Pekinger "Water Cube" erlebte Revolution:
Schwimmsport hob sich in neue Dimension
- 25 Weltrekorde bei Olympischen Spielen verzeichnet
- US-Star Michael Phelps erreichte wohl Einzigartiges

Die olympischen Bewerbe im Pekinger "Water Cube" haben den Schwimmsport in eine neue Dimension gehoben. Hatte sich bei vergangenen Spielen die Anzahl der Welt- und Kontinental-Rekorde in Grenzen gehalten, explodierten die Leistungen in Peking 2008. 25 Weltrekorde auf einen Großteil der Distanzen verteilt sind Zeugnis dafür, dass im Schwimmen ab sofort neue Maßstäbe angesetzt werden müssen - und das nicht nur wegen Michael Phelps.
Aber natürlich war das US-Ass die erscheinende Erleuchtung der Wettkämpfe im National Aquatics Center, ja dieser Olympischen Spiele insgesamt. Acht Goldmedaillen bei einem Olympia-Meeting werden vielleicht nie mehr wieder von einem einzelnen Athleten gewonnen werden, vermutlich auch nicht von Phelps selbst. An den neun Wettkampftagen musste im hochmodernen Wettkampfstadion alles zusammenspielen, damit das klappte.
Phelps' Blindflug zu Gold
Die speziellen Momente wie das den USA den nicht mehr erwarteten Sieg bringende unglaubliche Finish von Jason Lezak in der 4-x-100-m-Kraulstaffel oder der auf den letzten Zentimetern von Phelps über 100 m Delfin fixierte Triumph werden in die Schwimm-Geschichtsbücher eingehen. Auch von Phelps' Blindflug bei seinem Weltrekordsieg über 200 m Delfin wegen seiner mit Wasser gefüllten Schwimmbrille wird man sich noch lange erzählen.
Das vom 23-Jährigen angeführte US-Team dominierte die Herren-Distanzen in beeindruckender Art. Außer dem Achtfach-Triumph von Phelps haben auch noch Aaron Peirsol und Ryan Lochte über die Rückenstrecken zugeschlagen. Für das bei den Damen tonangebende Australien fiel bei den Herren gar kein Titel ab, die Titelbanken Eamon Sullivan in den Kraul-Sprints und Grant Hackett im Kraul-Marathon über 1.500 m fielen um.
Hackett 2012 nicht mehr dabei
Hackett blieb es mit Silber wie Pieter van den Hoogenband mit Rang fünf über 100 m Kraul versagt, als erster männlicher Schwimmer der Olympia-Geschichte auf einer Strecke zum dritten Mal en suite zu gewinnen. Während der Niederländer unmittelbar nach dem Rennen seinen Rücktritt bekanntgab, wird Hackett weitermachen. Doch spekuliert er mit einem Wechsel zum "Open Water" und schließt eine Teilnahme in London 2012 aus.
Dass neben dem erneuten Brustlagen-Doppelschlag von Kosuke Kitajima unter den restlichen vier Gold-Ländern bei den Herren neben Frankreich und Südkorea auch Brasilien und Tunesien sind, ist ein Zeichen, dass frühere Mitschwimm-Nationen bestimmende Rollen übernommen habe. 21 Länder klassierten sich bei insgesamt 32 Entscheidungen auf dem Podest, wobei mit 31 von 98 vergebenen Medaillen fast ein Drittel an die USA ging.
Österreich mit großem Erfolg
Unter den dekorierten Nationen ist dank Bronze durch Mirna Jukic über 100 m Brust auch Österreich. Als kleines, finanziell und infrastrukturell bei weitem nicht so gut wie Schwimm-Großnationen ausgestattetes Land ist das ein großer Erfolg. Dazu kommen auch noch zwei vierte Ränge und insgesamt zehn Top-16-Plätze. Dennoch wird angesichts der Leistungsentwicklung darauf zu achten sein, den Anschluss zu halten bzw. nicht zu verlieren.
Anderen, höher eingeschätzten Nationen erging es nicht so gut. Die Schweden um Stefan Nystrand und Therese Alshammar gingen leer aus und die Deutschen kamen mit einem blauen Auge davon. Zwar überstrahlt Doppel-Kraul-Gold von Britta Steffen derzeit alles, aber dahinter war außer bei Paul Biedermann und mit Abstrichen Helge Meeuw nichts bis gar nichts los. Platzierungen jenseits der Top 20 wie früher für Österreich waren eher die Regel.
Adidas' "Knebelvertrag"
Da mag auch mitgespielt haben, dass die Deutschen quasi verpflichtet waren, in adidas-Anzügen anzutreten. Nur durch eine hohe Pönale hätten sie sich freikaufen können. Zwar kam Steffen optimal damit zurecht, viele andere DSV-Athleten aber offenbar nicht. Die meisten anderen Nationen machten die Tests diverser Ganzkörperanzüge zu einer neuen Disziplin, wobei mit dem LZR Racer von Speedo wie vermutet am meisten Siege erschwommen wurden.
Die neuen Anzüge haben ihren Teil zur Leistungsexplosion beigetragen. Dazu kommen neue Trainingsmethoden und immer besser austrainierte Athleten. Das in Summe machte die Revolution aus, auch wenn Semifinali und Endläufe ungewohnt am Vormittag geschwommen wurden. Die Aktiven hatten diesen Umstand akzeptiert, es gab kein böses Wort mehr darüber. 2012 gibt es wieder Abend-Finali, allein das ist ein Grund für neue Höhenflüge. (apa/red)