Mittwoch, 20. August 2008

Annette Dasch: "Sex? Oper ist besser!"

  • Über Erotik, Selbstzweifel und Sehnsüchte

Merkwürdig: Die „Kaisersuite“ im Radisson Altstadt-Hotel, gleich hinter der touristendurchfluteten Salzburger Getreidegasse, erinnert mit ihren knorrigen Holzverstrebungen und der kalkweißen Dachschräge entfernt an eine spanische Finca.

NEWS: Frau Dasch, Sie beschrieben einmal in einem Essay Ihren Alptraum, wo hinaufzuklettern und nicht mehr hinunterzukommen: Ist das die Angst der Diva vor dem Absturz?
Dasch: Eher umgekehrt, vielleicht verbirgt sich dahinter
die Sorge, die Bodenhaftung zu verlieren. Ich brauche dringend Erdung, brauche das Gefühl, dass es außer der Corporate Identity Dasch auch noch die normale Annette gibt.

NEWS: Weil die in einem Busi­ness, in der Opernstars das Image von Popstars haben, keinen Platz mehr hat?
Dasch: Ich habe ja Gott sei Dank kein Popstar-Image. Mich erkennen die Leute im Kaufhaus oder am Flughafen nicht. Diese Aufmerksamkeit gönne ich jedem von Herzen, doch vermissen tue ich sie überhaupt nicht.

NEWS: Aber hat mit Anna Netrebko nicht ein neues weibliches Selbstbewusstsein in der Oper Einzug gehalten, von dem auch Sie profitieren?
Dasch: Das glaube ich nicht, das gab es schon vorher. Es gab ja schon immer attraktive Opern­sängerinnen, die ganz bewusst ihre Körperlichkeit eingesetzt haben und dafür mit großer Anerkennung belohnt wurden.

NEWS: Durch TV-Übertragungen und Quotendruck werden in Ihrem Job Äußerlichkeiten immer wichtiger. Stört es Sie, dass Sie viele als Sexobjekt betrachten?
Dasch: Ist das denn so? Ich trete ja nicht mit Strapsen, High Heels und Peitsche auf. Natürlich, Erotik ist als Spielart der Kunst nicht wegzudenken. Wie man an diesen Fotos hier sieht, bekenne ich mich ausnahmsweise sogar dazu. Aber Opernproduktionen, die aus reiner Spekulation die Sex-Karte ausspielen, interessieren mich nicht. Wer meint, durch vordergründig sexy gestaltetes Bühnengeschehen ein jüngeres oder breiter gefächertes Pu­blikum zu gewinnen, der irrt gewaltig. Geil allein ist kein ­Inhalt.

NEWS: Dennoch gibt es viele ­Herren, die Ihnen eher mit den Augen zuhören.
Dasch: Klar sind mir die lieber, bei denen sich durch die tieferen Inhalte einer Oper mehr öffnet als der Hosenstall. Aber letztendlich ist Oper ja auch Teil der Unterhaltungsbranche – und selbst die, die einem auf den Busen starren, bekommen durch die Hintertüre noch so viel echte Kunst mitgeliefert, dass es besser ist, sie gehen hin, weil ich ihnen gefalle, als gar nicht.

NEWS: Wie viel Knistern steckt hinter Ihren erotischen Bühnen­szenen tatsächlich?
Dasch: Haben Sie den neuen Salzburger „Don Giovanni“ gesehen? Wenn Sie ein Knistern gespürt haben, haben wir die Szene glaubhaft dargestellt.

NEWS: Wie geht Ihr Lebenspartner mit dieser Glaubhaftigkeit um?
Dasch: Das müssten Sie ihn (Seriendarsteller Christoph Kottenkamp, 37, „Rote Rosen“, Anm.) schon selber fragen. Ich persönlich finde es manchmal ein bisschen komisch, ihn im Fernsehen mit einer anderen Frau knutschen zu sehen.

NEWS: Ist das für eine Beziehung nicht eine gefährliche Gratwanderung, wenn jederzeit mehr als geplant passieren kann?
Dasch: Klar, das kann eine Gefahr sein. Und wenn man sich tatsächlich verknallt, muss man in einer Partnerschaft dafür ganz klare Regeln haben.

NEWS: Welche?
Dasch: Na Treue! Am besten ist immer die Flucht nach vorne. Ein wunderbarer Kollege, er ­liiert, ich liiert, der kam und sagte: „Weißt du was, Annette, ich würde mit dir wahnsinnig gerne was anfangen – und jetzt, wo ich’s gesagt habe, hoffe ich, dass es nicht dazu kommt.“ Man muss einfach klug sein.

NEWS: Die große Bühne, der Beifall – ist das ein Kick, nach dem man süchtig wird?
Dasch: Ja, man kann süchtig ­werden – aber auch ganz große Angst kriegen. Doch das sind die beiden Extreme. In der Mitte ist die Lust und die Freude an der Hingabe.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin!

20.8.2008 16:17