Schwer erkrankter Senator Kennedy: So rührte er am Parteitag Teilnehmer zu Tränen
- Nicht geplanter Auftritt mit emotionalen Reaktionen
- Er sieht Obama als politischen Erbe der Kennedys

Dieser Moment gehörte einzig und allein ihm, dem verehrten Patriarchen der Demokratischen Partei. Ganz still wird es im Saal, die Scheinwerfer richten sich auf das Rednerpult, dann tritt US-Senator Edward Kennedy auf die Bühne des Wahlparteitags in Denver. Ein bewegender Moment: Der schwer kranke 76-Jährige gibt der Partei sein Vermächtnis mit und setzt den jungen Kandidaten Barack Obama zum politischen Erben der Kennedy-Dynastie ein.
Ein Hauch von Abschied wehte durch die Halle - und die Hoffnung auf einen neuen Aufbruch mit Obama, der nun mit dem Segen des Clan-Oberhaupts als "schwarzer Kennedy" das Banner von Amerikas Schicksalsfamilie weitertragen kann.
Schwere Erkrankung des Senators
Es steht nicht gut um Edward "Ted" Kennedy, den Delegierten blieb es nicht verborgen. Im Mai wurde bei ihm ein Gehirntumor entdeckt, es folgten Operation und Chemotherapie. Die einstmals donnernde Stimme ist geschwächt, die Schritte sind zaghaft, und doch gab der Politikveteran ein Versprechen ab: "Ich gelobe: Im Jänner werde ich dabei sein." Dann wird der neue Präsident vereidigt, es könnte Barack Obama sein. Die Delegierten würdigen den Durchhaltewillen des Senators mit lauten "Teddy"-Rufen, längst sind sie aus ihren Sitzen aufgesprungen. Nach der kurzen Ansprache will Kennedys Bad in der Menge kaum enden, seine Nichte Caroline stützt ihn helfend unterm Arm.
Manchen Delegierten treibt Kennedys Ansprache die Tränen in die Augen. "Es war ein außerordentlich bewegender Auftritt", sagt die Delegierte Arlene Miller aus New Jersey hinterher. "Senator Kennedy ist ein Sinnbild des Dienstes am Gemeinwohl, er wird uns furchtbar fehlen." Mit der Regelung der politischen Erbfolge durch den Patriarchen ist Miller vollauf zufrieden: "Obama hat definitiv das Potenzial, ein neuer Kennedy zu werden."
Aufbäumen gegen die Krankheit
Ein Auftritt Kennedys war eigentlich nicht im Programm vorgesehen, zu zerbrechlich schien seine Gesundheit. Doch der alte Kämpfer bäumt sich auf gegen seine Krankheit. "Nichts konnte mich davon abhalten, heute Abend bei diesem besonderen Treffen dabeizusein", sagt er. Den Mythos der Familie Kennedy reicht er an Obama weiter: "In diesem November wird die Fackel an eine neue Generation übergeben", sagt Kennedy, und deren Träger sei Barack Obama. "Das Werk beginnt von Neuem, die Hoffnung wächst, der Traum lebt fort."
Kennedy und Obama - nach dem Willen der Parteitagsregisseure sollen die beiden Namen im Gedächtnis der Wähler eine Einheit bilden. Auf der riesigen Leinwand ziehen vor den Zuschauern Szenen aus Edward Kennedys Leben vorbei. Alte Fotos zeigen seine Brüder John F. Kennedy und Robert Kennedy, die Amerikas Hoffnung verkörperten und durch die Hand von Mördern starben. Obama und die Kennedys haben eigentlich wenig gemein. Der Sohn eines Kenianers und einer Amerikanerin wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, die patrizischen Kennedys sind so etwas wie der inoffizielle amerikanische Adel. Doch beide Namen, Kennedy und Obama, stehen für das große politische Gefühl.
Parallele zwischen Obama und Kennedy
Genau dieses Gefühl spricht John F. Kennedys Tochter Caroline vor den Delegierten an, als sie die direkte Parallele zwischen Obama und dem ermordeten Präsidenten zieht. "Nie zuvor habe ich jemanden getroffen, der mich so sehr inspiriert hat, wie mein Vater andere inspirierte", sagt sie, und fügt hinzu: "Jetzt endlich habe ich es." Die 50-Jährige erinnert daran, dass auch ihr Vater zunächst für zu idealistisch gehalten wurde. "Führungspersönlichkeiten sind selten", sagt sie. "Nur ein, zwei Mal im Leben kommen sie tatsächlich, wenn man sie braucht." Einer war John F. Kennedy, der 1963 ermordete 35. Präsident der USA. Der andere ist Obama.
Der Parteitag liegt den Kennedys zu Füßen. Manchen Delegierten geht das Spektakel in Denver freilich etwas zu weit, sie fürchten eine Vereinnahmung Obamas. "Obama ist nicht Kennedy", sagt der afroamerikanische Delegierte Felton Thomas aus Colorado. "Obama ist Obama, er verkörpert etwas Neues." (apa/red)
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