Der Meister und sein Lehrling im TV-Duell:
Haider und Strache kämpfen ums Publikum
- Der news.at-Kommentar zur ersten Fernseh-Debatte
- Über politische und rhetorische Unterschiede im Duell

Der Lehrling trat gegen seinen eigenen Meister an. Das TV-Duell H.-C. Strache gegen Jörg Haider lebte vom Charisma seiner Geschichte. Haider hatte der FPÖ nach 1986 deutlich seinen Stempel aufgedrückt und die Partei von einem Wahlerfolg zum nächsten geführt. Strache ist nach Knittelfeld angetreten, die FPÖ wieder auf den rechten Weg zurück zu führen. Das Fernsehpublikum erwartete eine Schlammschlacht vor laufender Kamera. Diese ist auf weite Strecken ausgeblieben. Der Lehrbub konnte sich zwar profilieren, doch letztendlich blieb der Eindruck eines gemaßregelten Schülers zurück. Der Meister hingegen ging seiner ursprünglichen Rolle verlustig.
Der anfängliche Umarmungsversuch von Landeshauptmann Haider kam nicht überraschend. Schon im Vorfeld bemühte er sich in einigen Avancen um die Wiedervereinigung des dritten Lagers. Diese Annäherungsversuche wurden von der FPÖ jedoch wirsch abgeschmettert. So auch dieses Mal im ORF-Studio: Das vertrauliche Du-Wort an Heinz-Christian wurde gleich zu Beginn ausgeschlagen. Die Erinnerung an das gemeinsame Sektglas konnte dem keine Abhilfe schaffen. Eine Geste, die zwar die politische Differenz unterstrich, persönlich aber wohl eher Strache schaden könnte.
Oppositionspolitik
Obwohl die Moderation immer wieder auf die politische Übereinstimung pochte, offenbarte sich die Differenz nicht nur in der Form der Anrede. Strache attackierte gleich zu Beginn die Regierungsbeteiligung der damaligen FPÖ, die Haider ausverhandelt hatte. Mit dem Vorwurf des Verrats versuchte Strache mit dem zu punkten, was die FPÖ ausmacht: harsche Oppositionspolitik.
Umso überraschender war die Reaktion Haiders. Er versuchte Strache nicht einfach in den Forderungen an die noch bestehende Regierung zu übertrumpfen. Er verwies vielmehr auf seine vorgeblichen Leistungen in der Kärntner Landesregierung. Eine staatsmännische Ader, die bei Haider durchschimmert: "Sie können nur reden, ich habe etwas erreicht." Diese ungewohnte Rolle Haiders wurde vom Fernsehpublikum goutiert. So kürten die User auf news.at in einer Umfrage Haider mit deutlichem Vorsprung zum Sieger in dem Duell gegen Strache.
Rhetorische Schwerfälligkeit
In der rhetorischen Analyse blieb Strache zudem weit hinter Haider zurück. Der Gelassenheit und betonten Akzentsetzung des Herrn Landeshauptmann stand eine Schwerfälligkeit gegenüber, die durch das hohe Redetempo nur unzureichend überdeckt werden konnten. Strache hat möglicherweise die Kunst der Opposition von seinem Meister gelernt, die Kunst der Rhetorik hat er weniger intensiv studiert.
Ob Haider mit seinen Kärntner Leistungen bei den Nationalratswahlen punkten wird, bleibt abzuwarten. Was der Meister bis zur zweifelhaften Perfektion verfeinert hat war die Kunst der Oppositionspolitik. Eine Disziplin, die sein Schüler Strache weiterführte. Ein staatsmännischer Ton jedoch stört die Harmonielehre dieser Kunst.
(Sebastian Baryli)
