Montag, 1. September 2008

Bleibt New Orleans von 'Gustav' verschont?
Dämme halten dem Hurrikan bis jetzt stand

  • Tropensturm wütet in Louisiana 'nur' mit der Stärke 1
  • Naturkatastrophe forderte bisher 95 Menschenleben
    30 Österreicher sind in der US-Metropole registriert

Mit weniger tödlicher Wucht als befürchtet ist der Hurrikan "Gustav" im Herzen der Fisch- und Ölindustrie des US-Staats Louisiana auf Land getroffen. Der Wirbelsturm schleuderte mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 180 Stundenkilometern Wassermassen gegen die Dämme des Industriekanals in New Orleans. Das Heerespionierkorps zeigte sich zuversichtlich, dass die Dämme halten. Meteorologen hatten zuvor "Gustav" auf einen Hurrikan der Kategorie 1 herabgestuft - erwartet wurde der Hurrikan mit einer mörderischen Stärke der Kategorie 4.

30 Österreicher sind in der vom Hurrikan "Gustav" bedrohten Stadt New Orleans registriert. Es dürften sich aber mehr Österreicher in dem Gebiet aufhalten. Bis jetzt haben sich keine besorgten Angehörigen hilfesuchend an das Außenministerium gewandt, sagte Peter Launsky-Tieffenthal, Sprecher des österreichischen Außenministeriums zur APA.

Für Entwarnung zu früh
US-Präsident George W. Bush sagte in Austin im benachbarten Texas, für eine Entwarnung sei es noch zu früh. "Dieser Sturm muss noch vorbeiziehen", erklärte Bush, der eine Rede auf dem Nominierungsparteitag seiner Partei in St. Paul absagte, um in Texas nahe den Einsatzzentralen zu sein. "Das ist ein ernstes Ereignis." Bush lobte sowohl den Staatsgrenzen übergreifenden Einsatz des Katastrophenschutzes als auch die Bereitschaft der Bevölkerung in den gefährdeten Gebieten, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen. Dies sei besser gelaufen als vor drei Jahren bei der "Katrina"-Katastrophe.

Nach Angaben des Nationalen Hurrikan-Zentrums in Miami traf "Gustav" rund 110 Kilometer von New Orleans entfernt nahe der Ortschaft Cocodrie, dem Zentrum der Öl- und Fischindustrie des Staates, auf Land. Zuerst war befürchtet worden, dass der Sturm ähnlich stark wie "Katrina" im Jahr 2005 hätte ausfallen können, der als Hurrikan der Stufe 4 große Teile von New Orleans überflutete.

Damals waren die Wellen 7,60 Meter hoch. Diesmal wurde eine Flut von gut vier Metern erwartet. Die US-Katastrophenschutzbehörde FEMA ging zunächst nicht davon aus, dass es eine ähnliche Zahl von Todesfällen wie 2005 geben würde. Damals kamen etwa 1.600 Menschen ums Leben. Allerdings stelle man sich auf eine hohe Zahl von beschädigten Häusern sowie überfluteten und zerstörten Straßen ein. In jedem Fall stünden genügend Nahrungsmittel, Wasser, Eis und andere Vorräte für eine Million Betroffene in den kommenden drei Tagen bereit, sagte FEMA-Vizedirektor Harvey Johnson.

"Geisterstadt" New Orleans
Laut FEMA blieben rund 10.000 Menschen in New Orleans, insgesamt an der Küste waren es nach Angaben des Staates rund 100.000. Die Evakuierung von insgesamt fast zwei Millionen Menschen war die größte Aktion dieser Art in dem US-Staat überhaupt.

In New Orleans war jeder verfügbare Polizist im Einsatz, die Beamten hielten Ausschau nach Plünderern. Notrufe blieben nach Angaben der Polizei zunächst allerdings aus.

Bisher 95 Todesopfer
Auf seinem Verwüstungszug durch die Karibik kostete "Gustav" bisher 95 Menschen das Leben. In Kuba, wo der Hurrikan auf Land traf, wurden rund 86.000 Häuser völlig zerstört und tausende weitere beschädigt. Berichte über Tote lagen nicht vor.

Betroffen von "Gustav" war auch die Erdölproduktion im Golf von Mexiko. Die Förderung von Öl wurde um 96 Prozent zurückgefahren, die von Erdgas um 82 Prozent. Die Kapazität der Raffinerien wurde um etwa 15 Prozent gesenkt. Weil der Hurrikan anders als zunächst vermutet nicht an Stärke zulegte, ging der Ölpreis leicht zurück. (apa/red)

1.9.2008 21:55