Bei Brückner darf es auch mal "retro" sein:
Bezeichnet sich als "Trainer alter Schule"
- Neo-Teamchef ist kein Fan von Pressekonferenzen
- "Mannschaft im Mittelpunkt, nicht das Rundherum"

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Mit dem Begriff "Old School" bezeichnet man laut Internet-Lexikon Wikipedia "alte Dinge, die trotzdem oder gerade in der aktuellen Zeit noch angebracht beziehungsweise im Trend sind". Vor diesem Hintergrund scheint es wenig verwunderlich, dass sich Österreichs neuer Teamchef Karel Brückner laut Eigendefinition als "Trainer der alten Schule" sieht - der Tscheche gilt trotz seiner 68 Jahre in ganz Europa als anerkannter Fußball-Fachmann.
Ein bisschen "Retro" darf es bei Brückner schon sein. Von Trainingssteuerung, die auf regelmäßig vorgenommenen medizinischen Untersuchungen basiert, hält der frühere tschechische Nationalcoach ebenso herzlich wenig wie von intensiver sportpsychologischer Betreuung. Viel lieber vertieft er sich ins DVD-Studium oder tüftelt tagelang an einer wirkungsvollen taktischen Ausrichtung seines Teams.
Kein Fan von Pressekonferenzen
Die immer fordernder werdende Medienlandschaft passt Brückner da nicht in den Kram. So beklagte er etwa bei der Team-Zusammenkunft, er hätte schon 25 Pressekonferenzen gegeben, aber noch kein Training geleitet. "Das Medieninteresse wird immer größer. Ich weiß, das gehört dazu, aber wenn möglich teile ich diese Arbeit gerne mit Andreas Herzog und Jan Kocian", sagt der Tscheche und steht damit im Gegensatz zu seinem Vorgänger Josef Hickersberger, dem das Frage-Antwort-Spiel mit Journalisten zumindest phasenweise Spaß machte.
Brückner kann für die Bedürfnisse der Informationsgesellschaft weit weniger Verständnis aufbringen: "Ich will mich nicht in diese hektische Medienlandschaft stürzen. Für mich steht die Mannschaft im Mittelpunkt, nicht das Rundherum." Viel lieber sinniert der Coach über seine Vorliebe für Musik ("Keine Opern, aber Konzerte, doch nicht nur von Mozart"), über die sportlichen Stärken seines Heimatlandes ("Das tschechische Volk hat eine gute Mentalität für Mannschaftssportarten") und natürlich über Taktik im Fußball.
Vorliebe für groß gewachsene Stürmer
In Tschechien habe er fast durchgehend ein 4-1-4-1-System praktiziert, was aber nicht bedeute, dass diese Formation für ihn der Stein der Weisen sei. "Die Spieler müssen ins System passen. Bei mir ist die Viererkette fest, aber dann gibt es viele Möglichkeiten", so Brückner. An seiner Vorliebe für groß gewachsene Angreifer an vorderster Front wird sich aber auch in Österreich nichts ändern. "Mit Jan Koller hatten wir Raumgewinn ohne Risiko, wir brauchten weniger Ballstafetten", schildert der ÖFB-Coach die Vorzüge der weiten Pässe auf den tschechischen Zwei-Meter-Stürmer.
Mit Spielern wie Koller, Pavel Nedved, Tomas Rosicky, Petr Cech oder Milan Baros hatte Brückner in Tschechien europäische Top-Kicker zur Verfügung. Dem ÖFB-Team hingegen fehlen im Moment die Stars, was jedoch den Optimismus des 68-Jährigen nicht dämpft. "Die Qualifikation für die WM darf nicht der Wunsch, sondern muss das Ziel sein", fordert der österreichische Nationaltrainer.
Leistung und Einstellung wichtiger als Geburtsurkunde
Dafür sind ihm alle Spieler recht, die mit Freude und Leidenschaft für die österreichische Nationalmannschaft im Einsatz sind. "Bei mir spielt das Alter keine Rolle, sondern nur die Leistung und die Einstellung", lautet Brückners Vorgabe, die er wohl nicht nur für seine Spieler, sondern auch für sich selbst gelten lässt.
(apa/red)
