Mittwoch, 20. August 2008

"Wir haben nicht um die Toten geweint..."

  • Töchter des Vierfach- mörders sprechen

Exklusiv. In NEWS sprechen nun die Töchter des Vierfachmörders Josef Branis – über ihren Vater, seine Wahnsinnstat, seine Motive und das ‚Leben danach‘.

"Er hat vier Menschen umgebracht“, sagt Sonja leise und blickt auf den Boden. Als ob sie dort eine Erklärung für die Wahnsinnstat finden könnte, die ihr Vater vor nicht einmal acht Wochen begangen hat: Josef Branis, 66 Jahre alt, soll am 1. Juli 2008 seine Schwester Anna, Bruder Franz und deren Ehepartner erschossen haben.

NEWS trifft Sonja, ihre ­beiden Schwestern Karin und Tina in einem Garten in Strass­hof, wenige hundert Meter von den Tatorten entfernt. Gekommen ist auch Stiefschwester Barbara. Sie und ihre Schwes­tern, sie alle wollen jetzt reden – über den Papa.

NEWS: Wann haben Sie Ihren Vater zuletzt gesehen?
Karin: Das letzte Mal haben wir ihn am Sonntag vor der Tat gesehen. Er hat mit unseren Kindern, seinen Enkeln, gespielt …

NEWS: Hätten Sie sich damals gedacht, dass so eine Tat möglich wäre, gab es irgendwelche Vorzeichen?
Sonja: Ich kann doch bis heute nicht glauben, dass er vier Menschen getötet haben soll.
Barbara: Für mich ist das auch unvorstellbar. Er hat mich immer wie eine leibliche Tochter behandelt …
Karin: Na ja, er hat mir in den letzten Monaten gesagt, dass er einen riesigen Zorn auf Tante Anni und seinen Bruder hat.

NEWS: Warum Zorn? Was war vorgefallen?
Tina: Die haben immer geschimpft über ihn, kein gutes Haar an ihm gelassen.
Karin: Er hat zwei Drohbriefe bekommen. Darin stand, dass publik gemacht werden soll, dass er seine Augenkrankheit nur spiele und er ein Kinderschänder sei.

NEWS: Das Gerücht, Ihr Vater sei ein Kinderschänder, hält sich hartnäckig …
Karin: Das ist absoluter, völliger Unsinn. Total abwegig. Er war ein wunderbarer Vater, wir haben als Kinder mit ihm die tolls­ten Partys feiern können … (Sonja, Barbara und Tina stimmen heftig nickend zu.)
Sonja: Nur gegen Lügen hat er was gehabt. Er hat uns immer eingeredet, er muss nur auf ­unsere Nase greifen und spürt dann sofort, wenn wir gelogen haben – dann sei die Nase nämlich weich. Ich habe sehr lange an das geglaubt.

NEWS: Ihr Vater soll vier Menschen getötet haben …
Sonja: Ich kann das alles nicht glauben, das ist ein Alptraum. Ich war immer überzeugt, dass er niemand etwas zuleide tun könnte …

NEWS: Wie erklären Sie sich dann die Tat?
Sonja: Ich weiß nur, dass unser Vater eine Aussprache mit Tante Anni und den anderen wollte. Aber die haben ihm nicht einmal die Tür aufgemacht, als er angeläutet hat.

Das ganze Interview finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin 34/2008

20.8.2008 15:48