Montag, 25. August 2008

Säulen des Pensionssystems wackeln: Die
Performance der Kassen ist bereits im Keller

  • FORMAT: Firmenrenten werden 2009 massiv gekürzt
  • Finanzkrise und Anleihenkurse im negativen Bereich

Weil private Pensionskassen 2007 nicht mehr als durchschnittlich zwei Prozent Ertrag erwirtschaftet haben, wurden heuer 9.000 Pensionisten - rund einem Fünftel aller Bezieher von Betriebsrenten - die Ruhebezüge um drei bis sieben Prozent gekürzt. Die viel gepriesene zweite Säule des Rentensystems, die eigentlich die staatlichen Alterspensionen ergänzen und stützen sollte, wackelt gewaltig.

Schlimm genug, aber verglichen mit dem, was nach jetzigem Stand im laufenden Jahr zu erwarten ist, dürften die Einschnitte im kommenden Jänner noch weit schmerzlicher ausfallen. Wegen der Finanzkrise liegen Aktien weit unter Wasser, außerdem bewegen sich auch die Anleihenkurse im negativen Bereich. Die Halbjahresergebnisse der Kassen lassen Böses erahnen: Der Unternehmensberatung Mercer zufolge haben die Kassen aktuell spürbare Verluste von durchschnittlich 4,5 Prozent eingefahren.

Es geht zweistellig abwärts
Viele Unternehmen haben die Ansprüche von Mitarbeitern auf Betriebspensionen schon vor Jahren an Pensionskassen ausgelagert - die in ihrer Performance von den Kapitalmärkten abhängig sind. Ändert sich an den momentanen Verlusten bis Jahresende nichts, lassen sich Kürzungen für 2009 leicht berechnen. Je nach Vertrag müssen Kassen 3,5 bis 6,5 Prozent Jahresertrag, den Rechnungszins, erwirtschaften, um die Pensionen in versprochener Höhe auszahlen zu können.

Ist es weniger, werden die Pensionen gekürzt. Bei minus 4,5 Prozent Jahresertrag und beispielsweise 5,5 Prozent Rechnungszins verliert der Ruheständler in Summe zehn Prozent. An sich haben die Kassen für solche Fälle Rücklagen gebildet. "Aber", sagt Mercer-Expertin Michaela Plank, "diese Schwankungsrückstellungen sind seit dem schwachen Jahr 2007 in den meisten Fällen bereits aufgezehrt." Kürzungen werden daher im kommenden Jahr auch tausenden Rentenempfängern ins Haus stehen, die heuer noch kaum betroffen waren.

International gesehen stehen Kassen gut da
Wolfgang Böhm, Obmann des Fachverbandes und Chef der Pensionskasse APK, sieht die Lage naturgemäß weniger tragisch. "Im internationalen Vergleich stehen unsere Kassen gut da", sagt Böhm, "außerdem sollte man immer die langfristige Ertragsperspektive im Blick haben." In der Tat: Die Durchschnittsrendite liegt seit Anfang der 90er bei 6,8 Prozent. An sich nicht schlecht, aber trotzdem nur knapp über den Rechnungszinsen.

Arbesser hat sich die Mühe gemacht, in verschiedenen Szenarien nachzurechnen, wie viel von den Bezügen eines typischen Firmenpensionisten im Jahr 2025 noch übrig sein wird. Seit dem Jahr 2000 hat dieser bereits 30 Prozent verloren. Bei einer künftigen Durchschnittsrendite von 3,3 Prozent jährlich werden 2025 insgesamt 70 Prozent seiner ursprünglichen Zusatzpension verschwunden sein, bei fünf Prozent Rendite sind in 17 Jahren 58 Prozent weg.

Nachschusspflicht aus Eigenkapital
Auf herbe Einbußen müssen sich aber nicht nur die Bezieher von Betriebspensionen gefasst machen, sondern auch die Kassen selbst. Rund ein Fünftel aller ihrer Verträge hat eine Mindestertragsgarantie inkludiert. Die besagt: Falls die Kassen über einen Fünfjahreszeitraum nicht rund 7,5 Prozent Gesamtertrag erzielen, droht ihnen eine Nachschusspflicht aus dem Eigenkapital. Wenn sich die Börsen nicht rechtzeitig erholen, könnte dieser Fall ab 2011 eintreten. Und dann geht es für jene, die das Geld für die Betriebspensionen managen, wirklich ans Eingemachte.

Den gesamten Bericht lesen Sie im aktuellen FORMAT 34/2008

25.8.2008 07:48