Wechsel-Kurs in der Nationalbank: Erstmals
übernimmt ein Sozialdemokrat die Führung
- FORMAT: Ewald Nowotny löst Klaus Liebscher ab
- Wie der Gouverneur die Notenbank umkrempeln will

Heute endet die Ära Klaus Liebscher, der seit 1995 das OeNB-Regiment führte. Erstmals in der Geschichte wird die Notenbank von einem Sozialdemokraten geführt. Tatsächlich hat sich Nowotny einiges vorgenommen: Er will die volkswirtschaftliche Kompetenz ausbauen, die Bilanz restrukturieren und sogar eine Entpolitisierung bei der Postenbesetzung durchsetzen.
Die Nationalbank beschäftigt mehr als 920 Mitarbeiter. Knapp ein Zehntel davon kümmert sich um Analyse, Forschung und Entwicklung in den Bereichen Volks- und Finanzwirtschaft. Diesen Geschäftsbereich will Nowotny deutlich aufwerten. Heikler mutet da schon die dringend notwendige Restrukturierung der OeNB-Bilanz an. Im Vorjahr verbuchte die Nationalbank trotz Risikovorsorgen von 407 Millionen Euro noch einen Vorsteuergewinn von 247 Millionen Euro. Heuer droht hingegen ein regelrechtes Debakel: Erstmals könnte das operative Ergebnis ins Minus rutschen. Vize-Gouverneur Wolfgang Duchatczek: Sollte der Dollarkurs auf unter 1,60 fallen, dann könnte das Jahresergebnis ins Negative gehen.
Pensions- und Frauenthema
Stets kritisiert der Rechnungshof die hohen Altersbezüge für langdienende Nationalbanker. Im Vorjahr flossen laut OeNB-Geschäftsbericht 18,3 Millionen Euro in die Pensionsreserve. Mit dem Betriebsrat will Nowotny in den nächsten Wochen eine Reform der Altverträge verhandeln. Am liebsten wäre ihm eine Streichung der 80-Prozent-Zusage, was beim mächtigen OeNB-Betriebsrat unter Martina Gerharter wohl nicht durchzubringen ist. Nowotnys Light-Variante: eine Einschleifregelung bei den Pensionserhöhungen.
Bei Pensionsfragen hart, gibt sich Nowotny beim Frauenthema butterweich: Sein erklärtes Ziel ist die Erhöhung der Frauenquote. Die ist viel zu niedrig, weiß Nowotny. Künftig wird er bei allen Ausschreibungen eine spezielle Begründung einfordern, wieso eine Bewerberin nicht zum Zug gekommen ist quasi eine Beweislastumkehr. Erstmals getestet wird die neue Personaldoktrin bei der Besetzung des Bankenaufsichtschefs, da der bisherige Amtsträger Andreas Ittner mit 1. September ins OeNB-Direktorium wechselt.
Neue Handschrift in der OeNB
Die Staffelübergabe vom distanziert wirkenden Liebscher zum stets kontaktfreudigen Nowotny wird von heimischen Wirtschaftsforschern positiv aufgenommen. Nowotnys Parteifreund und WIFO-Konjunkturexperte Markus Marterbauer: Was ihn auszeichnet, ist, dass er sehr viel Erfahrung mit dem Wechselspiel zwischen Inflation, Konjunktur und Arbeitslosigkeit hat. Bei ihm kann man darauf vertrauen, dass er keines der Ziele der Wirtschaftspolitik einseitig gegenüber anderen in den Vordergrund rückt.
Den gesamten Bericht lesen Sie im neuen FORMAT 35/2008

