Natascha Kampusch

vonapa/red
Montag, 22. August 2011

Der Entführungsfall

  • Eine Chronologie der Causa: Von ihrem Verschwinden bis hin zur Flucht

Rund achteinhalb Jahre wurde Natascha Kampusch in einem Kellerverlies im Haus Priklopils im niederösterreichischen Strasshof gefangen gehalten, bevor sie in einem unbeobachteten Moment flüchten konnte. Ihr Verschwinden zählt zu den spektakulärsten Fällen der Kriminalgeschichte.

- 2. März 1998: Kampusch verschwindet in ihrem Heimatbezirk
Donaustadt auf dem Weg zur Schule. Gegen 7.45 Uhr verlässt sie die
elterliche Wohnung am Rennbahnweg Richtung Volksschule Brioschiweg.
Dort kommt sie jedoch nie an. Ihre Eltern alarmieren am Abend die
Polizei.

- 3. März 1998: Eine Schülerin erzählt der Polizei, dass sie
beobachtet hat, dass Kampusch in einen weißen Bus mit Gänserndorfer
Kennzeichen gezerrt worden ist. Später stellt sich heraus, dass
Priklopil so ein Fahrzeug besaß.

- Juli 2004: Das Bundeskriminalamt lässt auf dem Amtshilfeweg
überprüfen, ob es einen Zusammenhang mit den Taten des
französischen Serienmörders Michel Fourniret gibt.

- 23. August 2006: In Strasshof taucht eine Frau auf, die behauptet,
Kampusch zu sein. Der 44-jährige Priklopil wirft sich in Wien vor
einen Zug und stirbt.

- 25. August 2006: Ein DNA-Gutachten bestätigt, dass es
sich bei der Frau um Natascha Kampusch handelt.

- 6. September 2006: Kampusch spricht erstmals in Medien. In
Interviews mit "News", der "Kronen Zeitung" und dem ORF sagt sie
unter anderem: "Ich dachte nur an Flucht."

- 7. August 2007: Kampuschs Mutter Brigitta Sirny
präsentiert ihr Buch "Verzweifelte Jahre", indem sie die Zeit der
Entführung schildert.

- 23. Oktober 2008: Der Fall Kampusch wird neu aufgerollt. Ermittler
sollen sich noch einmal damit auseinandersetzten.

- 8. Jänner 2010: Der Akt wird wieder geschlossen: Polizei und
Staatsanwaltschaft sind überzeugt, dass Priklopil keine Komplizen
bzw. Mitwisser hatte. Der Freund des Entführers Ernst H. wird
allerdings wegen Begünstigung angeklagt. Er soll unmittelbar nach
Kampuschs Flucht von der Entführung erfahren und Priklopil bei der
Flucht geholfen haben.

- 27. Mai 2010: Constantin Film gibt die Verfilmung von Kampuschs
Geschichte bekannt. Nach dem Tod von Bernd Eichinger übernimmt Sherry
Hormann die Produktion. 2012 soll mit den Dreharbeiten begonnen
werden.

- 8. September 2010: Kampusch veröffentlicht ihre 220-seitige
Autobiografie "3096 Tage" im deutschen List-Verlag. Sie schildert
darin ihr Martyrium. Bis Anfang Februar 2011 werden auf Deutsch
300.000 Stück verkauft. Im September 2010 schafft es das Buch in der
Kategorie Sachbuch auf Platz eins der Bestsellerliste. Im Juni 2011
erhält Kampusch den Buchliebling-Preis 2011.

- 2. November 2010: Neue Ermittlungen gegen fünf in den Fall Kampusch
involvierte Staatsanwälte wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs in
Innsbruck werden bekannt - darunter der Leiter der Wiener
Oberststaatsanwaltschaft, Werner Pleischl, und der Leiter der
Staatsanwaltschaft Graz und ehemalige Sonderermittler in der Causa
Kampusch, Thomas Mühlbacher. Basis ist eine Sachverhaltsmitteilung
des früheren Präsidenten des Obersten Gerichtshofes, Johann Rzeszut,
an die fünf Klubobleute des Parlaments laut der die Beschuldigten
"konsequent und beharrlich entscheidende polizeiliche
Ermittlungsergebnisse vernachlässigt" haben sollen. Rzeszut war
Mitglied der vom Innenministerium eingesetzten
Kampusch-Evaluierungskommission
(Vorsitz: Ex-Verfassungsgerichtshofpräsident Ludwig Adamovich).

- 3. Mai 2011: Die Republik Österreich lehnt eine
Entschädigungszahlung an Kampusch für ihr jahrelanges Martyrium ab.
Das entscheidet die Finanzprokuratur im Namen des Innenministeriums,
da kein "begründeter" Verdacht gegen den Kidnapper vor der
Selbstbefreiung der 23-Jährigen weitere Ermittlungen notwendig
gemacht hätte.

22.8.2011 18:03
Autor:apa/red
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