ÖBB-Chef Klugar fährt massiven Sparkurs:
Müssen Angestellte um ihre Jobs fürchten?
- Geringe Verkaufserlöse als Handlungsgrund
- Um zehn Prozent mehr Passagiere im Nahverkehr

Peter Klugar, seit drei Monaten ÖBB-Vorstandschef, lässt die Staatsbahnen einen Sparkurs fahren, um im laufenden Jahr operativ über die Nulllinie zu kommen. Den Gesellschaften wurde ein Ergebnisverbesserungsprogramm verordnet, mit dem auch Personalkosten gespart werden sollen, sagte Klugar.
Die hohen Benzinpreise bescheren der Bahn zwar deutlich mehr Kunden, Abschreibungen und weniger Verkaufserlöse bringen das Management aber unter Handlungsdruck. Keine Einschätzung will Klugar über den Wert der Portfolio Credit Default Swaps (PCDS) machen, in die das Unternehmen 2006 ursprünglich 613 Mio. Euro gesteckt hat. Exklusive der Wertpapiere, die bisher um mehr als 200 Mio. Euro wertberichtigt wurden, wollen die ÖBB heuer "deutlich positiv bilanzieren", so Klugar. Die Erlöse aus Immobilienverkäufen werden heuer um 30 bis 40 Mio. Euro geringer ausfallen als 2007.
10 Prozent mehr im Nahverkehr
Im Nahverkehr haben die ÖBB heuer um etwa 10 Prozent mehr Passagiere befördert, ein kleineres Plus gibt es auch im Fernverkehr. "Der Güterverkehr läuft an und für sich gut, ist aber von der wirtschaftlichen Großwetterlage auch nicht unabhängig."
Keine großflächigen Kündigungen
Spürbar, aber nicht dramatisch werden nach Darstellung Klugars die Auswirkungen des Ergebnisverbesserungsprogramms für das Personal ausfallen. Die Neuaufnahme soll restriktiver werden. Mit dem Betriebsrat wird um mehr Flexibilität verhandelt. "Ich war vor kurzem bei unseren Bus-Leuten. Plakativ gesprochen, wollen wir die Position von jedem, der nicht zur Hauptverkehrszeit hinter dem Lenkrad sitzt, hinterfragen." Es werde aber keine großflächigen Kündigungen oder neue Golden Handshakes geben, um Leute zum freiwilligen Abgang zu bewegen, beruhigt Klugar.
Kritik von Haberzettl
Heftige Kritik übt der ÖBB-Konzernbetriebsratsvorsitzende Wilhelm Haberzettl am von Klugar angekündigten Sparkurs, der zulasten des Personals gefahren werden solle. Dieser zeuge von der offensichtlichen Hilflosigkeit des ÖBB-Managements und sei ein Konfrontationskurs gegenüber der Belegschaftsvertretung, so Haberzettl.
(apa/red)
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