Mittwoch, 20. August 2008

Der Wahl-Krimi um das Weiße Haus

  • Hugo Portisch analysiert McCain und Obama

Wer gewinnt? Für NEWS analysiert Hugo Portisch die Ausgangslage der US-Wahlen.

Die Zeit arbeitet gegen Barack Obama. Sein komfortabler Vorsprung gegenüber John McCain schmilzt mit jeder Woche. Just zum Start der heißen Wahlkampfphase gehen jetzt alle Meinungsforscher von einem sehr knappen Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem 47-jäh­rigen Demokraten und dem – bald – 72-jährigen Republikaner aus. Noch zeigt eine ak­tuelle Analyse der Umfrage in einzelnen Bundesstaaten (siehe Grafik unten) einen bequemen Vorteil für die demokratische Partei. Und um die Abstimmungen für die Wahlmänner
in den einzelnen Staaten – so wie hier hochgerechnet wurde – geht es schlussendlich. Doch so wie bei US-weiten Befragungen rücken auch in vielen heiß umkämpften Staaten die Werte McCains immer näher an jene Obamas. Werden alle US-Bürger befragt, trennen die beiden derzeit drei Prozentpunkte. Doch dieser Wert liegt bereits innerhalb der sta­tistischen Schwankungsbreite. Kurz: Wer am 4. November zum nächsten US-Präsidenten gekürt wird, ist völlig offen.

Großauftritt in Denver. Am 24. August wird mit dem demokratischen Parteikonvent in Denver, Colorado, die entscheidende Phase der Wahlauseinandersetzungen eingeläutet. Am 28. August wird Barack Obama aus dem Veranstaltungsgebäude hinaus ins Invesco Sports Stadium treten und dort vor wahrscheinlich 80.000 Fans in einer Rede die offizielle Annahme seiner Rolle als Kandidat zelebrieren. Es ist der Jahrestag der legendären Rede Martin Luther Kings, die mit den Wort begann: „I have a dream …“ – Ich habe einen Traum.

Vertreter aller ethnischen Gruppen der USA sollen in der penibel orchestrierten Show die Kulisse bilden, flankiert von spektakulären Wildwestromantik-Aufnahmen, die in Montana gedreht wurden. Unter dem Motto „Eine ameri­kanische Reise“ sollen dazu auch Holly­woodgrößen wie Ben Affleck und Scarlett Johansson auftreten. Bei dieser mit Spannung ­erwarteten Rede kann Barack Obama zum zweiten Mal unter Beweis stellen, dass er trotz – oder gerade wegen – seiner kurzen Erfahrung im politischen Leben das Zeug zur Nummer eins hat. Nach Hillary Clinton muss er nun John McCain schlagen. Nur, in den vergan­genen Wochen stockte der ­Motor des Charismatikers. In Europa umjubelt, geriet er in den USA ins beginnende Kreuzfeuer der Kritik. Zuletzt musste er seine vehemente Ablehnung von Ölförderprogrammen direkt in Küs­tennähe langsam aufweichen, als Umfragen zeigten, dass zwei Drittel der Amerikaner diese sehr stark befürworteten.

Laut den Meinungsforschern des Umfrageinstituts Rasmussen Reports dürfte gerade dieser Punkt maßgeblich dazu beigetragen haben, dass John McCain derzeit so massiv zulegt. Anders als Obama befürwortet der Republikaner dediziert die neuen Ölbohrungen. Und auch die Krise zwischen Georgien und Russland, die viele Amerikaner rasant ins Zeitalter des Kalten Kriegs zurückversetzte, sorgte für frischen Wind in den Segeln des Vietnam-Kriegsveteranen.

Die ganze Story lesen Sie im aktuellen NEWS-Magazin 34/2008!

20.8.2008 15:23