Steuer-Milliarden landen im Niemandsland: Laufen über die 72 Steueroasen weltweit
- 1/3 Direktinvestionen über "diskrete Finanzzentren"
- Reiche bunkern in etwa 11.500 Mrd. steuerschonend
·Krankenkassen steht Wasser bis zum Hals
286 Millionen Euro Defizit für Jahr 2008 erwartet
·Ende für Steueroase Liechtenstein in Sicht?
Fürstentum will mit EU in Steuerfrage kooperienen

In den weltweit derzeit 72 Steueroasen verschwinden jedes Jahr Milliarden Dollar, die sich die Staaten an Steuern entgehen lassen. Rund die Hälfte der Kreditvergabe internationaler Banken und ein Drittel der ausländischen Direktinvestitionen (FDI) gehen steuerschonend über die diskreten Finanzzentren in der Karibik, auf den Kanalinseln - oder Mitteleuropa. Die Reichen und Superreichen haben Vermögen in Höhe von 11,5 Billionen (11.500 Milliarden) Dollar in den Steueroasen gebunkert und entkommen damit pro Jahr der Zahlung von 250 Mrd. Dollar. Mit diesen Zahlen wartete John Christensen von der Non profit-Organisation Tax Justice Network International in London in Alpbach auf.
Nach Darstellung des gelernten Entwicklungsökonomen, der 14 Jahre lang als Berater der in Jersey gearbeitet hat, werden die Steueroasen bei den Firmen und den Superreichen ("Plutokratie") exponenziell populärer. Als Beleg dafür führt er die offiziellen Bankeinlagen in Jersey an, die sich in den letzten zehn Jahren auf etwa 200 Mrd. englische Pfund verdoppelt haben. Weil ein großer Teil der hoch kreditfinanzierten Finanzvehikel (SPV) in den "secrecy juridictions" geparkt seien, macht Christensen die laxe Aufsicht in den Offshore-Zentren für die aktuelle Finanzkrise mitverantwortlich. Nach einer Modellrechnung wird von einem Kilo mittelamerikanischer Bananen im Produzenten- und Importlandland zusammen weniger als ein Prozent versteuert, mehr als 50 Prozent gehen an der Steuer vorbei an Firmen in diversen Steueroasen.
Globalisierte Finanzmärkte
"Steueroasen sind ein zentraler Bestandteil der globalisierten Finanzmärkte", sagte Christensen. Die Cayman Islands und Liechtenstein fungierten als "Stalliten von Finanzzentren wie New York, London und Zürich." Das steuerschonende Treiben von Multis und Superreichen sei seit 50 Jahren bekannt. Warum die Regulierungsbehörden der Finanzzentren nicht ernsthaft dagegen einschreiten, erklärte Christensen nicht.
(apa/red)
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