"Schande, Schmach und Demontage":
Brasilien hadert mit Out gegen Argentinien
- Dunga nach "Schande von Peking" unter Beschuss
- Sogar Staatspräsident "war nie so wütend wie heute"

"Schande, Schmach, Demontage" - nach der Erniedrigung durch den Erzrivalen Argentinien prasselte auf Brasiliens Olympia-Fußballer um den entzauberten Kapitän Ronaldinho in der Heimat die heftigste Kritik seit Jahren nieder. Ins Visier der Experten, Anhänger und Medien geriet dabei der ohnehin umstrittene Teamchef Carlos Dunga, der nach der "Schande von Peking" noch mehr unter Beschuss geraten ist.
Sogar der volksnahe Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva meckerte nach dem 0:3 (0:0) gegen den Olympiasieger, das er live in seinem Amtsbüro verfolgt hatte. "Ich war in meinem Leben noch nie so wütend wie heute", übermittelten Parteikollegen die Worte des Präsidenten, der damit tausenden fassungslosen Fußball-Fans aus dem Herzen sprach.
"Mannschaft ist ins tiefste Dunkel gestürzt"
"Die Mannschaft ist ins tiefste Dunkel gestürzt. Man darf verlieren, aber nicht so. Viele Spieler haben am Ende den Kopf verloren und wild um sich geschlagen", schimpfte Ex-Nationalspieler Falcao. Lucas (81.) und Thiago Neves (85.) sahen "Rot" nach üblen Frust-Fouls - der gedemütigte Ronaldinho jammerte kleinlaut: "Es ist ein großer Schmerz, für den ich keine Erklärung habe."
Dabei war der Grund für das Versagen ganz einfach: Der Rekord-Weltmeister agierte ängstlich gegen die "Gauchos", die nun gegen Nigeria in einer Neuauflage des Endspiels von Atlanta 1996 um Gold kämpfen. Die Argentinier haben den Titel 2004 im Athen, die Afrikaner 1996 in Atlanta gewonnen, während Brasilien zumindest noch vier weitere Jahre auf den ersten Olympia-Coup warten muss.
Argentiniens "magisches Dreieck" entzückte
Das "magische Dreieck" mit Wirbelwind Lionel Messi, dem zweifachen Torschützen Sergio Aguero sowie Kapitän und Elfmeterschütze Roman Riquelme versetzte die fast 53.000 Zuschauer in Entzücken, hingegen boten Ronaldinho, Diego und Co. armseligen Standfußball. Selbst Argentiniens Ex-Star Diego Maradona befand als Zuschauer: "Ich habe Brasilien schon lange nicht mehr so schwach und defensiv gesehen. Niemand hat Ronaldinho geholfen."
Dunga hatte das böse Echo vom Zuckerhut schon geahnt. "Natürlich wird der Druck größer werden und es wird Zweifel an mir als Trainer geben", sagte er in den Katakomben des Arbeiterstadions. Trotzig und fast schon provozierend fügte der ehemalige Profi hinzu: "Ich werde meinen Plan nicht ändern." Dungas Kollege Sergio Batista hatte leicht lachen. "Wir haben ein großes Spiel gezeigt, unser Lektion gegen Brasilien gelernt, gewartet und sind nicht blind gestürmt", resümierte Argentiniens Teamchef.
Seit drei Jahren haben die Brasilianer nicht mehr gegen Argentinien verloren - aus dem ersten Fußball-Gold im Zeichen der Ringe wurde jetzt nur Bronze. Im Spiel um Platz drei gewann man gegen Belgien souverän mit 3:0. (apa/red)