Montag, 25. August 2008

US-Wahlkampf tritt in die heiße Phase:
Obama steht heute vor seiner großen Kür

  • McCain stellt sich dem Parteitag eine Woche später
  • Obama liegt in Meinungsumfragen knapp vorne

Mit den Nominierungsparteitagen von Demokraten und Republikanern tritt der Präsidentschaftswahlkampf in der USA gut zwei Monate vor der Wahl am 4. November in die heiße Phase. Den Anfang machen die Demokraten. Sie werden heute in Denver mit Senator Barack Obama erstmals einen Schwarzen zum Präsidentschaftskandidaten küren. Eine Woche später werden die Republikaner in St. Paul im Staat Minnesota Senator John McCain offiziell zu ihrem Spitzenkandidaten für die Nachfolge des scheidenden Präsidenten George W. Bush nominieren.

Der heute beginnende Wahlparteitag der Demokraten dürfte in die Geschichte eingehen. Noch nie zuvor hat eine der großen Parteien in den Vereinigten Staaten einen afroamerikanischen Politiker zu ihrem Spitzenkandidaten auserkoren. Der 47-jährige Obama hat allen Meinungsumfragen zufolge echte Chancen, als erster Schwarzer ins Weiße Haus einzuziehen. Der neue Hoffnungsträger der Demokraten, der seinen Landsleuten einen Wandel (Change) verspricht, liegt in den Erhebungen derzeit knapp vor seinem republikanischen Rivalen McCain.

Erfahrener Politiker gegen Hoffnungsträger
Die Krise im Kaukasus unterstrich noch einmal deutlich, dass Obama dringend jemanden an seiner Seite braucht, der ein Gegengewicht zu McCain und seiner Erfahrung in sicherheitspolitischen Fragen bilden kann. McCain, der auch noch keinen Kandidaten für das Vizepräsidentenamt benannt hat, wurde schon viermal in den Senat gewählt (Obama erst einmal) und war lange Jahre Vorsitzender des Streitkräfteausschusses des Senats.

Keine Probleme für McCain
Beim Parteitag der Republikaner vom 1. bis 4. September in St. Paul werden keine größeren Probleme für McCain erwartet. Er hat allerdings des öfteren den konservativen Flügel der Partei verärgert, weil er von Parteidisziplin nie etwas gehalten und auch mit den Demokraten zusammengearbeitet hat.

Anders als Obama bei den Demokraten setzte sich Senator McCain bei den Vorwahlen der Republikaner klar gegen seine Mitbewerber durch, obwohl er als Außenseiter gestartet war. McCain, der am 29. August 72 Jahre alt wird, wäre der älteste US-Präsident in der Geschichte. Ronald Reagan war bei seinem Amtsantritt erst 69 Jahre alt.

Aufgabe der Wahlparteitage
Die wichtigste Aufgabe der alle vier Jahre zusammentretenden Wahlparteitage (National Conventions) von Demokraten und Republikanern in den USA ist die Nominierung der Kandidaten für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten. Die Delegierten verabschieden außerdem ein Wahlprogramm, die sogenannte Plattform, in der die Grundzüge der Politik für die nächsten vier Jahre dargelegt werden und die auf den Präsidentschaftskandidaten zugeschnitten ist. Darüber hinaus werden eine neue Parteiführung gewählt und sonstige Parteiangelegenheiten erledigt, was jedoch weitgehend in den Hintergrund tritt. Traditionell hält die Oppositionspartei ihren Parteitag zuerst ab - in diesem Jahr also die Demokraten.

Die meisten Delegierten sind bei den Vorwahlen in den einzelnen Staaten gewählt worden. Sie verteilen sich entsprechend der Ergebnisse der einzelnen Bewerber bei den Vorwahlen. Daneben gibt es noch sogenannte Superdelegierte. Das sind nicht gewählte, sondern von der Parteiführung ernannte Parteitagsteilnehmer, die anders als die anderen Delegierten ihr Stimmrecht frei ausüben können. Sie spielten in diesem Jahr bei der Entscheidung über den Präsidentschaftskandidaten der Demokraten eine wichtigen Rolle.

(apa/red)

25.8.2008 08:56