McCain holt sich Frau an Bord: Alaskas Gouverneurin Palin wird Vize-Kandidatin
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Der republikanische Präsidentschaftsbewerber John McCain hat überraschend die Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, als seine Kandidatin für das Vize-Präsidentenamt nominiert. Palin sei eine "zähe Regierungschefin" und habe während ihrer Amtszeit bereits gezeigt, dass sie bereit wäre, Präsidentin zu sein, erklärte McCain. Die 44-Jährige ist die jüngste Gouverneurin und zudem die erste Frau, die das Amt als Regierungschefin von Alaska innehat. Bei der Präsidentschaftswahl am 4. November tritt McCain gegen den Demokraten Barack Obama an, der mit dem Senator Joseph Biden als "running mate" ins Rennen um das Weiße Haus zieht.
Palin sei "genau das, was ich brauche. Sie ist exakt das, was dieses Land braucht im Kampf gegen die immergleiche Politik in Washington, die das Ich an die erste Stelle setzt und das Land an die zweite", sagte McCain.
Palin erklärte bei dem Auftritt in Ohio, einem der wahlentscheidenden Staaten, sie fühle sich geehrt. "Es gibt nur einen Kandidaten, der wirklich für Amerika gekämpft hat, und das ist John McCain", sagte sie an der Seite des strahlenden Präsidentschaftskandidaten. Der Senator war Soldat in Vietnam und über fünf Jahre lang Kriegsgefangener.
Überraschung geglückt
Mit der Nominierung der fast 30 Jahre jüngeren Palin landete McCain an seinem 72. Geburtstag eine Überraschung. Die 44-Jährige Palin war erst im Laufe des Tages in den Mittelpunkt der Spekulationen gerückt, nachdem ein Privatflugzeug aus Alaska nahe Dayton gelandet war. Zuvor waren ausschließlich Männer als mögliche "running mates" des Republikaners gehandelt worden, darunter der frühere Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, der Ex-Gouverneur in Pennsylvania, Tom Ridge, sowie der frühere Demokrat Joe Lieberman.
Palin ist zudem in der US-Politik relativ unbekannt und verfügt über keinerlei Erfahrung auf nationaler Ebene. Bevor sie im Dezember 2006 den Posten als Gouverneurin des ölreichen US-Bundesstaates Alaska übernahm, war sie von 1996 bis 2002 Bürgermeisterin der Stadt Wasilla in dem im Norden des USA gelegenen Bundesstaat.
Mutter eines Soldaten
In seiner Erklärung betonte McCain die Erfahrung seiner Kandidatin in verschiedenen Bereichen. Als Verantwortliche der Nationalgarde und als Mutter eines Soldaten wisse Palin, "was nötig ist, unsere Nation zu führen und sie versteht die Wichtigkeit, unsere Truppen zu unterstützen", erklärte der Republikaner. McCain stellte zudem die Erfahrungen Palins in der Energiepolitik heraus. Ebenso wie McCain setzt sich Palin für die Förderung von Erdöl in einem Naturschutzgebiet in Alaska ein. Zudem fordert die Gouverneurin den Bau einer Erdgaspipeline durch ihren Staat.
Die verheiratete Palin gilt als Vertreterin des konservativen Parteiflügels. Sie geht in ihrer Freizeit zum Fischen sowie auf die Jagd und ist Mitglied des US-Schusswaffenverbandes NRA. Zudem ist die fünffache Mutter als strikte Abtreibungsgegnerin bekannt. Die studierte Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin machte sich parteiintern einen Namen als Kämpferin gegen Korruption.
Im Falle einer Wahl McCains zum US-Präsidenten wäre Palin die erste Frau auf dem Posten des Vizepräsidenten in der US-Geschichte. Am Montag beginnt in St. Paul im US-Bundesstaat Minnesota der Parteitag der Republikaner, auf dem McCain offiziell als Kandidat seiner Partei nominiert werden soll.
Kritik von Demokraten
Die US-Demokraten haben die Ernennung Palins scharf kritisiert. Vertreter des Wahlkampfteams von Barack Obama bezeichneten die 44-jährige als Kandidatin "mit der dürftigsten außenpolitischen Erfahrung in der Geschichte".
Der demokratische Senator Charles Schumer sagte, Palins mangelnde Erfahrung mache den Gedanken, dass sie im Notfall Präsidentin werden würde, "beängstigend". Ein Sprecher aus dem Lager des demokratischen Kandidaten Obama sagte der Washington Post: "John McCain hat die ehemalige Bürgermeisterin einer Stadt von gerade mal 9.000 Einwohnern mit keinerlei außenpolitischer Erfahrung einen Pulsschlag vom Präsidentenamt entfernt platziert."
(apa/red)
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