"Damit man nichts mehr spürt": Jugendliche
konsumieren exzessiver, nicht öfter Drogen
- Selbstaggression unter Jungen ist größer geworden
- Grund: Erhöhte Risikobereitschaft der Gesellschaft

·Legale Drogen sind tödlicher als illegale
Alkohol und Medikamente
fordern viel mehr Opfer
Die Zahl der jugendlichen Wiener Drogenkonsumenten steigt nicht dramatisch - diejenigen, die konsumieren, tun dies jedoch exzessiver. Dies ist eine der Erkenntnisse, die Wiens Drogenkoordinator Michael Dressel aus einer aktuellen, europaweiten Studie zieht: "Die Selbstaggression ist größer geworden." Drogen würden vermehrt nicht konsumiert, um etwas zu spüren, sondern, um nichts mehr zu spüren, so Dressel.
Ein Grund sei vermutlich in einer generell erhöhten Risikobereitschaft der Gesellschaft zu suchen, was sich auch am Trend zu gefährlichen Sportarten zeige. Allgemein liege Österreich beim Konsum jedenfalls im europaweiten Schnitt. "Es zeigt sich, dass es in den vergangenen Jahren keine dramatischen Veränderungen gegeben hat", unterstrich Dressel, auch wenn man in einigen Bereichen leichte Anstiege zu verzeichnen habe.
34 % haben Cannabis probiert
Laut dem Eurobarometer hätten 34 Prozent der 15- bis 29-Jährigen zumindest einmal Cannabis probiert - mit leicht steigender Tendenz. Auch der Konsum von Naturprodukten wie Pilzen und Pflanzen nehme im einstelligen Prozentbereich zu: "Es ist noch nicht dramatisch, aber hier müssen wir sicherlich aufpassen." Ebenso sei beim Kokain ein leichter Zuwachs zu verzeichnen.
20 Prozent der Jugendlichen trinkt regelmäßig
Interessant sei die Situation bei der Frage des vieldiskutierten "Komasaufens" bei Teenagern . Während 27 Prozent der Gesamtbevölkerung regelmäßig trinke, seien dies bei Jugendlichen lediglich 20 Prozent. Allerdings ist in den vergangenen Jahren das Einstiegsalter von 15 auf 13,4 Jahre gesunken. Zugleich sei die Einlieferungen von alkoholisierten Jugendlichen in die Wiener Krankenhäuser nicht gestiegen. Ein genereller Trend sei, dass Mädchen bei der Frage der Konsumhäufigkeit und -intensität gleichzögen. "Das zieht sich durch alle Substanzen", erklärte Dressel.
Die kontinuierliche Erhebung fundierter Daten sei zentral in der Diskussion um Drogen, denn "immer wenn es um Kinder und Jugendliche geht, greift ein gewisser Alarmismus Platz." Ein Ergebnis des aktuellen Eurobarometers sei aber, dass der Zugang zu illegalen Drogen in Österreich als vergleichsweise schwierig eingeschätzt wird.
Zugleich sei der angstfreie Zugang zu den Präventionseinrichtungen für Jugendliche von immenser Bedeutung. Auf Wiener Ebene zeige sich, dass die zentrale Rolle bei der Information von Jugendlichen im Drogenbereich der Freundeskreis spiele, gefolgt vom Internet, weshalb man hier in Zukunft das eigene Engagement verstärken wolle, kündigte Dressel an.
(apa/red)
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