10.000 Lehrstellen in Österreich zu wenig: Angebot und Nachfrage sind nicht "stimmig"
- Kritik des AMS: Jugendliche teilweise zu unflexibel
- Im Osten Österreichs fehlen am meisten Plätze
Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres fehlen noch immer 10.000 Lehrstellen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Arbeitmarktservice (AMS). Die Gründe liegen laut AMS darin, dass die Anforderungen der Wirtschaft und die Wünsche der Lehrstellensuchenden oft nicht zusammenpassen. So würden sich beispielsweise 50 Prozent der Mädchen auf drei Lehrberufe konzentrieren, hieß es im ORF-Radio.
Laut den Zahlen des AMS haben Ende Juli exakt 9.083 Jugendliche einen Ausbildungsplatz gesucht. Dazu kämen noch 5.312 Jugendliche in Schulungen, berichtete das Ö1-Morgenjournal. 3.994 Lehrstellen wären sofort verfügbar. Die Lücke macht also 10.401 Stellen aus.
Wer ist schuld?
Florian Zuckerstätter von der Gewerkschaftsjugend sah den Grund im Ö1-Bericht vor allem bei der Wirtschaft. Wirtschaft und Industrie würden zwar Facharbeiter suchen, seien aber nicht bereit, diese auszubilden. AMS-Chef Johannes Kopf sieht das Probelm darin, dass die Anforderungen der Wirtschaft und die Wünsche und Möglichkeiten der Lehrstellensuchenden oft nicht zusammenpassen.
Unflexibel
So gebe es etwa in Westösterreich mehr Lehrstellen als nötig, in Ostösterreich dagegen zu wenig. Die Jugendlichen sollten sich auch genauer über Berufsmöglichkeiten informieren, sagte Kopf: So würden sich 50 Prozent der Mädchen auf drei Lehrberufe konzentrieren ( Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Friseurin). Jeder Dritte Bub möchte Kfz-Mechaniker werden. Großen Lehrstellenüberschuss gibt es hingegen im Fremdenverkehr oder bei den Berufen Restaurantfachmann und Koch.
Das AMS betonte, dass alle Jugendlichen einen Ausbildungsplatz bekommen können, wenn auch nicht unbedingt einen Lehrplatz - diese bezahle das AMS. Außerdem würde die Zahl der Lehrstellen seit dem Jahr 2005 steigen - teils durch die gute Konjunktur, teils durch Förderungen.
Aus der Politik gab es Lösungsvorschläge für die Misere. So forderte Arbeiterkammer-Chef Tumpel die Umsetzung des zwischen Sozialpartnern und Regierung ausgehandelten Jugendbeschäftigungspakets. Burgenlands Landeshauptmann Niessl will eine Bevorzugung von Unternehmen, die Lehrlinge ausbilden, bei ausschreibungspflichtigen Aufträgen.
(apa/red)
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