der prämienbegünstigten Spar-Obergrenze von derzeit 1.000 Euro im Jahr auf 1.200 Euro. ABV-Chef Hackl: „Die Erhöhung würde nur die Inflation der vergangenen Jahre ausgleichen.“ Erste Gespräche verliefen positiv, durch die Neuwahlen ist jetzt der politische Entscheidungsprozess gestoppt.

40 Euro Prämie auch für 2009
Heuer bekommt man eine staatliche Prämie von vier Prozent, also bei 1.000 Euro Einzahlung 40 Euro. Auch im nächsten Jahr wird die Prämie nach so gut wie sicherer Prognose konstant bleiben. Dazu kommen die Zinsen, die sich je nach Tarif deutlich unterscheiden. Wer jetzt einen variablen Zinssatz wählt, wird im ersten Jahr mit bis zu 4,5 Prozent geködert. Anschließend orientieren sich die Zinsen am allgemeinen Zinsniveau. Mehr Sicherheit geben Fixzinsen. So bekommt man zum Beispiel beim Relax-Tarif von Raiffeisen vier Prozent fix auf sechs Jahre, wenn man sofort 6.000 Euro einzahlt.

Wer einen bestehenden Vertrag mit variablen Zinsen besitzt, kann sich im nächsten Jahr auf eine Zinserhöhung einstellen. So könnten die Zinsen bei der s Bausparkasse von heuer 3,5 Prozent ab 1. Jänner auf etwa vier Prozent steigen, auch bei Raiffeisen sind nach jetzigem Stand vier Prozent oder sogar noch ein bisschen mehr möglich.

Den gesamten Bericht lesen Sie im aktuellen FORMAT 35/2008

31.8.2008 07:18