Sommerferien sind vorbei: 470.000 Kinder müssen ab jetzt wieder Schulbank drücken
- Das neue Jahr beginnt mit zahlreichen Neuerungen
- Modellversuch "Neue Mittelschule" geht an den Start

·"Neue Mittelschulen"
starten in Österreich
Der Unterricht orientiert
sich am Leistungsniveau
·Grafikübersicht: Die Standorte der Schulen
Rund 3.700 Schüler, 67
Standorte & 167 Klassen
·Zahlen, Daten und
Fakten über die NMS
Geplante Modellregionen
für das Schuljahr 2008/09
·Wichtige Termine im kommenden Schuljahr
Schulautonome Tage und
verlängertes Wochenende
·Grafikübersicht: Die
Schultermine 2008/09
Alle Ferien und Feiertage
zusammengefasst
Für rund 470.000 Kinder in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland hat die Schule wieder begonnen. In den übrigen Bundesländern ist ist erst am 8. September, Schulbeginn. Fast 35.000 Kinder werden in Ostösterreich überhaupt zum ersten Mal die Schulbank drücken. Das sind 7,3 Prozent weniger als noch vor zehn Jahren.
Das neue Schuljahr kann mit zahlreichen Neuerungen aufwarten: In fünf Bundesländern starten erstmals die Modellversuche zur "Neuen Mittelschule. An 67 Schulstandorten werden 167 Klassen diesen neuen Schultyp beginnen. Für die rund 3.700 Zehnjährigen, die sich für diese Schulform angemeldet haben bedeutet dies, dass sie sich nicht gleich nach der Volksschule für den weiteren Bildungsweg, also zwischen AHS und Hauptschule, entscheiden mussten, sondern erst im Alter von 14 Jahren. Allerdings handelt es sich bei der "Neuen Mittelschule" um keine Gesamtschule, AHS und Hauptschulen laufen in den betreffenden Regionen parallel weiter.
Mittelschule Neu
Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat stellvertretend für die insgesamt 67 Standorte des Modellversuchs die "Neue Mittelschule" in Mattersburg (Burgenland) eröffnet. Als großes Ziel dieses "ambitionierten Projekts" nannte Schmied, "das österreichische Bildungssystem ein Stück chancengerechter zu gestalten". Denn der Bildungserfolg der Kinder sei noch immer vom finanziellen Status und Herkunft der Eltern abhängig. Ihr Ziel sei es, im Schuljahr 2009/10 Modellversuche in allen Bundesländern anzubieten, in der darauf folgenden Legislaturperiode könnte sie sich vorstellen, dass ein Bundesland komplett auf diese neue Schulform umstellt und damit statt Hauptschule und AHS-Unterstufe nur mehr die "Neue Mittelschule" angeboten wird.
Für die "Neue Mittelschule" gilt der Lehrplan der AHS-Unterstufe, pädagogisch wird auf "Individualisierung" und "Differenzierung" Wert gelegt. Das bedeutet, dass sich der Unterricht am individuellen Leistungsniveau der Schüler orientiert. Zudem soll in flexiblen Kleingruppen unterrichtet sowie Themen fächerübergreifend, projektorientiert und in offenen Lernformen erarbeitet werden. Mit dem neuen Schuljahr tritt die zweite Etappe der Senkung der Klassenschülerzahlen in Kraft. Dann wird nicht nur in den ersten, sondern auch in den zweiten Klassen Volksschule, Hauptschule, Polytechnische Schule und AHS-Unterstufe der Richtwert 25 gelten. Dieser Wert kann aber um 20 Prozent - also auf maximal 30 Kinder pro Klasse - überschritten werden.
Kleinere Klassen und Gruppen
In Folge der Senkung der Klassenschülerzahl soll an höheren Schulen auch die Gruppengröße - vor allem im Fremdsprachenunterricht - reduziert werden. Dazu werden die Teilungszahlen gesenkt, die regeln, ab welcher Schülerzahl eine Klasse in bestimmten Gegenständen in kleinere Gruppen geteilt wird. Die Maßnahme greift in der AHS-Unterstufe in lebenden Fremdsprachen und Latein sowie in den ersten Klassen von berufsbildenden mittleren und höheren Schulen sowie an Oberstufenrealgymnasien in Mathematik und einem schulautonom festzulegenden Pflichtgegenstand.
Ausbau der Sprachförderung
Kinder, die bei Sprach-Screenings im Kindergarten die deutsche Sprache noch nicht gut beherrschten, sollten ein Jahr vor dem Schuleintritt ab Herbst ein Kindergartenjahr mit speziellen Förderungen absolvieren. Diese Förderung gilt als "verpflichtend", wer sein Kind trotz Sprachdefiziten nicht in den Kindergarten schickt, wird allerdings nicht bestraft. Bei wie vielen Kindern Sprachdefizite festgestellt wurden, ist laut Unterrichtsministerium noch nicht klar. Außerdem sollen die bis zum Ende dieses Schuljahres befristeten Sprachförderkurse für außerordentliche Schüler in der Volksschule fortgeführt und auf Haupt- und Polytechnische Schule ausgeweitet werden.
Lehre mit Matura
In einer Pilotphase können Lehrlinge im Schuljahr 2008/09 parallel zur Lehre kostenfrei die Matura absolvieren. Mit dem Projekt "Lehre mit Matura" soll die Attraktivität der schon seit zehn Jahren bestehenden Berufsreifeprüfung erhöht werden. Bisher musste man bis nach der Lehre warten und für Vorbereitungskurse zahlen. Künftig kann man drei von vier Teilprüfungen bereits während der Lehre ablegen, zur ersten Teilprüfung schon vor dem 17. Geburtstag antreten. Wie bisher darf die letzte Teilprüfung aber erst nach dem 19. Geburtstag absolviert werden. Der Bund übernimmt die Kosten für Vorbereitungskurse von bis zu 6.000 Euro pro Lehrling.
Wer wählen will braucht politische Bildung
Schüler der achten Schulstufe (vierte Klasse AHS oder Hauptschule) lernen erstmals nicht nur Geschichte, sondern "Geschichte und politische Bildung". Die Umbenennung des Fachs ist vor dem Hintergrund der Senkung des Wahlalters mit einer inhaltlichen Neuausrichtung verbunden. Angewandte politische Bildung können viele Schüler höherer Schulen dann am 28. September praktizieren, wenn sie ab einem Alter von 16 Jahren erstmals an einer Nationalratswahl teilnehmen dürfen.
(apa/red)
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