Mittwoch, 20. August 2008

Ingrid Thurnher: "Ich wähle ungültig!"

  • Der ORF-Star im Gespräch mit NEWS

Viele ZuseherInnen, so hat Ingrid Thurnher schon zu hören bekommen, erwarten bereits für das erst­e „Duell“ am Freitag zwischen Jörg Haider (BZÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) den Höhepunkt der TV-Debatten. Entsprechend gut vorbereitet geht die ORF-Moderatorin an den Start.

Immerhin, so zeigt die NEWS-market-Umfrage (Seite 22), wollen drei Viertel der Befragten mindes­tens eine TV-Debatte verfolgen. Thurnher selbst wird jedoch keine Entscheidung treffen, offenbart sie im NEWS-­Interview: „Ich gebe einen un­gültigen Stimmzettel ab.“

NEWS: Trotz aller Erfahrung als Moderatorin: Sind Sie nervös, wenn das erste TV-Duell startet?
Thurnher: Nervös ist das falsche Wort, ich weiß ja, wie es das letzte Mal war, es gab die intensive Vorbereitung, und jetzt will ich „aus den Startlöchern“. Was soll schon passieren? Es geht ja nicht ums Leben.

NEWS: Wie haben Sie sich vorbereitet?
Thurnher: Das vierköpfige Team und ich, wir haben überlegt: Was wird das für ein Wahlkampf, welches Thema spielt eine Rolle und so weiter. Ich habe mir alle Konfrontationen der letzten Wahl zweimal nacheinander angeschaut. Das war „Hardcore“, aber es hatte auch einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Und ich habe Verbesserungspotenzial gefunden. Auch aufseiten der Politiker, wo man genau den Punkt merkt, wo der Plan, den sie hatten, in sich zusammenbricht und entweder die Emotion oder der Widerstand sie übermannt und das stärker wird als alle Disziplin und jeder Plan. Das ist aus der zeitlichen und inhaltlichen Dis­tanz schon interessant.

NEWS: Was ist diesmal anders?
Thurnher: Ich habe den Verdacht, dass sich alle davor hüten, ganz konkrete Wahlversprechen zu machen, für die man nachher zur Verantwortung gezogen wird, wenn sie nicht hundertprozentig umgesetzt werden können. Es könnte ein Wahlkampf mit sehr allgemeinen Ansagen werden.

NEWS: Das wäre doch schlecht, weil die WählerInnen schließlich wissen wollen, wofür sie eine Partei wählen sollen.
Thurnher: Andererseits: Wenn die Wahlversprechen nicht plakatiert werden, müssen wir gerade in den Konfrontationen versuchen, die Parteichefs und Spitzenkandidaten auf etwas Konkretes festzunageln. Wenn einander zwei Kontrahenten gegenübersitzen, die sich zum Teil hochschaukeln in dem, was sie tun wollen oder nicht, dann ist es für sie gar nicht mehr so einfach, sich nicht festzulegen.

NEWS: Wir hören von Politik- oder Politikerverdrossenheit – und doch ist das Interesse an ­Information und TV-Debatten groß. Ein Widerspruch?
Thurnher: Die Leute sind verdrossen, wenn sie hören und sehen, es geht nichts weiter, die streiten nur. Aber in einer Vorwahlzeit, noch dazu, wenn sie so komprimiert ist und so viele unentschlossen sind, sind die Leute bereit, sich das anzu­hö­ren. Ich möchte die Trennlinien bei Themen klarmachen, aber, und das ist ebenso spannend, die Gemeinsamkeiten herausfiltern. Das wird wichtig, wenn die Koalitionsmöglichkeiten offen sind.

NEWS: Die Forschung sagt, dass im Fernsehen zu 70 Prozent
die Optik zählt und zu weiteren 20 Prozent Körpersprache und Stimmlage. Deprimiert Sie das nicht ein bisschen?
Thurnher: Ich glaube, dass es schon etwas ausmacht, wie jemand seine Ideen vertritt, mit welcher Wortwahl, mit welchem Enthusiasmus, ob er na­türlich wirkt. Ich habe ja nach zwei oder fünf Minuten die Optik sozusagen konsumiert, und dann kann man sich auf die Inhalte konzentrieren.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 34/2008!

20.8.2008 15:18