Sonntag, 24. August 2008

Mikrokredit statt Getreide: Nur Selbsthilfe
ermöglicht auch den wirtschaftlichen Erfolg

  • FORMAT: 70 Mrd. Euro jährlich für Entwicklungshilfe
  • Armutsbekämpfung durch wirtschaftliche Strukturen

Insgesamt 320 Projekte in Afrika, Asien und Lateinamerika unterstützt die Caritas mit ihrer laufenden Augustsammlung. Die Kamele, die es den Nomaden erlauben, aus eigener Kraft zu wirtschaften, symbolisieren die Richtung, die heimische Entwicklungshilfe nehmen soll: Hilfe zur Selbsthilfe, Armutsbekämpfung durch Schaffung wirtschaftlicher Strukturen.

Im letzten Jahr flossen weltweit rund 70 Milliarden Euro an offiziellen Entwicklungshilfegeldern. "Jedes Geberland legt sich auf einzelne Schwerpunkte fest und investiert hier in einen konkreten Bereich wie etwa die Wasserversorgung", heißt es seitens der ADA. Einen Anteil von 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens will die Bundesregierung bis 2015 jährlich für Entwicklungshilfeleistungen ausgeben. Derzeit halten wir bei 0,49 Prozent: im Vorjahr 1,3 Milliarden Euro, von denen 40 Prozent nach Afrika flossen.

Nachhaltiger Nutzen
Doch die romantische Vorstellung, dass Österreich jährlich um siebenstellige Beträge Gewerbebetriebe in Afrika finanziert, Brunnen und Schulen baut, ist ein Trugschluss. Rund 50 Prozent der offiziellen Entwicklungshilfe entfallen auf Schuldenerlässe. Weitere große Posten sind Beiträge zur UNO, zu internationalen Finanzinstitutionen wie der Weltbank und zur Europäischen Union. Von der ADA werden lediglich rund acht Prozent der Gesamtsumme in Form von bilateralen Projekten abgewickelt. Dazu kommen die Mittel, die Organisationen wie die Caritas zur Verfügung stellen. Die sollen vor allem nachhaltigen Nutzen bringen.

Vorsorge statt Nothilfe
Getreideausgaben, wie sie derzeit von der Caritas in Südäthiopien organisiert werden, retten Leben, doch Nothilfe ist immer nur die letzte Möglichkeit. "Notfälle entstehen nicht plötzlich", sagt Abba Hayos, Generalsekretär der äthiopischen Caritas, "Nahrungsmittelsicherheit muss durch langfristige Strategien und Prävention gewährt werden." Vorsorge kommt letztlich auch wesentlich billiger. Im nordkenianischen Siedlungsgebiet werden von der Caritas Brunnen errichtet, die das nur sporadisch fallende Regenwasser auffangen. Die Errichtung eines Brunnens kostet 16.000 Euro. Doch ohne Brunnen beginnen die Preise zu explodieren: Auf mehr als 9.000 Euro beläuft sich eine einzige Brunnenfüllung, wenn Wasser aus der nächstgelegenen Oase herangeschafft werden muss.

Mikrokredite statt Almosen
Es macht mehr Sinn, Afrikanern Mikrokredite für den Kauf von Grund und Boden oder die Gründung des eigenen Geschäfts zur Verfügung zu stellen, als sie um Getreiderationen anstehen zu lassen. Das ist nicht nur aus wirtschaftlicher Sicht effizienter, spart langfristig Kosten und führt im Idealfall dazu, Entwicklungshilfeleistungen irgendwann einmal einstellen zu können. Werden die Betroffenen in die Lage versetzt, auf eigenen Beinen stehen zu können, hilft das den Menschen auch, ihre Würde zu wahren. Es vermittelt Hoffnung und Stolz - und führt dazu, dass mehr Eigeninitiative entwickelt wird. Franz Küberl, Präsident der Caritas Österreich: "Die Menschen wollen selbst etwas zustande bringen."

Den gesamten Bericht lesen Sie im aktuellen FORMAT 34/2008

24.8.2008 07:09