Bhuttos Witwer möchte Präsident Pakistans werden: Volkspartei spricht sich für ihn aus
- Unterstützung seitens der Muslimliga Sharifs unsicher
- "Mr. Zehn Prozent" für viele Symbol der Korruption

·Selbstmordanschläge
in Pakistan: 9 Tote
Serie terroristischer Anschläge reißt nicht ab
·Pakistan: Koalitions- Streit spitzt sich zu
Ex-Premier Sharif hat mit
Partei-Rückzug gedroht
Der Witwer der ermordeten pakistanischen Spitzenpolitikerin Benazir Bhutto hat seine Bewerbung um die Nachfolge von Präsident Pervez Musharraf angekündigt. Die Führung der Pakistanischen Volkspartei (PPP) hatte sich zuvor einstimmig für Asif Ali Zardari ausgesprochen. Der frühere Ministerpräsident Nawaz Sharif, dessen Pakistanische Muslimliga (PML-N) mit der PPP die Regierung bildet, stellte allerdings Bedingungen für die Unterstützung Zardaris.
Sharif besteht darauf, dass die Machtbefugnisse des Präsidenten künftig beschnitten werden. So soll er nicht mehr das Recht haben, das Parlament aufzulösen und den Chef der Streitkräfte allein zu bestimmen. Die PPP hat sich indessen nicht zu diesen Forderungen geäußert, als sie Zardari nominierte. Der neue Präsident soll von einer Wahlversammlung aus regionalen und überregionalen Abgeordneten am 6. September gewählt werden.
"Mr. Zehn Prozent"
Bhuttos Witwer ist für viele Pakistanis ein Symbol der Korruption. Man nennt ihn "Mr. Zehn Prozent" - eine Anspielung darauf, dass er aus jedem Geschäft zehn Prozent in die eigene Tasche gewirtschaftet haben soll. Musharraf soll in seinen Verhandlungen mit Bhutto kurz vor deren Ermordung Ende Dezember zugesagt haben, die anhängigen Verfahren gegen Zardari einzustellen. Führende Richter wie der von Musharraf entlassene Iftikhar Mohammed Chaudhry könnten aber auf eine Wiederaufnahme drängen.
Auch hierin liegt ein Konflikt zwischen der PPP und der PML-N: Sharif fordert eine Wiedereinsetzung aller entlassenen Richter schon in den nächsten Tagen. Sollte es hier zu keiner Einigung kommen, wäre die Unterstützung der PML-N für Zardari weiter infrage gestellt. Der wegen Korruption vorbestrafte Zardari hatte schon vor dem Rückzug Musharrafs die Diskussion um die Wiedereinsetzung der Juristen gebremst und damit sogar den Zusammenbruch der Koalition riskiert. Erst als unlängst das Oberste Gericht eine von Musharraf-treuen Richtern abgesegnete Amnestievereinbarung für die Bhutto-Familie bestätigte, lenkte Zardari ein. Er sträubt sich jedoch weiter gegen die Rückkehr des Obersten Richters Chaudhry.
Musharraf nach neun Jahren zurückgetreten
Der enge US-Verbündete Musharraf war nach neun Jahren im Amt zurückgetreten und damit einem von der Regierung angestrebten Amtsenthebungsverfahren zuvorgekommen. Der Kampf gegen Musharraf war der Faktor, der die Regierungskoalition geeint hatte. In den 1990er Jahren hatte der Machtkampf zwischen der Volkspartei und Sharifs Muslimliga viel zu den chaotischen Zuständen beigetragen, die Musharrafs Putsch vorausgingen. Experten zufolge besteht nun wieder die Gefahr, dass die Koalition auseinanderdriftet.
Tote bei Gefechten im Nordwesten Pakistans
Bei neuen Gefechten im Nordwesten Pakistans wurden nach Militärangaben mindestens 42 Taliban-Kämpfer getötet. Bei Gefechten im Stammesgebiet Bajaur kamen nach offiziellen Angaben sieben Aufständische ums Leben. Bei einer großen Offensive im Swat-Tal töteten Sicherheitskräfte bis zu 35 Taliban, wie ein örtlicher Militärsprecher mitteilte. Auch zwei Soldaten seien im Swat-Tal ums Leben gekommen, hieß es. Zuvor waren bei Bombenanschlägen im Swat-Tal sowie in Bajaur mindestens zwölf Menschen ums Leben gekommen. Ein Anschlag auf eine Waffenfabrik im Swat-Tal hatte 67 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 100 erlitten Verletzungen.
(apa/red)
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