Sonntag, 31. August 2008

Schwere Vorwürfe gegen Georgien: Tiflis soll Militärschlag intensiv vorbereitet haben

  • OSZE-Sprecher Nesirky wies Magazin-Bericht zurück
  • Berlin und Warschau wollen gemeinsam vorgehen

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) hat nach einem "Spiegel"-Bericht schwere Vorwürfe gegen die georgische Regierung für deren Vorgehen im bewaffneten Konflikt gegen Russland erhoben. OSZE-Sprecher Martin Nesirky wies den Bericht allerdings zurück.

Die Beobachtermission in Georgien erstelle regelmäßig Berichte, die "transparent, vorurteilsfrei und unabhängig" verfasst seien, teilte Nesirky mit. Diese würden über offizielle "diplomatische Kanäle" an alle 56 Teilnehmerstaaten weitergeleitet, darunter auch Russland und Georgien. "Keiner dieser Berichte enthält Informationen der Art, wie sie in dem Bericht des 'Spiegel' vorkommen", erklärte der Sprecher weiter.

Georgien habe den Militärschlag gegen die abtrünnige Provinz Südossetien intensiv vorbereitet und seinen Angriff begonnen, bevor russische Panzer den Roki-Tunnel nach Südossetien befuhren, berichtete das Nachrichtenmagazin im Voraus aus seiner neuen Ausgabe. Der "Spiegel" beruft sich dabei auf Berichte von OSZE-Militärbeobachtern, die auf "informellen Kanälen" an verschiedene Regierungsstellen in Berlin gelangt seien.

In den Texten sei auch von möglichen georgischen Kriegsverbrechen die Rede, heißt es in dem "Spiegel"-Bericht weiter. Demnach berichteten OSZE-Beobachter davon, dass die georgische Führung die südossetischen Zivilisten im Schlaf habe angreifen lassen.

Berlin und Warschau wollen gemeinsam vorgehen
Die deutsche Bundeskanzlerin Merkel und Polens Präsident Kaczynski haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen beim EU-Sondergipfel zur Krise in Georgien verständigt, der morgen in Brüssel stattfindet. Merkel und Kaczynski hätten sich telefonisch auf einen Plan geeinigt, der einen Ausweg aus der Krise ebnen solle, hieß es. Der frühere deutsche Außenminister Genscher hat sich dagegen ausgesprochen, wegen des Kaukasus-Konflikts Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Sanktionen seien eine Sackgasse, warnte Genscher.

(apa/red)

31.8.2008 13:16